Open-Water-Schwimmen: Zwei Stunden mit Hecht und Entenkot
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Open-Water-SchwimmenZwei Stunden mit Hecht und Entenkot

Die Schweizer Medaillenhoffnung Swann Oberson kämpft heute nicht nur gegen eine starke Konkurrenz, sondern auch gegen allerlei Getier und Dreck im Serpentine Lake.

von
pre

Auf dem Weg zur ersten Schweizer Schwimmer-Medaille könnte nicht die Distanz von 10 Kilometern, sondern der Durchfall das grösste Hindernis von Open-Water-Hoffnung Swann Oberson werden. Der Serpentine Lake im Hyde Park gilt nicht als besonders sauber, das trübe Wasser ist mit Tierexkrementen durchsetzt. Beim ersten Training vor den Wettkämpfen sammelte sich in der Badehose des deutschen Topfavoriten Thomas Lurz der Dreck regelrecht an.

«Das hier ist ein Entenklo», rümpfte der deutsche Trainer Nikolai Evseev empört die Nase. Eine Schweizerin – eigentlich kann nur Swann Oberson gemeint sein – soll gar einen Ausschlag vom dreckigen Wasser bekommen haben. Von Läusen, Tierexkrementen und bissigen Hechten ist die Rede. Dass Schwimmerin Angela Maurer im Training von einem Schwan angegriffen worden ist, zeigt wie ungemütlich es im Serpentine werden kann, der eigentlich gar kein See ist, sondern ein gestauter Fluss. 1730 ordnete Königin Caroline an, den Fluss Westbourne zu stauen.

«Ein bisschen Grün stört nicht»

Die Wassertemperatur ist nicht gerade angenehm: Nur knapp 19 Grad zeigte das Thermometer am Mittwochmorgen an. Dank des schönen Wetters könnte sich der See noch auf 20 oder 21 Grad aufheizen. Im Gegensatz zu den Triathleten dürfen die Schwimmer keinen Neoprenanzug tragen.

Oberson sorgt sich denn auch mehr um die Wassertemperatur als um das schmutzige Wasser und das Getier. Das bisschen Grün störe nicht, und dreckig finde sie das Wasser schon gar nicht, obwohl es aus der Ferne oder am Fernsehen so aussehe. Bei ihrem WM-Titel über 5 Kilometer vor einem Jahr im ostchinesischen Meer vor Schanghai war das Wasser sauber und rund 30 Grad warm.

Zweistündige Tortur

Ob das der Grund war, warum sie das zweite Training im Hyde-Park-Tümpel vom Mittwoch sausen liess? «Ich kenne den See ja schon vom olympischen Test-Wettkampf im letzten Jahr», lautete ihre Begründung. Allzu lang will sich Oberson wohl nicht in der schmutzigen Brühe aufhalten. Zwei Stunden muss sie aber mindestens noch darin schwimmen – vielleicht wird sie für diese Tortur ja mit einer Medaille belohnt.

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