Aktualisiert 21.10.2016 07:42

Mutter und Tochter im PechZweimal innert 17 Stunden am selben Ort verunfallt

Sie konnte am Montag knapp aus ihrem brennenden Fahrzeug flüchten. Einen Tag später geriet Angela Bossard mit einer Reporterin an derselben Stelle wieder in einen Unfall.

von
20M

Angela Bossard (48) aus Wolfwil SO musste am Montag auf der A1 zwischen Härkingen und Oensingen auf den Pannenstreifen fahren, weil ihr Fahrzeug plötzlich Feuer fing. 17 Stunden später geriet sie an derselben Stelle erneut in einen Unfall.

Die Kantonspolizei Solothurn formuliert den Unfallhergang folgendermassen: Eine Autolenkerin befand sich auf dem Pannenstreifen und beabsichtigte zurück auf die Normalspur zu fahren. Ein Lenker eines Sattelmotorfahrzeuges kollidierte in der Folge mit dem Auto. Die genauen Umstände sind Gegenstand der eingeleiteten Untersuchung.

Angela Bossard (48) aus Wolfwil SO erzählt die Geschichte so: «Ich war am Montagabend mit meiner 27-jährigen Tochter Jasmin auf der Autobahn A1 unterwegs, als mein Fahrzeug zwischen Härkingen und Oensingen in Oberbuchsiten plötzlich Feuer fing.» Sie fuhr sofort auf den Pannenstreifen und die beiden Frauen sprangen in letzter Sekunde noch aus dem Auto. Dieses brannte innert Kürze komplett aus. «Wir waren geschockt, das hätte übel ins Auge gehen können.»

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Angela Bossard (48) aus Wolfwil SO war am Dienstagabend auf der Autobahn unterwegs, als ihr Auto plötzlich Feuer fing.

Angela Bossard (48) aus Wolfwil SO war am Dienstagabend auf der Autobahn unterwegs, als ihr Auto plötzlich Feuer fing.

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Ihre Tochter, Jasmin Rautenberg (27) sass auf dem Beifahrersitz.

Ihre Tochter, Jasmin Rautenberg (27) sass auf dem Beifahrersitz.

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Bossard fuhr sofort auf den Pannenstreifen und die zwei Frauen sprangen in letzter Sekunde noch aus dem Auto.

Bossard fuhr sofort auf den Pannenstreifen und die zwei Frauen sprangen in letzter Sekunde noch aus dem Auto.

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Interview auf dem Pannenstreifen

Bossard zückte noch ihr Handy und filmte, wie die Flammen ihr Auto verschlangen. Die Videos schickte sie später an den Regionalsender Tele M1. Eine Reporterin (21) meldete sich am nächsten Tag, um einen Interviewtermin zu vereinbaren. «Sie wollte mit uns an die Unfallstelle zurückfahren.» Bossard ging zunächst davon aus, dass die Aufnahmen auf der Brücke oberhalb der Autobahn stattfinden würden. «Mein Auto war direkt darunter ausgebrannt.»

Doch die Reporterin habe sie überredet, an der Unfallstelle selbst zu filmen. «Wir fuhren also in ihrem Auto zurück an den Ort, wo mein Fahrzeug am Abend zuvor ausgebrannt war.» Auf dem Pannenstreifen wurde das kurze Interview geführt.

«Das wird knapp»

Dann nahmen die drei Frauen wieder Platz im Auto. «Meine Tochter sass vorne auf dem Beifahrersitz, ich hinten», so Bossard. Die Reporterin sei auf dem Pannenstreifen angefahren und habe das Fahrzeug auf die Normalspur der Autobahn gelenkt.

«Ich sah im Rückspiegel einen Sattelschlepper und dachte noch: ‹Das wird knapp›.» Während die Frau beschleunigte, habe das Auto plötzlich gestockt und sei schliesslich stehen geblieben. «Ich weiss nicht genau, was passiert ist, ich habe nur den Motor aufheulen gehört und dann gab es eine Art Notbremsung.»

Unter Schock

Der Sattelschlepper konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte auf das Fahrzeug auf. «Ich wusste, dass es knallen würde, und habe mich noch zusammengerollt.» Ihre Tochter allerdings habe den Laster nicht kommen sehen und die ganze Wucht des Zusammenstosses abbekommen. «Ich konnte es nicht fassen – keine 17 Stunden nachdem wir fast im Auto verbrannt sind, verunfallen wir an der exakt selben Stelle wieder.»

Bei dem Unfall wurde eine Person mittelschwer verletzt, schreibt die Polizei weiter. Sie musste durch die Feuerwehr Oensingen aus dem Auto geborgen werden. Die Lenkerin und eine weitere Mitfahrerin sowie der Lenker des Sattelmotorfahrzeuges blieben unverletzt.

Zu 100 Prozent krankgeschrieben

«Jasmin schrie auf und klagte sofort über Rückenschmerzen», sagt Bossard. «Sie war eingeklemmt und hyperventilierte, sie stand unter Schock.» Die Ambulanz transportierte Bossard und ihre Tochter auf einer Vakuummatratze mit Halskrause ins Spital nach Langenthal.

«Jasmin mussten sie in den Schockraum bringen.» Nach etlichen Röntgenbildern durften die zwei das Krankenhaus gegen Mitternacht mit Schmerzmitteln verlassen. «Wir haben beide am Rücken Prellungen, Schürfungen und Stauchungen, ein leichtes Schleudertrauma und sind zu 100 Prozent krankgeschrieben.»

Die Reporterin habe sie am Abend, als sie im Spital waren, noch angerufen und sich entschuldigt, sagt Bossard. Tele M1 wollte sich auf Anfrage von 20 Minuten nicht zum Unfall äussern.

«Die Frauen trifft vermutlich keine Schuld»

Sie wisse überhaupt nicht, was jetzt auf sie zukommt, sagt Bossard. «Im schlimmsten Fall bleiben wir noch auf den Unfallkosten sitzen – wir sind ja in gewisser Weise mitschuldig, wir hätten nie auf dem Pannenstreifen aussteigen sollen.» Gemäss Strassenverkehrsrecht darf der Fahrzeugführer tatsächlich den Pannenstreifen nur für Nothalte benützen.

Dass Bossard für den Schaden aufkommen muss, sei wenig wahrscheinlich, sagt allerdings Hansjörg Ryser, Sprecher der Versicherung Helvetia Schweiz. «Da beide Insassinnen verletzt wurden und berufstätig sind, übernimmt primär die Unfallversicherung die Heilungskosten und den Erwerbsausfall.» Die beiden Frauen seien nicht gefahren, damit treffe sie vermutlich keine Schuld. «Daher ist auch bei nachgewiesener Grobfahrlässigkeit der Lenkerin nicht mit einer Kürzung des Taggeldes zu rechnen.»

«Ich habe Anzeige gegen die Reporterin erstattet»

Die Unfallversicherung der beiden Frauen werde versuchen, Regress zu nehmen, so Ryser. «Das heisst, dass die Unfallversicherung der zwei Insassinnen von der Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung des Sattelschlepperfahrers und jener der Lenkerin eine Entschädigung einfordert.»

Den Sachschaden an den Fahrzeugen übernehme schliesslich, wer die Schuld am Unfall trage. Falls sich eine Grobfahrlässigkeit im Fahrverhalten der Lenkerin erweise, müsse sie mit Kürzungen bei der Entschädigung für den Sachschaden rechnen. Bossard: «Ich habe Anzeige gegen die Reporterin erstattet.»

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