Aktualisiert 05.09.2014 13:18

Total im Eimer

Zwei Tage Gefängnis wegen eines Abfallsacks

Es begann mit einem kleinen Vergehen: Deny Eggimann aus Biel stellte seinen Gebührensack am falschen Tag auf die Strasse. Am Ende sass er mit Schwerverbrechern im Gefängnis.

von
gbr
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Deny Eggimann zeigt das Corpus Delicti. Exakt so einen Sack deponierte er einen Tag zu früh ...

Deny Eggimann zeigt das Corpus Delicti. Exakt so einen Sack deponierte er einen Tag zu früh ...

Laurent Crottet, Le Matin (zvg)
... und zwar genau hier neben diesem Baum. Dafür gab es 150 Franken Busse - und am Ende zwei Tage Gefängnis.

... und zwar genau hier neben diesem Baum. Dafür gab es 150 Franken Busse - und am Ende zwei Tage Gefängnis.

Laurent Crottet, Le Matin (zvg)

Eigentlich wollte der 44-jährige Deny Eggimann nur zwei Wochen in die Berge fahren. Eggimann ist passionierter Skifahrer: Im Gepäck hatte er vier Paar Ski, da er für Swiss Paralympic blinden Sportlern das Skifahren beibringt. Weil Eggimann dafür zwei Wochen seine Wohnung verlassen musste, wollte er seinen Müll – einen offiziellen 17-Liter-Gebührensack der Stadt Biel – vor der Abreise am Montag noch loswerden.

So weit, so nachvollziehbar. Der Bieler zur Zeitung «Le Matin»: «Ich wollte nicht, dass der Abfall in der Wohnung verschimmelt.» Also entschied er sich, den Sack nicht am eigentlichen Sammeltag vor 6 Uhr morgens – wie es das Gesetz eigentlich vorschreibt – vor die Haustüre zu stellen. Nein, Eggimann beging eine Gesetzesübertretung und stellte seinen Hausmüll einen Tag zu früh raus. Und das erst noch nach 6 Uhr morgens, mitten in Biel, am Strassenrand, neben einen Baum.

Bieler Inspektoren ermitteln den Abfallsünder

Den Bieler Behörden entging der Täter nicht. Der störende Sack wurde bemerkt, gesichert, eingesammelt, geöffnet, durchsucht – und die Inspektoren wurden fündig. In den Tiefen des 17-Liter-Sacks stiessen sie auf den Namen und die Adresse des Täters. Das Öffnen der Post war für Eggimann nach seiner Rückkehr aus den Bergen kein Vergnügen: 150 Franken Busse wollte die Stadt vom Abfallsünder, wie «Le Matin» schreibt.

Das wollte der Skisportler nicht schlucken – er schaltete auf stur. «Es kam für mich überhaupt nicht in Frage, auch nur einen Rappen zu bezahlen», sagt er zur Zeitung. Es kam zu einem langen schriftlichen Hin und Her zwischen ihm und den Behörden. Doch Eggimann hatte keine Chance – Gesetz ist Gesetz, und die Behörden gaben sich genauso stur wie er.

Busse wird in Gefängnis umgewandelt

Eggimann meinte es ernst: Er bezahlte bis zuletzt keinen Rappen. Das führte am Ende dazu, dass die Busse in eine Gefängnisstrafe umgewandelt wurde. Zwei Tage Knast für 150 Franken.

Der Bieler, der seine Strafe vergangene Woche abgesessen hat, erzählt dem «Matin»: «Ich sass in einer Zelle ein, die für Schwerverbrecher vorgesehen war. Zum Zmorge gab es Brot und verschmutztes Wasser.» Mithäftlinge hätten ihm Heroin und Kokain angeboten. Alles im Eimer? Nicht für Eggimann. Er sei mittlerweile sogar damit beschäftigt, neuartige Abfallbehälter zu entwickeln.

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