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OlympiaZwei Stürze und eine erste Risikodebatte

Wenige Tage vor den Olympischen Spielen verletzt sich Torstein Horgmo aus Norwegen auf dem anspruchsvollen Slopestyle-Kurs. Damit löst er eine hitzige Debatte unter den Profis aus.

Heftige Stürze lösten rund um die olympische Premiere der Slopestyler Diskussionen über den Kursbau aus. In den dicht aufeinander folgenden Rail-Passagen und auf den monströsen Kickern kamen einige Rider an die (Schmerz-)Grenzen.

An der Debatte beteiligte sich auch US-Superstar Shaun White, der erstmals in einer zweiten Disziplin den obersten Podiumsplatz anpeilt. Der zweifache Halfpipe-Olympiasieger sprach nach ein paar missratenen Manövern von einem «beängstigenden» Parcours. Aber jeder müsse selber herausfinden, wie die Herausforderung zu bewältigen sei. Dem Amerikaner widersprach der Kanadier Mark McMorris energisch: «Es ist überhaupt nicht gefährlich.» Und Max Perrot, der aktuelle Slopestyle-X-Games-Titelhalter, doppelte nach: «Ich bin keiner, der sich über den Kurs beschwert.»

«Noch nie so grosse Schanzen gesehen»

Aufgeflammt waren die Meinungsverschiedenheiten, nachdem der norwegische Medaillenkandidat Torstein Horgmo im ersten Training am Montag Frakturen erlitten hatte und die finnische WM-Vierte Merika Enne tags darauf nach einem schweren Crash ebenfalls verletzt abtransportiert werden musste. «Es ist definitiv ein schwieriger Kurs. Ich habe nie zuvor so grosse Schanzen gesehen in einem Slopestyle», erklärte der Schweizer Freestyle-Cheftrainer Pepe Regazzi.

Kritisieren mochte er die Verantwortlichen des Ski-Weltverbandes wegen des erhöhten Risikogrades aber keineswegs: «Die Kicker waren nicht zu gefährlich. Man muss sich als Fahrer immer den Verhältnissen anpassen.» 48 Stunden vor dem Start zur Qualifikation senkten die Veranstalter nach Rücksprache mit einigen Teamchefs die Flughöhe.

Candrian relativiert die Thematik

Für Regazzi besteht kein Grund zur voreiligen Polemik. Eine panische Entschärfung liege nicht vor: «Die kleinen Anpassungen, welche die FIS nun vorgenommen hat, sind normal. Das ist auch im Weltcup so üblich und überhaupt kein Problem.» Isabel Derungs versteht die temporäre Aufregung ebenso wenig: «Es ist anspruchsvoll hier, klar, aber daran gewöhnt man sich.»

Sina Candrian, die in Russland erstmals nach einer über zweimonatigen Verletzungspause (wegen einer Diskushernie) wieder antreten wird, relativierte die Thematik um das (zu) grosse Risiko. Mit Abflügen habe man in dieser spektakulären Sportart immer zu rechnen, so bedauerlich die Ausfälle der beiden Rider-Kollegen seien. Sie selber wird den Fuss nicht vom Gaspedal nehmen: «Vielleicht zeige ich hier sogar einen Ten (drei Rotationen).» (si)

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