USA: Zwei Tage lang Unruhen in Milwaukee
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USAZwei Tage lang Unruhen in Milwaukee

Bei neuen gewaltsamen Protesten nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen 23-Jährigen im US-Staat Wisconsin ist erneut eine Person angeschossen worden.

von
nag

Ein Toter, ein Demonstrant verletzt, Krawalle und Festnahmen im US-Staat Wisconsin: Polizisten schützen sich vor Wurfgeschossen. (14. August 2016)

Tödliche Schüsse eines Polizisten auf einen Verdächtigen haben in Milwaukee die zweite Nacht in Folge zu Ausschreitungen geführt. Dabei wurde eine Person angeschossen.

Wie die Polizei per Twitter mitteilt, hätten Beamte die bei der Demo angeschossene Person in einen gepanzerten Polizeiwagen gebracht und dann ins Spital. Details zu deren Identität gab es zunächst nicht. So war nicht klar, ob es sich um einen Demonstranten handelte.

Die Behörden teilten auch mit, dass beide am ursprünglichen Vorfall Beteiligten schwarzer Hautfarbe waren. Der Beamte, der die tödlichen Schüsse abgefeuert habe, sei wie das 23-jährige Opfer ein Schwarzer gewesen. Die Ermittlungen zu dem Fall gingen indes weiter, hiess es.

Aus Sorge vor neuen Unruhen hat der Gouverneur des Staats Wisconsin, Scott Walker, die Nationalgarde in Bereitschaft versetzt. 125 Mitglieder der Truppe sollten die Polizei im Falle neuer Krawalle unterstützen, teilten die Behörden am Sonntag mit. Die Nationalgarde kam bisher jedoch nicht zum Einsatz.

Unruhen nach Tod von Schwarzem in Milwaukee

17 Verhaftungen, vier Verletzte

Bei den Unruhen Auf die Beamten flogen Steine. Nach einem Bericht der Zeitung «The Journal Sentinel» schmissen einige die Fenster eines Streifenwagens ein, ein anderes Polizeiauto wurde angezündet. Zudem wurden sechs Geschäfte in Brand gesetzt. Die Feuerwehr konnte nicht löschen, weil Schüsse abgefeuert wurden.

Bürgermeister Edward Flynn teilte später mit, 17 Personen seien festgenommen worden. Vier Beamte seien durch umherfliegendes Glass und Strassenbelag verletzt worden, jedoch keiner von ihnen schwer.

«Im Rahmen des Gesetzes»

Stunden zuvor hatte die Polizei nach eigenen Angaben ein Fahrzeug angehalten, in dem Sylville Smith unterwegs war. Dieser sei dann ausgestiegen und weggerannt, sich dann aber mit einer Waffe in der Hand dem Beamten zugewandt, sagte Polizeichef Flynn. Der Polizist habe Smith aufgefordert, die Pistole fallenzulassen, was dieser jedoch nicht getan habe.

Wie viele Schüsse der Beamte auf ihn abgab, sei noch unklar. Smith sei jedoch an der Brust und am Arm getroffen worden, sagte Flynn. Ergebnisse der Autopsie der Leiche stünden noch aus, doch lege ein Video der Bodycam des Beamten nahe, dass er sich bei seinem Vorgehen gegen Smith «sicherlich im Rahmen des Gesetzes zu bewegen schien», erklärte Flynn weiter. Auch Bürgermeister Barrett verwies auf ein Foto von der Bodycam des Polizisten, das Smith bei seiner Flucht mit einer Waffe zeige.

Verdächtiger wurde 13 Mal festgenommen

Gerichtsakten zufolge hatte der Tote ein langes Vorstrafenregister, die meisten Fälle drehten sich um Ordnungswidrigkeit. Der Sheriff im Bezirk Milwaukee, David Clarke, berichtete zudem, Smith sei 13 Mal festgenommen worden.

Der Polizist, der die Schüsse auf ihn abgegeben haben soll, wurde vom Streifendienst abgezogen und zu Büroaufgaben eingeteilt. Laut den Behörden ist der Beamte 24 Jahre alt und seit drei Jahren bei der Polizei.

Justiz soll Polizeiapparat gründlich untersuchen

Es war nicht das erste Mal, dass sich Unmut an der Polizei von Milwaukee entzündet hat. Nachdem ein Beamter 2014 einen psychisch kranken Afroamerikaner erschoss, kam es in der Stadt zu Protesten. Forderungen nach einer Polizeireform wurden laut. Im Dezember 2015 kündigte das Justizministerium in Washington eine Kooperation mit der Polizei der Stadt an, um Veränderungen anzustossen. Fast 40 Prozent der 600'000 Bewohner von Milwaukee sind Afroamerikaner.

Kritiker forderten jedoch, dass der örtliche Polizeiapparat vom Justizministerium genauso gründlich unter die Lupe genommen werden müsse wie jener von Ferguson im Staat Missouri. Dort war 2014 der 18-jährige Afroamerikaner Michael Brown von einem weissen Beamten erschossen worden. Der Fall löste damals gewaltsame Proteste aus und befeuerte die Debatte um den Umfang der Polizei mit US-Bürgern, die Minderheiten angehören. Zuletzt gab es in den USA wiederholt Fälle von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner und in der Folge Mordanschläge auf Polizeibeamte. (nag/sda)

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