Neue Idee zum Gotthard: «Zweite Röhre? Das geht billiger und schneller»
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Neue Idee zum Gotthard«Zweite Röhre? Das geht billiger und schneller»

Ein Baumeister mischt den Gotthard-Abstimmungskampf mit einer neuen Idee auf: Er will den Sicherheitsstollen zur zweiten Röhre ausbauen.

von
rah

Baumeister und Gotthard-Kenner Heinz Simonet ist kein Gegner einer zweiten Röhre. Dennoch lässt er kein gutes Haar am geplanten Neubau eines zweiten Strassentunnels. Er ist überzeugt: «Es geht billiger und schneller.» Sein Vorschlag: Man solle den bestehenden Sicherheitsstollen des Gotthard-Tunnels zu einer vollwertigen Röhre ausbauen.

Dies hätte laut Simonet mehrere Vorteile. Gegenüber einer komplett neuen Röhre verkürzten sich Planung und Ausbohren, da man «jeden Laufmeter des Gesteins» bereits kenne. Es fiele weniger Ausbruchmaterial an, was weniger Deponien erfordere. Die dem Tunnel vorgelagerten Kunstbauten und Strassenzüge könnten übernommen werden. Im Gegensatz dazu seien bei einem neuen Rohr «massive Kunstbauten und Lüftungsschächte erforderlich und der Strassenverlauf müsste angepasst werden».

Alte Pläne ausgegraben

Tatsächlich war ein Ausbau des Stollens schon bei der Konstruktion des bestehenden Strassentunnels angedacht, wie eine ETH-Studie aus dem Jahr 1980 zeigt. Darin heisst es: «Die zukünftige zweite Tunnelröhre soll im Abstand von 30 m, das heisst im Trassee des bestehenden Sicherheitsstollens gebaut werden.» Laut Simonet sind die Pläne nie wieder aufgenommen worden. «Sie gefallen der Tunnel-Lobby nicht. Dabei müssten doch eigentlich unsere Steuergelder Priorität haben.»

Dass eine Aufwertung des Sicherheitsstollens in der Praxis funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Fréjus-Tunnels zwischen Frankreich und Italien, der wie der Gotthard saniert werden muss. Dort wird die ursprünglich als Stollen geplante Röhre zurzeit zu einer vollwertigen zweiten Röhre ausgebaut. Die Lösung beim Fréjus-Tunnel erwähnte auch Bundesrätin Doris Leuthard im Abstimmungskampf – als Beispiel für einen Sanierungstunnel.

«Sicherheitsstollen ist unabdingbar»

Laut Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra), hat der Bund auch diese Option von den «besten Experten der Schweiz» prüfen lassen. Fazit: «Gegenüber dem Bau einer neuen zweiten Röhre bringt sie keinen Kostenvorteil und die Arbeiten würden länger dauern.» Gemäss Rohrbach müssten für die Leitungen für Elektrizität, Kommunikation und Wasser, die sich jetzt im Stollen befinden, aufwändige Provisorien erstellt werden. Der geringe Abstand zwischen Röhre und Stollen führte zu Problemen bei Bohr- und Sprengerschütterungen. Und während des Ausbaus könnten die Fluchträume nicht mehr richtig funktionieren.

Der diplomierte ETH-Ingenieur und Tunnel-Experte Hansjakob Burkhardt sagt, der ursprüngliche Plan sei schon 1980 ad acta gelegt worden. Man habe schon damals festgestellt, dass die Sicherheit für die Tunnelbenützer während des Baus einer zweiten Röhre nicht gewährleistet wäre.

Dagegen findet CVP-Ständerat Konrad Graber vom bürgerlichen Nein-Komitee, man müsse prüfen, ob beispielsweise während der Sanierung Personenwagen durch den ausgeweiteten Sicherheitsstollen geschickt werden könnten, während Lastwagen auf den Zug verladen würden. «Solche Varianten kann man aber wohl erst ernsthaft diskutieren, falls das Stimmvolk den Bau der zweiten Röhre am 28. Februar ablehnt.»

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