Aktualisiert

Fall MünchenZwei weitere Schüler unter Verdacht

Die Ermittlungen der Münchner Polizei laufen weiter auf Hochtouren: Im Fokus stehen weiterhin auch zwei 15- und 17-jährige Mitschüler der mutmasslichen Haupttäter. Derweil gehen Mike B. und sein Anwalt getrennte Wege. Der Grund ist unklar.

von
Amir Mustedanagic

Während die mutmasslichen Haupttäter psychiatrisch untersucht werden, stehen zwei ihrer Mitschüler weiterhin im Fokus der Ermittlungen: Die beiden 15- und 17-Jährigen waren von der deutschen Polizei zunächst festgenommen, anschliessend aber wieder freigelassen worden. «Es bestand nach ersten Erkenntnissen kein dringender Tatverdacht gegen die beiden», sagt der Münchner Oberstaatsanwalt Wolfgang Beckstein auf Anfrage von 20 Minuten Online. Deshalb habe man rechtlich keine Grundlage gehabt, die zwei Mitschüler festzuhalten.

Inzwischen sei aber nicht klar, ob die beiden Jugendlichen nur anwesend waren oder «auch aktiv mitgewirkt haben», sagt Beckstein. «Die bisherigen Befragungen haben in diesem Zusammenhang keine eindeutige Aussage ergeben.» Sollte sich der Tatverdacht gegen die zwei Mitschüler erhärten, würde man wohl eine Auslieferung beantragen. «Ob dies überhaupt möglich ist, wissen wir aber momentan noch nicht», so Beckstein weiter. Sicher sei bisher im Zusammenhang mit den zwei Schülern nur, «dass sie - wenn überhaupt - nur am Rande beteiligt gewesen waren.»

Einvernahme von Zeugen in der Schweiz möglich

Die drei mazedonischen Opfer der brutalen Attacke im Münchner Nussbaumpark konnten laut Beckstein einvernommen werden. Zudem seien ihre Verletzungen untersucht und begutachtet worden. Nebst Befragungen ist auch der Austausch mit den Schweizer Behörden geplant. Die Strafregisterauszüge der beiden zunächst festgenommenen Jugendlichen seien bereits kurz nach den Festnahmen angefordert worden. Darin seien keine Einträge gewesen, so Beckstein gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Sie seien aber aus Datenschutzgründen nicht unbedingt vollständig, weswegen man jetzt auf dem Weg der Rechtshilfe genauere offizielle Auskünfte aus der Schweiz anfordern wird. Anfragen will Beckstein auch, ob die Jugendlichen bei anderen Behörden wie dem Jugendamt bekannt seien.

Die Schweizer Kollegen werden vermutlich noch weitere Zeugen der verschiedenen Taten befragen, sagt Beckstein gegenüber 20 Minuten Online. «Sollte sich aus den Befragungen ergeben, dass eine Mitschülerin oder ein Mitschüler genauere Angaben zu den einzelnen Attacken oder zu den Geschehnissen rund um die Zwischenfälle machen kann, werden wir eine Einvernahme durch die Schweizer Polizei beantragen.» Laut AP ist es auch denkbar, dass Beamte aus Deutschland bei diesen Vernehmungen anwesend sein werden.

Ermittlungen wegen «versuchten Mordes»

Die Behörden ermitteln sowohl bei den Angriffen auf die drei Mazedonier als auch auf den 46-jährigen Geschäftsmann wegen versuchten Mordes, wie Beckstein im Interview mit 20 Minuten Online erklärte. Im dritten Fall (zur Übersicht der Attacken) wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, auch hier stehe der Mordversuch aber im Raum und werde geprüft.

Das 46-jährige Hauptopfer befindet sich laut Beckstein immer noch im Spital. Es wird sich in den kommenden Tagen mehreren Operationen unterziehen müssen.

Anwalt vertritt Mike B. nicht mehr

«Ich vertrete seit Dienstagmorgen nicht mehr die Interessen von Mike B.», sagt Florian Schneider gegenüber 20 Minuten Online. Ob der Rechtsanwalt sein Mandat niederlegte oder ob die Familie Mike B. sich zu diesem Schritt entschied, wollte Schneider nicht mitteilen. Sicher ist: Am Dienstagmorgen fand die Akteneinsicht für die Rechtsvertreter statt. Noch am Montag erklärte der Anwalt sein Mandat kapiere noch gar nicht, was geschehen sei (20 Minuten Online berichtete).

Schweizer Schüler prügeln in München

Drei Schüler aus dem Kanton Zürich sitzen seit Mittwoch, 1. Juli, in München in Untersuchungshaft. Sie werden des versuchten Mordes und der schweren Körperverletzung beschuldigt. Am Abend zuvor tranken und kifften sie und gingen danach wahllos auf Passanten los. Einen verletzten sie lebensgefährlich. Die Jugendlichen befanden sich mit ihrer Klasse des 10. Schuljahrs der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) in einer externen Kurswoche in München.

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