Doppelmord auf Koh Tao: Zwei zum Tode verurteilte Sündenböcke?
Aktualisiert

Doppelmord auf Koh TaoZwei zum Tode verurteilte Sündenböcke?

Trotz grosser Zweifel: Zwei Arbeiter aus Burma sollen für den brutalen Mord an den Briten Hannah Witheridge (23) und David Miller (24) hingerichtet werden.

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pat/gux

Wegen Mordes an den beiden britischen Touristen Hannah Witheridge (23) und David Miller (24) sind heute, Mittwoch, 24. Dezember, zwei Wanderarbeiter aus Burma zum Tode verurteilt worden.

Der Richterspruch gegen Win Zaw Htun und Zaw Lin sorgte am Donnerstag umgehend für scharfe Kritik: Denn die Geständnisse waren nach deren Angaben unter Folter zustande gekommen. Zudem gab es bei dem Fall von Anfang etliche Ungereimtheiten. Die Anwälte der Angeklagten kündigten an, in Berufung zu gehen.

Auch Menschenrechtler zeigten sich entrüstet – und fordern einen fairen Berufungsprozess.

Tatsächlich sollen Wanderarbeiter aus Burma immer wieder als Sündenböcke für in Thailand verübte Verbrechen herhalten. In Thailand arbeiten rund 2,5 Millionen Menschen aus Myanmar, die meisten als Hausdiener oder in gering qualifizierten Jobs als Bauarbeiter, Fischer oder als Arbeiter in der Bekleidungsindustrie. Das bestätigte auch eine Anwohnerin der Ferieninsel Koh Tao gegenüber 20 Minuten: «Es gibt überall auf der Welt gute und schlechte Menschen. Unsere burmesischen Gastarbeiter dürfen nicht pauschal verurteilt werden.»

Vater Miller: «Überwältigende Beweise»

Ian Miller, der Vater des ermordeten David, ist nach dem Todesurteilen sicher,d ass alles seine Richtigkeit hat. Er sagte gegenüber der «Daily Mail»: «Wir glauben, dass David und Hannah mit dem heutigen Urteil Gerechtigkeit widerfährt. Wir wussten lange nicht, was wir glauben sollten und ob die beiden Burmesen wirklich Sündenböcke waren.»

Doch die beiden hätten vor Gericht gute Anwälte gehabt. «Wir waren am Prozess dabei und haben gegenüber dem Gericht Respekt gewonnen. Die Ermittlungen waren nicht schlampig durchgeführt, wie behauptet wird. Die Beweise gegen die beiden Angeklagten waren absolut überwältigend.»

Mit einer Hacke erschlagen

Die nackten Leichen der beiden jungen Briten waren am 15. September 2014 an einem Sandstrand der thailändischen Ferieninsel Koh Tao entdeckt worden. Die Autopsie ergaben, dass die Rucksacktouristen schwere Kopfverletzungen erlitten hatten – offenbar waren sie mit einer Spitzhacke.

Der Frau sei mit der Hacke ins Gesicht geschlagen worden, ihr Begleiter, der vier Meter von ihr entfernt gefunden wurde, erlitt tiefe Schläge mit der Hacke in den Rücken und in den Kopf, wie die Polizei vor einem Jahr mitteilte. Die Mordwaffe fand die Polizei wenige Meter neben den Touristen. Die junge Frau soll vergewaltigt worden sein, zumindest hatte sie kurz vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr gehabt.

Tatort nicht ordentlich gesichert

Das brutale Verbrechen an den Urlaubern galt als Rückschlag für das thailändische Tourismusgewerbe, das nach dem Militärputsch im Mai 2014 ohnehin mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.

Unter immensem Handlungsdruck rief die Polizei mehr als 200 Menschen auf Koh Tao zum DNA-Test zu sich. Schon zu Beginn warf der Fall allerdings Fragen über die Herangehensweise der Ermittler auf: Ihnen wurde etwa vorgeworfen, den Tatort nicht ordentlich gesichert und mehrfach Namen sowie Fotos von Verdächtigen veröffentlicht zu haben, die sich später als unschuldig entpuppten.

Nachdem auch das Aussenministerium in London seine Besorgnis geäussert hatte, erhielten britische Ermittler Einblick in die Arbeit ihrer Kollegen aus Thailand.

Männer widerriefen die Geständnisse

Rund zwei Wochen nach dem Doppelmord waren die zwei burmesischen Arbeiter Win Zaw Htun und Zaw Lin festgenommen worden. Die Polizei teilte mit, das Duo habe die Taten gestanden. Auch DNA-Spuren brächten sie mit den Verbrechen in Verbindung. Doch später widerriefen die Männer die Geständnisse und sprachen von Nötigung durch die Polizei.

Win Zaw Htun sagte aus, er sei gefoltert, geschlagen und bedroht worden, damit er ein Geständnis ablege. Ihm seien nackt Handschellen angelegt und Fotos von ihm gemacht worden, sagte sein Anwalt Nakhon Chompuchat. Beamte hätten seinem Mandaten zudem angedroht, ihn an einen Felsen zu binden und im Meer zu versenken.

Der Mitangeklagte Zaw Lin erklärte, ihm seien zunächst die Augen verbunden und dann Schläge auf den Brustkasten versetzt worden. Immer wieder sei ihm zudem eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt worden, bis er ohnmächtig geworden sei, sagte Nakhon. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück.

Beweismittel manipuliert?

Die bekannteste Forensikerin Thailands, Porntip Rojanasunand, sagte dazu aus, die Polizei habe Beweismittel manipuliert, darunter die nach Behördenangaben als Mordwaffe genutzte Hacke. Sie habe das Gerät erneut einem Test unterzogen und dabei zwar DNA-Spuren zweier Männer gefunden – aber nicht jene der Verdächtigen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verlangte eine Prüfung des Todesurteils in einem «transparenten und fairen Berufungsprozess.» Die verhängte Strafen seien in Anbetracht der nicht näher untersuchten Foltervorwürfe der zwei Beschuldigten und den von der Gerichtsmedizinerin in Zweifel gezogenen DNA-Beweisen «zutiefst verstörend», sagte Phil Robertson, Vize-Direktor der Asien-Abteilung der Organisation. (pat/gux/sda)

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