Bei Ban Ki-Moons Ankunft: Zweite Hamas-Rakete schlägt bei Jerusalem ein

Aktualisiert

Bei Ban Ki-Moons AnkunftZweite Hamas-Rakete schlägt bei Jerusalem ein

Gerade als Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon in Jerusalem ankommt, heulen die Sirenen. Kurz darauf schlägt eine Hamas-Bombe nahe der Stadt ein. Verletzte gibt es ersten Angaben zufolge keine.

Eine Rakete ist am Dienstag nahe der Stadt Jerusalem auf offenem Gelände eingeschlagen. Das Geschoss habe die Stadt nicht getroffen, teilte die israelische Polizei mit.

Durch die Explosion sei niemand verletzt worden, berichtete ein israelischer Fernsehsender. Zuvor waren in Jerusalem Warnsirenen zu hören gewesen. Es war das zweite Mal seit Beginn der jüngsten Eskalation im Nahen Osten, dass eine Rakete Richtung Jerusalem abgefeuert wurde.

Der Einschlag ereignete sich kurz nachdem Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon in Jerusalem ankam, um in dem Konflikt zu vermitteln. Zuvor rief Ban Ki-Moon bei einem kurzfristig angesetzten Besuch in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zu einem sofortigen Stopp der Gewalt auf. «Eine weitere Eskalation der Lage könnte die gesamte Region in Gefahr bringen», sagte er. Das Weisse Haus in Washington teilte mit, dass US-Aussenministerin Hillary Clinton noch am selben Tag in die Region fliegen sollte.

Zwei Tote Palästinenser in der Nacht

Auch am siebten Tag in Folge hält die Gewalt im Gazastreifen an. Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan meldete in der Nacht zum Dienstag schwere Explosionen aus dem gesamten Gazastreifen. Dabei kamen nach palästinensischen Angaben zwei weitere Menschen ums Leben.

Seit Beginn der jüngsten Luftoffensive Israels gegen die radikalislamische Hamas seien damit 111 Palästinenser getötet worden. Unter den Toten seien 56 Zivilisten. Mehr als 800 weitere seien verletzt worden. Auf israelischer Seite starben seit Mittwoch drei Zivilisten.

Bank zerbombt

Nach palästinensischen Angaben griffen israelische Kampfflugzeuge in der Nacht zum Dienstag unter anderem das Gebäude einer Bank in Gaza-Stadt an, über die die in dem Palästinensergebiet herrschende Hamas ihre Gehaltszahlungen abwickelt. Mehrere Verletzte seien anschliessend in Spitäler gebracht worden.

Auch ein Regierungsgebäude und das Haus eines Milizenführers seien angegriffen worden, hiess es. Angriffe wurden auch aus Chan Junis im Süden des Gazastreifens gemeldet. Hier sei ein Wohngebiet beschossen worden. Die israelische Armee habe die Bewohner Gazas davor gewarnt, ihre Häuser zu verlassen.

Wieder Familie getötet

Nach Hamas-Angaben wurden bei Luftangriffen am Montag unter anderem vier Mitglieder einer Familie getötet. In Beit Lahija seien vierjährige Zwillingsbrüder sowie deren Eltern bei der Bombardierung ihres Hauses ums Leben gekommen, erklärte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der Hamas in Gaza.

Nachbarn des beschossenen Hauses sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Opfer seien nicht Mitglieder militanter Organisationen gewesen. Israel lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Israelischen Medienberichten zufolge könnten bereits am Sonntag neun Mitglieder einer anderen Familie versehentlich getötet worden sein.

100 Raketen am Montag

Die Kassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas, gaben Maan zufolge an, allein am Montag mehr als 100 Raketen und Granaten auf israelisches Gebiet abgefeuert zu haben. Nach Berichten der israelischen Nachrichtenwebsite Ynet wurden insgesamt 135 Geschosse abgefeuert, von denen 67 auf israelischem Gebiet eingeschlagen seien.

In der Nacht zum Dienstag schlug Ynet zufolge ein Geschoss in der Ortschaft Ofakim ein. In mehreren israelischen Ortschaften wurde Luftalarm gegeben. Berichte über Opfer oder Schäden gab es zunächst nicht.

(Video: YouTube/Euronewsde) (sda)

UNO-Sicherheitsrat uneins über Erklärung

Der UNO-Sicherheitsrat in New York hat sich auch am Montag (Ortszeit) nicht auf eine Erklärung zum Gazakonflikt einigen können. Die USA lehnten nach den Worten ihrer UNO- Botschafterin Susan Rice den von Marokko eingebrachten Text ab. Dieser «unterminiere» die Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, sagte Rice zur Begründung. Neben den USA hatten auch Grossbritannien, Frankreich und Deutschland Bedenken gegen den Entwurf geäussert.

Der am vergangenen Donnerstag von arabischen Staaten eingebrachte Entwurf fordert ein Ende der israelischen Offensive im Gazastreifen, ohne den Beschuss Israels durch Raketen aus dem Gazastreifen erwähnen. (SDA)

IKRK besorgt über Zunahme der zivilen Opfer

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zeigt sich besorgt über die Zunahme an zivilen Opfern im Gazastreifen und in Israel. Die Lage in den Spitälern in Gaza verschärfe sich, teilte die Hilfsorganisation am Dienstag in Genf mit.

«Die Gefechte der letzten Tage haben Auswirkungen auf die humanitäre Lage im Gazastreifen und in Israel», schreibt das IKRK in einem Communiqué. Medikamente und medizinisches Material würden wegen der vielen Verwundeten in den Spitälern von Gaza zusehends knapp.

Die Aufrechterhaltung der Lieferungen werde immer schwieriger, schreibt die Hilfsorganisation weiter. Da bei den Bombardements Häuser beschädigt worden seien, gebe es auch vermehrt Obdachlose.

Das IKRK ruft die Konfliktparteien auf, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren. Die Parteien werden aufgerufen, insbesondere zwischen zivilen und militärischen Zielen zu unterscheiden.

Seit Freitag gelang es dem IKRK acht Lastwagen mit Medikamenten für den Gazastreifen zu organisieren. Sobald die Umstände es erlaubten, werde das IKRK beginnen, Nahrungsmittel, Kochutensilien, Hygieneprodukte, Decken und Zelte zu verteilen. Das IKRK arbeitet dabei mit der lokalen Hilfsorganisation Roter Halbmond zusammen. (sda)

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