Gotthard-Tunnel: Zweite Röhre ist auch langfristig teurer
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Gotthard-TunnelZweite Röhre ist auch langfristig teurer

Eine Autoverlad-Alternative während der Sanierung des Gotthardtunnels wäre auch über Jahre hinweg günstiger. Damit widerspricht ein Bericht des Bundes Bundesrätin Leuthard.

von
ale

Die Kosten für eine zweite Röhre durch den Gotthard sind auch im langfristigen Vergleich deutlich höher als jene für die Alternativlösung mit einem Autoverlad. Dies zeigt ein noch unveröffentlichter Bericht des Bundes, welcher der «NZZ am Sonntag» vorliegt.

Die Experten kommen darin zum Schluss, dass die Verladelösung auch bei einer dynamischen Investitionsrechnung über mehrere Jahrzehnte günstiger ist. Als Basis für die Berechnungen dienen den Autoren die bisherigen Angaben des Bundesrates: Demnach würde der Bau einer zweiten Röhre rund 2,8 Milliarden Franken kosten, die einmalige Sanierung der bestehenden Röhre mit einer Verladelösung als Überbrückungsmassnahme wurde aber nur mit 1,7 Milliarden Franken veranschlagt. Diese Variante ist also kurzfristig rund 1,1 Milliarden Franken günstiger als ein neuer Tunnel.

Auch über Jahre hinweg günstiger

Langfristig belaufen sich die Kosten für Betrieb, Unterhalt und spätere Sanierungsschritte für die zweite Röhre bis 2090 auf bis zu 5 Milliarden Franken. Die Sanierung der bestehenden Röhre kombiniert mit einem Autoverlad kostet demgegenüber nur bis zu 3,6 Milliarden Franken.

Die Studie stellt damit ein Argument infrage, mit dem auch Verkehrsministerin Doris Leuthard immer wieder für die zweite Röhre wirbt – dass diese auch finanziell die nachhaltigste Lösung sei. «Das Argument, wonach die zweite Röhre langfristig die finanziell bessere Lösung ist, stimmt damit nicht», sagt CVP-Ständerat Konrad Graber zur «NZZ am Sonntag». «Die Kosten gehen eher noch auseinander.»

Das Departement Leuthard sieht dies jedoch anders. Die Kostenunterschiede nehmen im Laufe der Zeit ab. Bei der kurzfristigen Rechnung sei die zweite Röhre noch 67 bis 93 Prozent teurer als die Alternative. Bei der längerfristigen, dynamischen Betrachtung sinke diese Differenz dann auf 41 bis 52 Prozent. Und wichtiger: Die zweite Röhre sei besonders in punkto Sicherheit, Funktionalität und Verfügbarkeit der Route besser.

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