Aktualisiert 12.03.2020 11:53

ForschungserfolgZweiter HIV-Patient wahrscheinlich geheilt

Der «Berliner Patient» war lange Zeit der einzige Mensch, der als von HIV geheilt galt. Nun wurde wohl ein Londoner Patient vom Aids-Erreger befreit.

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Die Forschergruppe um den Mediziner Ravindra Gupta von der University of Cambridge (Bild) hat Grosses zu verkünden: Ihnen ist es offenbar gelungen, den zweiten Menschen überhaupt von seiner HIV-Infektion zu befreien.

Die Forschergruppe um den Mediziner Ravindra Gupta von der University of Cambridge (Bild) hat Grosses zu verkünden: Ihnen ist es offenbar gelungen, den zweiten Menschen überhaupt von seiner HIV-Infektion zu befreien.

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Konkret handelt es sich dabei um den zweiten Fall, bei dem ein HIV-Patient nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei ist. (Im Bild: ein Modell des HI-Virus)

Konkret handelt es sich dabei um den zweiten Fall, bei dem ein HIV-Patient nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei ist. (Im Bild: ein Modell des HI-Virus)

Keystone/AP/Graphico-gotta
Seit über zwei Jahren wurden beim Patienten, der unter dem Synonym «The London Patient» bekannt ist, keine HI-Viren mehr nachgewiesen. (Im Bild: HI-Virus, das sich aus einer Immunzelle herauslöst)

Seit über zwei Jahren wurden beim Patienten, der unter dem Synonym «The London Patient» bekannt ist, keine HI-Viren mehr nachgewiesen. (Im Bild: HI-Virus, das sich aus einer Immunzelle herauslöst)

Wikimedia Commons/NIH/PD

Es ist erst der zweite Fall weltweit: Der als «Londoner Patient» bezeichnete HIV-Patient ist wahrscheinlich geheilt. Etwa zweieinhalb Jahre nach Beendigung der Anti-HIV-Therapie sei bei dem Patienten kein funktionsfähiges HI-Virus mehr nachweisbar, berichtet eine Gruppe um den Mediziner Ravindra Gupta von der University of Cambridge in der Fachzeitschrift «The Lancet HIV».

Der Patient, der neben HIV eine Blutkrebserkrankung hatte, hatte zuvor eine spezielle Stammzellspende erhalten. Die Forscher betonen, dass die Stammzelltherapie eine Hochrisikobehandlung sei, die für die meisten HIV-Patienten nicht infrage komme.

Eine Heilung von Aids ist bis heute grundsätzlich nicht möglich. Mit Hilfe von antiretroviralen Medikamenten kann der Erreger allerdings in Schach gehalten und der Ausbruch von Aids langfristig verhindert werden. Beim «Londoner Patienten» wie auch beim «Berliner Patienten» Timothy Brown, der seit 2011 als geheilt gilt, wurde das Immunsystem durch eine Stammzellentherapie neu aufgebaut.

Immun durch Mutation

Der Stammzellenspender hatte dabei jeweils eine seltene Mutation, die ihn immun gegen das HI-Virus macht. Sie führt dazu, dass die Zellen keinen CCR5-Rezeptor bilden, den die meisten HI-Viren benötigen, um an eine Zelle anzudocken, in der sie sich vermehren könnten.

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Erfolg der Stammzellentransplantation als Heilung für HIV, über den erstmals vor neun Jahren beim Berliner Patienten berichtet wurde, wiederholt werden kann», sagt Gupta. Auch der Berliner Patient hatte eine Form von Blutkrebs.

Das Team um Gupta untersuchte zahlreiche Flüssigkeits- und Gewebeproben des Londoner Patienten. Die Wissenschaftler fanden in einigen Proben zwar noch Teile des Erbguts von HI-Viren. Sie gehen jedoch davon aus, dass es sich dabei um «fossile» DNA-Stränge handelt, die nicht zu einem vermehrungsfähigen Virus gehören. Viele andere Daten, etwa die stark zurückgegangene Anzahl HIV-spezifischer Antikörper, wiesen darauf hin, dass das Virus aus dem Körper des Patienten verschwunden sei, schreiben die Forscher.

Kein intaktes Virus mehr

In einem Kommentar, ebenfalls in «The Lancet HIV», stellen Sharon Lewin und Jennifer Zerbato von der University of Melbourne die Frage, ab wann ein HIV-Patient als geheilt angesehen werden kann.

Die Medizin wisse heute, dass die meisten Viren, die eine Anti-HIV-Therapie überstehen, defekt seien und sich nicht vermehren könnten. «Eine Heilung für HIV könnte besser als ‹kein intaktes Virus› definiert werden denn als ‹kein nachweisbares Virus›», schreiben die Medizinerinnen. Die Studie des Teams um Gupta sei ermutigend, aber am Ende müsse die Zeit zeigen, ob tatsächlich von einer Heilung gesprochen werden könne.

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Die Geschichte der Aids-Epidemie1981: In den USA sterben immer mehr junge Männer – vor allem in Kalifornien – an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krankheit. (Im Bild: der Aids Memorial Quilt, der an das Leben verstorbener Aids-Patienten erinnert)

Die Geschichte der Aids-Epidemie1981: In den USA sterben immer mehr junge Männer – vor allem in Kalifornien – an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krankheit. (Im Bild: der Aids Memorial Quilt, der an das Leben verstorbener Aids-Patienten erinnert)

PD
1982: Die erworbene Immunschwächekrankheit wird AIDS – Acquired Immunodeficiency Syndrome – genannt. 1983 identifizieren der Amerikaner Robert Gallo und der Franzose Luc Montagnier das Virus, das die Krankheit auslöst.

1982: Die erworbene Immunschwächekrankheit wird AIDS – Acquired Immunodeficiency Syndrome – genannt. 1983 identifizieren der Amerikaner Robert Gallo und der Franzose Luc Montagnier das Virus, das die Krankheit auslöst.

Keystone/AP/Lana Harris
Der Frankokanadier Gaétan Dugas galt übrigens viele Jahre als derjenige, der das HI-Virus in die USA gebracht und dort für seine Verbreitung gesorgt hatte. Er sei Amerikas Patient null gewesen, hiess es.

Der Frankokanadier Gaétan Dugas galt übrigens viele Jahre als derjenige, der das HI-Virus in die USA gebracht und dort für seine Verbreitung gesorgt hatte. Er sei Amerikas Patient null gewesen, hiess es.

PD

(fee/sda)

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