Aktualisiert 11.01.2010 16:48

Hartnäckige Übernahmegerüchte

Zweifel an der Heirat von Allianz und Swiss Life

Die Swiss-Life-Aktie befindet sich im Gerüchte-Hoch: Die Übernahme des Schweizer Versicherers durch den deutschen Rivalen Allianz soll kurz bevorstehen. Börsenhändler beurteilen den möglichen Deal allerdings eher skeptisch.

von
scc/oba

Die deutsche Allianz soll in Kürze die Swiss Life übernehmen. Dieses Gerücht machte bereits Ende letzter Woche die Runde. Als angeblicher Kaufpreis wurden bis zu 5,5 Mia Schweizer Franken herum geboten. Dies trieb den Aktienwert des Schweizer Versicherers in die Höhe: Am Montag schnellte der Kurs der Swiss-Life-Aktien erneut um bis zu 10,1 Prozent in die Höhe. Zum Schluss notierte die Swiss-Life-Aktie 5,5 Prozent fester auf 152.70 Franken.

«Deal nicht unmöglich»

Börsenkreise beurteilen das Übernahme-Gerücht indes mit einiger Skepsis. So sagt ein Händler, der nicht namentlich genannt werden will, der Deal sei zwar keine Unmöglichkeit und wäre für die Swiss-Life-Aktionäre eine «schöne Sache», jedoch glaube er persönlich nicht daran, da die Aktien des Schweizer Versicherers zurzeit (am Montagmorgen) immer noch verhältnismässig günstig bewertet seien.

Aktienanalyst Roger Degen von der Bank Julius Bär ist ebenfalls skeptisch, mag die Geschichte aber nicht von vornherein ins Reich der Legenden schicken. «Unmöglich ist der Deal nicht. Die Allianz verfügt über eine genügend gefüllte Kriegskasse, um die Swiss-Life zu schlucken.» Strategisch mache es für den deutschen Versicherer jedoch wenig Sinn, den Schweizer Konkurrenten zu schlucken, führt der Analyst weiter aus. Grund: Die Swiss Life sei ebenfalls im kapitalintensiven, stagnierenden Markt der «Guaranteed Products» tätig, was sie als Übernahmekandidatin nicht eben attraktiv mache. Ein mögliches Argument für den Deal sieht der Analyst indes in möglichen Skalenerträgen, das heisst in Kostenvorteilen, die mit der Zusammenlegung von Tochtergesellschaften erzielt werden könnten.

Mögliche Probleme mit den Wettbewerbshütern

Etwas anderes spricht für die Analysten eher gegen einen geplanten Deal: Die Wettbewerbshüter. Weil sich der Marktanteil der Allianz in Deutschland mit der Übernahme der Swiss-Life und des ihr zugehörigen Finanzdienstleisteres AWD beträchtlich erhöhen würde, sieht Degen Probleme mit der Absegnung des Deals.

Ob an den Übernahmespekulationen überhaupt etwas dran ist, bleibt offen. Noch kurz vor Weihnachten hatte die Allianz gegenüber der «Financial Times Deutschland» konkrete Kaufpläne dementiert. Die Swiss Life selbst nimmt zu den Übernahmegerüchten keine Stellung.

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