Neuer Film von Dani Levy: Zweite Chance für Psychos
Aktualisiert

Neuer Film von Dani LevyZweite Chance für Psychos

Normal läuft hier gar nichts: «Die Welt der Wunderlichs» zeigt das Leben einer komplett verrückten Familie. Ein lustiges Roadmovie – mit etwas gar überzeichneten Figuren.

von
Yves Schott

Man stelle sich diese Truppe am Weihnachtsfest, vereint unter dem Tannenbaum, einmal vor: Die überforderte Mutter Mimi (Katharina Schüttler), ihr hyperaktiver Sohn Felix (Ewi Rodriguez), dessen manisch-depressiver Grossvater Walter (Peter Simonischek) sowie Mimis völlig versiffter Exmann Johnny (Martin Feifel). Das Christkind hätte für ewig eine posttraumatische Störung.

Doch auch im Alltag bietet Familie Wunderlich genug Spektakel: Etwa dann, wenn Felix mal wieder seine Lehrerin im Schrank einsperrt, Walter seiner Tochter einfach Geld aus der Wohnung klaut oder wenn Johnny am Vater-Wochenende mit Felix ungeniert in die Dusche kotzt.

Hochkarätige Besetzung

Mimis einzige Hoffnung, dieser fleischgewordenen Villa Wahnsinn zu entkommen, besteht in der Musik. Zur Castingshow «Second Chance» in der Schweiz hat sie ihren Sohn heimlich angemeldet. Nach anfänglichem Zögern reist die überforderte Mutter – widerwillig mit der ganzen nervtötenden Sippe – nach Zürich ins Fernsehstudio.

Dani Levy («Alles auf Zucker») inszeniert mit «Die Welt der Wunderlichs» eine liebevolle Mischung aus Komödie, Drama und Roadmovie. Der Film überzeugt mit einem äusserst sorgfältig ausgewählten Soundtrack und einer hochkarätigen Besetzung. Hannelore Elsner, Mike Müller, Arabella Kiesbauer und Thomas Anders hat Levy unter anderen für sein neuestes Werk gewinnen können.

«Der grösste Loser, den Gott je erschaffen hat»

Auch die Dialoge können sich sehen lassen. Herrlich die Szene, als Felix zu seinem saufenden Papa sagt: «Mama sagt, du bist der grösste Loser, den Gott je erschaffen hat. Und deswegen hat sie sich in dich verliebt.» Die Eltern, die früher mal zusammen als Band gemeinsam auf der Bühne standen, sind mittlerweile aber schon lange getrennt.

Schade nur, dass manch andere Szene so arg konstruiert wirkt, die Charaktere der sowieso schon übergeschnappten Familie dermassen überzeichnet sind. Levy lotet die Grenzen zum Slapstick aus, überschreitet sie dann und wann – was dazu führt, dass viele Darsteller in diesem Film nur noch wie wehrlose Tollpatsche auftreten. Die Familie wäre dann tatsächlich eine Irrenanstalt in Reinkultur. Der helle Wahnsinn.

«Die Welt der Wunderlichs» läuft ab heute im Kino.

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