Wahl in Griechenland: Zweite Chance für Tsipras
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Wahl in GriechenlandZweite Chance für Tsipras

Alexis Tsipras hat bei der vorgezogenen Parlamentswahl eine klare Mehrheit für seine linke Syriza-Partei erhalten. Die Weichen für eine neue Koalition sind gestellt.

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Es war am Ende nicht so knapp wie gedacht: Die Partei von Alexis Tsipras liegt deutlich vorn.

Es war am Ende nicht so knapp wie gedacht: Die Partei von Alexis Tsipras liegt deutlich vorn.

AP/Lefteris Pitarakis
Tsipras Anhänger dürfen sich freuen, nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen kam Syriza auf 35,5 Prozent.

Tsipras Anhänger dürfen sich freuen, nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen kam Syriza auf 35,5 Prozent.

AP/Lefteris Pitarakis
Tsipras bekommt demnach eine zweite Chance und lässt sich schon als Sieger feiern.

Tsipras bekommt demnach eine zweite Chance und lässt sich schon als Sieger feiern.

AP/Fotis Plegas G.

Überraschend klare Verhältnisse nach der Parlamentswahl in Griechenland: Alexis Tsipras liegt mit seiner linken Syriza-Partei klar vorn. Nun zeichnet sich eine rasche Regierungsbildung ab.

Nach Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmzettel kam die Partei auf 35,53 Prozent der Stimmen. Die konservative Nea Dimokratia wurde demnach zweitstärkste Kraft, reichte mit 28,05 Prozent aber nicht an Syriza heran. Die Neonazipartei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) landete mit 6,96 Prozent und voraussichtlich 18 Abgeordneten erneut auf dem dritten Platz. Die Wahlbeteiligung lag bei der zweiten Parlamentswahl in diesem Jahr bei rund 56 Prozent.

«Volk hat klares Mandat erteilt»

Tsipras dürfte damit am Montag mit der Regierungsbildung beauftragt werden. Der Syriza-Stimmenanteil reicht aber wohl nicht für eine absolute Mehrheit im Parlament – auch wenn die stärkste Partei einen Bonus von 50 Mandaten erhält.

Mit voraussichtlich 145 der 300 Sitze im Parlament ist Syriza erneut auf einen Koalitionspartner angewiesen. Er und der bisherige Syriza-Koalitionspartner, die Unabhängigen Griechen (Anel), kündigten bereits eine Neuauflage ihrer Koalition an.

«Das griechische Volk hat ein klares Mandat erteilt, uns von dem zu befreien, was uns in der Vergangenheit gefangen genommen hat», sagte Tsipras bei einer Siegesfeier in Athen vor hunderten Anhängern. Er müsse nun mit «viel Arbeit, Hartnäckigkeit und Kampf» Griechenland aus der Krise führen.

Eurogruppen-Chef fordert rasche Regierungsbildung

Nach seinem Wahlsieg telefonierte Tsipras mit Frankreichs Staatschef François Hollande, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) und dem österreichischen Kanzler Werner Faymann. Hollande kündigte einen Besuch in Athen an, der «zweifellos in den kommenden Wochen» stattfinde. Schulz (SPD) und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem forderten im Kurznachrichtendienst Twitter eine rasche Regierungsbildung in Athen.

In Umfragen war bis zuletzt ein knappes Rennen zwischen Syriza und der ND von Evangelos Meimarakis vorausgesagt worden. Im Streit um die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern hatte ihm ein Teil seiner Partei die Gefolgschaft verweigert. Der linke Flügel, der sich zur Partei Volkseinheit abspaltete, warf Tsipras vor, sich den Kreditgebern gebeugt zu haben. Die Volkseinheit scheiterte am Sonntag allerdings an der Dreiprozenthürde. Sie kam auf 2,86 Prozent der Stimmen.

Die ND erhielt 75 Mandate, die rechtsradikale Goldene Morgenröte 18. Die panhellenische sozialistische Bewegung (Pasok) und die kleine demokratische Linke (Dimar), die für die Wahl ein Bündnis gebildet hatten, kamen auf 17 Sitze, die Kommunisten (KKE) auf 15. Die Partei der politischen Mitte To Potami sicherte sich 11 Mandate und die Zentrumsunion 9.

Parlament tritt am 1. Oktober zusammen

Syriza war im Januar mit dem Versprechen stärkste Kraft geworden, die schmerzhafte Sparpolitik zu beenden. Im Juli schloss Tsipras dann aber trotz eines Nein-Votums der Bevölkerung ein Abkommen mit den Geldgebern, um neue Finanzhilfen in Höhe von 86 Milliarden Euro zu erhalten.

Das neue Parlament soll am 1. Oktober zusammentreten. Es wird sich mit weiteren Spar- und Reformmassnahmen sowie mit der Aufhebung der seit Juni bestehenden Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland beschäftigen müssen. (sda)

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