Zugunglück im Wallis: «Blutender Lokführer kümmerte sich um die verletzten Pendler»
Aktualisiert

Zugunglück im Wallis«Blutender Lokführer kümmerte sich um die verletzten Pendler»

Am Freitagmorgen sind im Wallis zwei Züge in einem Tunnel in der Nähe von Oberwald kollidiert. Ein Mitreisender erzählt von seinem Erlebnis.

Bei der Kollision von zwei Zügen in einem Tunnel in der Nähe von Oberwald VS sind am Freitagmorgen elf Reisende zumeist leicht verletzt worden.

sda

Darum gehts

  • Bei einer Zugskollision im Wallis sind mehrere Menschen verletzt worden.
  • Ein Autozug war in die Flanke eines Reisezugs gefahren.
  • Bilder von der Unfallstelle zeigten, wie der Autozug durch die Flankenfahrt angehoben wurde und in starker Schräglage mit den Rädern auf einer Seite noch auf den Schienen zum Stillstand kam.

Die Kollision der beiden Züge der Matterhorn Gotthard Bahn ereignete sich gegen 10.10 Uhr im Stephan-Holzer-Tunnel, wie die Bahngesellschaft mitteilte. Ein von Oberwald VS Richtung Realp UR verkehrender Autozug sei in die rechte Flanke eines von Andermatt UR in Richtung Oberwald VS verkehrenden Regionalzugs gefahren.

Von den Verletzten wurden sieben vor Ort durch Medizinalpersonal betreut, wie ein Sprecher der Walliser Kantonspolizei auf Anfrage sagte. Drei Verletzte seien mit Ambulanzen für weitere Abklärungen ins Spital gefahren worden, ein Betroffener sei per Helikopter ins Spital Sitten geflogen worden. Bei den Verletzten handelt es sich um Schweizer Staatsangehörige aus verschiedenen Kantonen.

Die Sanität vor Ort ging aber nicht davon aus, dass jemand lebensgefährlich verletzt wurde. «Man wollte einfach auf Nummer sicher gehen», sagte Polizeisprecher Mathias Volken.

«Ich habe nach der Kollision nur noch geschlottert»

20 Minuten konnte mit einem Mitreisenden, der mit dem Autozug unterwegs war, sprechen. Noch immer sitzt der Schock tief. «Ich habe nach der Kollision nur noch geschlottert», sagt der Mann. Inzwischen habe ihm ein Sanitäter ein Beruhigungsmittel verabreicht; so kann er von seinem Horror-Erlebnis nun erzählen.

Er sei in seinem VW gesessen, zuvorderst im Autozug, hätte auf dem IPad gelesen, als es plötzlich zu einer Vollbremsung kam. «Ich schaute auf und da sah ich, wie die Lichter eines entgegenkommenden Zuges frontal auf mich zufuhren.» Innert Bruchteilen von Sekunden – er hätte nichts mehr tun, sondern nur noch bangen können – sei es dann auch schon zur lauten, heftigen Kollision zwischen den beiden Zügen gekommen. Wie ein Sprecher der Bahn auf Anfrage sagt, ereignete sich der Zusammenstoss der beiden Züge auf einer Weiche.

Zu Fuss verliessen die Reisenden den Unglücksort

Hautnah erlebte der Reisende die gesamte Kollision mit: «Der Regionalzug flankierte unsere Lokomotive, dann schlitterte er entlang des Autozuges an uns vorbei», sagt der Mann. Dabei wurde der Regionalzug weiter stark beschädigt – «es fielen Fenster und diverse andere Teile auf mein Auto nieder», berichtet der Reisende. Sein VW-Passat erlitt zwar Totalschaden, doch physisch blieb der Mann unverletzt.

Dies teilte er dann auch gleich dem Lokführer des Regionalzuges mit, der sich direkt nach dem Stillstand im Tunnel um sämtliche Passagiere kümmerte. «Er blutete zwar selber, dennoch ging der Zugführer von Auto zu Auto, von Person zu Person, um sich um allfällig Verletzte zu kümmern», erzählt der betroffene Leser. Gemäss dem ÖV-Betrieb seien mehrere Personen leicht verletzt worden.

Schliesslich seinen alle Reisenden – die Insassen der 15 Fahrzeuge sowie die 30 Reisenden des Regionalzuges – zu Fuss aus dem Tunnel geführt worden. Draussen brausten nur Minuten später auch schon Ambulanzen, Feuerwehrautos sowie die Polizei an. «Ich glaube, sämtliche Einsatzkräfte des Oberwallis wurden aufgeboten», meint der Betroffene. Umgehend seien sie allesamt versorgt worden. «Schliesslich ist auch ein Helikopter gelandet – vielleicht kam dieser für den Lokführer unseres Autozuges», mutmasst der Leser. Denn der Führerstand des Autozuges wurde stark eingedrückt – die Lokomotive kippte zur Seite.

Reisezugswagen aufgerissen

Bilder von der Unfallstelle zeigten, wie der Autozug durch die Flankenfahrt angehoben wurde und in starker Schräglage mit den Rädern auf einer Seite noch auf den Schienen zum Stillstand kam. Er kippte aber nicht um. An einem der Wagen des Reisezugs wurde die Karosserie aufgerissen. Ein grösserer Teil der Karosserie drang in den Passagierraum ein.

Die Komposition des Autozugs bestand laut der Mitteilung aus einer Lokomotive mit neun Wagen und war mit rund 15 Fahrzeugen beladen. Mit dem aus einer Lokomotive und fünf Wagen bestehenden Regionalzug waren rund 30 Reisende unterwegs, wie es in der Mitteilung der Matterhorn Gotthard Bahn weiter heisst.

Ein Sprecher der Bahn sagte auf Anfragte, die Kollision habe sich auf einer Weiche ereignet. Die Unfallursache war zunächst nicht bekannt. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) sei für die Abklärung der Ursache aufgeboten worden, schreibt die Bahngesellschaft. Auch die Staatsanwaltschaft nahm in Zusammenarbeit mit der Polizei Ermittlungen auf.

Reisende mussten eine Stunde mehr Zeit einrechnen

Die Passagiere des Regionalzugs konnten nach Bahnangaben weiterreisen. Die Benutzer des Autozugs warteten vor Ort auf die Freigabe der Komposition und ihrer Fahrzeuge durch die Sust. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn betreuten sie.

Der Betrieb der Matterhorn Gotthard Bahn zwischen Ulrichen und Realp wurde vorübergehend eingestellt. Zwischen den beiden Orten wurden Bahnersatzbusse organisiert. Dadurch mussten die Reisenden rund eine Stunde mehr Zeit einrechnen. Die Matterhorn Gotthard Bahn ging davon aus, dass die betroffene Strecke voraussichtlich bis mindestens Betriebsschluss am Freitag gesperrt bleibt.

Etwas gesehen? Schicken Sie es uns per Whatsapp!
Diese Nummer sollten Sie sich gleich jetzt in Ihrer Kontaktliste speichern, denn Sie können Fotos und Videos per Whatsapp an die 20-Minuten-Redaktion schicken.

(miw / sda, SDA)

Deine Meinung