Räumung Mormont-Hügel - Zwei Zadisten harren in den Bäumen aus
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Räumung Mormont-HügelZwei Zadisten harren in den Bäumen aus

Das Camp der Ökofeministinnen und -feministen auf dem Mormont-Hügel wurde am Dienstag nach einem knappen halben Jahr von der Polizei geräumt. Zwei Zadisten harren weiterhin auf dem Gelände aus.

von
Céline Krapf

Darum gehts

  • Der Mormont-Hügel im Waadtland wurde von Ökofeministinnen und -feministen ab Oktober besetzt. Am Dienstag wurde das Camp von der Polizei geräumt.

  • Zwei Personen seien noch immer in den Bäumen, teilte die Polizei am Mittwochnachmittag mit.

  • Die Junge SVP bezeichnet das Camp als «Umweltsünder-Lager».

Einen Tag nach der grossen Räumung harren auf dem Mormont-Hügel im Waadtland noch immer zwei Personen in den Bäumen aus. Ansonsten seien von den rund 150 Aktivistinnen und Aktivisten des ZAD-Camps im Waadtland alle vom Areal vertrieben oder verhaftet worden, schreibt die Polizei heute. Im Allgemeinen sei die Aktion gut verlaufen. Die nächsten Tage werde sie weiter damit beschäftigt sein, den Hügel zu räumen und zu sichern, schreibt 20 Minutes. Die zwei Besetzenden aus luftiger Höhe zu evakuieren, hätten die Einsatzkräfte mittlerweile aufgegeben – zur Sicherheit aller.

83 Personen sind laut Polizei am Dienstag festgehalten und identifiziert worden, rund 20 seien verhaftet worden. Aktivistinnen und Aktivisten versammelten sich deshalb am Mittwoch vor dem Waadtländer Polizeipräsidium in Mont-sur-Lausanne, um gegen die Festnahmen zu protestieren. Die meisten Personen seien inhaftiert worden, weil sie sich weigerten, sich zu identifizieren, sagt eine Demonstrantin vor Ort.

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Die Einsatzkräfte bei der Räumung am Mittwoch.

Die Einsatzkräfte bei der Räumung am Mittwoch.

ma /20min
Aktivistinnen und Aktivisten versammelten sich am Mittwoch vor dem Waadtländer Polizeipräsidium in Mont-sur-Lausanne.

Aktivistinnen und Aktivisten versammelten sich am Mittwoch vor dem Waadtländer Polizeipräsidium in Mont-sur-Lausanne.

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Bilder der Waadtländer Polizei zeigen die Überreste des Camps.

Bilder der Waadtländer Polizei zeigen die Überreste des Camps.

Police vaudvoise

Die Waadtländer Jungsozialisten und Grünen hatten sich am Dienstag entsetzt gezeigt über die Zwangsräumung und ihre Solidarität bekundigt. Sie forderten dazu auf, alle Verhafteten sofort freizulassen und auf die Strafverfolgung dieser zu verzichten, schreibt 20 Minutes. Die grüne Regierungsrätin Béatrice Métraux sagte gar, die Zadisten hätten mit der Beton-Abhängigkeit ein Problem ans Licht gebracht, das nicht unter den Teppich gekehrt werde.

Am Mittwoch reagierte nun auch die Junge SVP auf die Räumung und bezeichnet das Camp als «Umweltsünder-Lager»: «Es ist für uns unbegreiflich, wie eine grossflächige Verschmutzung der Landschaft und das Anzünden diverser Materialien etwas zum Klima- oder Umweltschutz beisteuern soll», schreibt Andreas Gerber, Vizepräsident der Jungen SVP. Das wahre Motiv der Linksaktivisten und -aktivistinnen zeige sich damit: «Umweltverschmutzung ist gut, solange es nur einem linken Zweck dient.» Selbes gelte auch für die Gewalt.

Was wollen die Besetzenden?

Die Aktivisten und Aktivistinnen nannten sich «ZAD de la Colline», was so viel heisst wie «Verteidigungszone am Hügel». Das Kollektiv selbst nennt sich «Orchidee» - eine Referenz an die Blütenpracht im Gebiet. Die Demonstranten und Demonstrantinnen stammten nicht mehr nur aus der Romandie, sondern reisten auch aus der Deutschschweiz, dem Tessin und gar aus dem nahen Ausland an. Mit der Besetzung des Mormont-Hügels demonstrierten sie gegen den geplanten Ausbau einer Steingrube des Zement-Riesen Holcim. Einsprachen von Umweltorganisationen haben ihre Wirkung verfehlt - ein Bundesgerichtsentscheid ist noch hängig.

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