Federers Doppelpack: Zweimal Zwillinge ist gar nicht so selten
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Federers DoppelpackZweimal Zwillinge ist gar nicht so selten

Ein «Wunder» nennt Roger Federer die Geburt seiner Söhne. Das doppelte Doppelpack sei aussergewöhnlich aber kein Lottosechser, erklärt Fortpflanzungsmediziner Bruno Imthurn.

von
Fee Riebeling

Herr Imthurn, wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar zweimal Zwillinge bekommt?

Bruno Imthurn: Es ist sicher aussergewöhnlich, aber eine Sensation ist es nicht. In unserer Gesellschaft liegt die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge bei etwa 1:100. Bei zweimal Zwillingen hintereinander ist sie deutlich geringer. Da liegt sie bei 1:10'000. Das ist nicht häufig, aber ein Lottosechser ist es auch nicht.

Wie verändert sich diese Quote, wenn eine künstliche Befruchtung oder eine Hormonbehandlung vorgenommen wurde?

Das kommt drauf an. Bei einer Hormontherapie schauen wir Mediziner, wie viele Eizellen anreifen. Wenn das bei mehr als einer Eizelle der Fall ist, dann ist das Risiko — oder eben die Chance — für Mehrlinge grösser. Aber dazu gibt es in der Schweiz keine gesicherten Zahlen. Anders bei künstlichen Befruchtungen: Da liegt die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge bei etwa 1:5, für doppeltes Zwillingsglück bei 1:25.

Gibt es auch natürliche Faktoren, die die Chance für Zwillinge begünstigen?

Das Alter der Mutter spielt auch eine Rolle. Denn je älter die Frau, desto wahrscheinlicher werden Zwillingen. Denn mit dem Alter nimmt die Produktion des sogenannten follikelstimulierenden Hormons (FSH) zu, das die Ei-Reifung im Eierstock steuert. Je mehr davon ausgeschüttet wird, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Zwillingen kommt.

Spielt auch der gesunde und sportliche Lebensstil der Eltern eine Rolle?

Auf die Zwillingswahrscheinlichkeit hat das keinen Einfluss. Hochleistungssportler stressen aber ihren Körper. Wird der Stress zu viel, kann es sein, dass bei Frauen der Eisprung ausbleibt und die Menstruation aussetzt. Bei einem Mann sind die Folgen nicht so offensichtlich, aber auch bei ihm kann übermässiger Stress die Fruchtbarkeit herabsetzen.

Roger Federer ist Profi-Tennisspieler, seine Frau war bis 2002 auf dem Court aktiv — welche Zeugungsvariante halten Sie für am wahrscheinlichsten?

Da kann man nur spekulieren. Selbstverständlich ist es möglich, dass die Zwillinge das erfreuliche Resultat einer medizinischen Behandlung sind – übrigens wie jede andere Schwangerschaft auch. Doch es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, dass sie auf natürlichem Weg gezeugt wurden.

Bruno Imthurn ist Reproduktionsendokrinologe und Direktor der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie am Unispital Zürich. (Foto: USZ)

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