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Corona-Fall im ZÜRCHER ROTLICHTMILIEU«Sammeln Ideen, wie sie die Zeit gut überstehen»

50 Frauen befinden sich in einer Liegenschaft an der Langstrasse in Quarantäne. Mindestens zwei Sexarbeiterinnen wurden positiv auf das Coronavirus getestet.

von
Monira Djurdjevic
Lynn Sachs

Darum gehts

  • An der Zürcher Langstrasse haben sich zwei Sexarbeiterinnen mit dem Coronavirus infiziert.
  • 50 Frauen sind in Quarantäne.
  • Der Verein Incontro kümmert sich um die Verpflegung der Frauen und steht in Kontakt mit ihnen.

Wegen eines positiven Corona-Tests einer Frau im Zürcher Rotlichtmilieu befinden sich rund 50 Frauen in Quarantäne. In der Zwischenzeit wurde eine zweite Sexarbeiterin positiv auf das Coronavirus getestet, wie die Zürcher Gesundheitsdirektion auf Anfrage bestätigt.

Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes gebe man aber keine weiteren Auskünfte. «Festzuhalten ist, dass die Situation für alle Beteiligten schwierig und insbesondere für die betroffenen Frauen sehr belastend ist. Die zuständigen Stellen sind in engem Austausch.»

Für die Verpflegung der Frauen sorgen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hilfsorganisationen Incontro. Dazu gehört auch Ariane Stocklin. Sie kennt die Frauen und weiss, wie es ihnen geht: «Die Situation hat sich ein wenig beruhigt. Die Frauen wirken zufriedener.»

Zum zweiten bestätigten Corona-Fall sagt sie: «Ich habe aus sicherer Quelle erfahren, dass die zweite positiv getestete Frau aus dem Haus geholt und an einen anderen Ort gebracht wurde.»

«Die meisten der Frauen haben keine Bewilligung»

Für die anderen Frauen gilt aber weiterhin Quarantänepflicht. Damit sie sich daran halten, sei die für die Liegenschaft verantwortliche Person nun auch über Nacht da. «Sie sind aber keine Gefangenen. Ihnen wird einfach die Situation erklärt und an ihre Verantwortung appelliert», so Stocklin.

Die beengte Situation sei aber alles andere als ideal: «Es sitzen mehrere Frauen – teilweise zu dritt, viert oder fünft – in einem Zimmer und der Tag ist lang. Wir sammeln nun Ideen, wie sie die Zeit gemeinsam gut überstehen. Eine Möglichkeit wäre, etwas zu basteln.»

Wie Stocklin sagt, sei das Schwierigste für die Frauen im Haus, die grösstenteils aus Afrika stammen, dass sie Familien im Ausland haben und den Angehörigen kein Geld schicken können. «Sie haben ja zurzeit keine Einnahmen.» Das sei am Dienstag, als sie die Quarantäne-Verfügung erhalten hatten, ein grosses Thema gewesen. «Sie haben uns gefragt, ob irgendeine Institution oder wir ihnen helfen können. Das geht aber leider nicht.»

Ein weiteres Problem: «Die meisten der Frauen haben keine Bewilligung, deswegen haben sich auch keinen Anspruch auf Sozialhilfe.» Immerhin: «Die Frauen müssen während den zehn Tagen keine Miete zahlen. Der Besitzer der Liegenschaft ist ihnen da entgegengekommen», sagt Stocklin.

50 Frauen in Quarantäne

Am Sonntag kam es im Zürcher Kreis 4 zu einem Polizeieinsatz. Beim Einsatz handelte es sich um einen Auftrag des Contact-Tracing-Teams des Kantonsärztlichen Dienstes Zürich vom Sonntagmorgen, wie die Stadtpolizei Zürich am Dienstag mitteilte.

Die Beamten sollten einer Frau an der Langstrasse 108 ausrichten, dass sie sich beim Contact-Tracing melden müsse. Bei ihr war am 28. August ein Corona-Test durchgeführt worden, und sie war telefonisch nicht erreichbar. Die betroffene Frau konnte erst am Sonntagnachmittag kurz vor 15 Uhr angetroffen werden.

Im Haus befindet sich auch die als Kontaktbar bekannte Lugano-Bar, in der sich regelmässig Freier und Sexarbeiterinnen treffen. Der Kantonsärztliche Dienst hat verfügt, dass sich die rund 50 Frauen in Quarantäne begeben müssen. Die positiv getestete 23-jährige Frau wurde bereits am Sonntag in ein Isolationszimmer gebracht.

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