Zweiter Schritt zum Wiederaufstieg

Aktualisiert

Zweiter Schritt zum Wiederaufstieg

Mission erfüllt! Das Schweizer Davis-Cup-Team hat durch einen 4:1-Sieg gegen Weissrussland in Minsk die Playoffs um den Wiederaufstieg in die Weltgruppe erreicht. Die Partie findet am 19. bis 21. September statt.

Nach der 2:0-Führung vom Freitag durch Siege von Stéphane Bohli und Stanislas Wawrinka holte am Sonntag Teamleader Wawrinka den befreienden dritten Punkt nach einem 255-Minuten-Marathon gegen Wladimir Woltschkow mit 7:6 (8:6), 4:6, 0:6, 7:5, 6:4. Anschliessend gab Yves Allegro im fortgeschrittenen Alter von 29 Jahren sein Einzel-Debüt und kam gegen Jungstar Wladimir Ignatik mit 7:6 (7:5), 6:0 gleich zum Sieg. Erstmals seit grauer Vorzeit haben damit Romands alle Punkte zu einem Davis-Cup-Sieg beigetragen.

Woltschkow mit Hochgeschwindigkeits-Tennis

Als bekannt wurde, dass Wladimir Woltschkow anstelle von Max Mirnyi das dritte Einzel bestreiten würde, glaubte manch einer, die Entscheidung würde schnell fallen. Doch der 30-Jährige, dessen Achterbahn-Karriere wohl viel Stoff für ein typisch russisches Epos gäbe, spielte bei weitem nicht wie die Nummer 380, als die ihn der ATP-Computer ausweist. Vielmehr führte er diese Klassierung ad absurdum und spielte eher wie ein Akteur, der einst einen Wimbledon- Halbfinal (2000) und Platz 25 im ATP-Ranking erreicht hat und sich immer wieder auf den Davis Cup in Form zu bringen vermag: Woltschkow bewies von der Grundlinie aus eine grossartige Hand und rasante Beschleunigungen und stellte den Schweizer Leader mit diesem Hochgeschwindigkeits-Tennis oft vor unlösbare Probleme.

Bis zum 4:4 im zweiten Satz verlief die Partie ausgeglichen, doch dann gewann Woltschkow bis zum 1:0 im vierten Satz neun Games in Serie. Wawrinka gebührt das Verdienst, sich dann aber nicht hängengelassen zu haben, obwohl er nicht gut spielte und die Schweizer oft von Linienrichter-Entscheidungen benachteiligt wurden. Bei 4:5 servierte er gegen den Matchverlust, konterte aber mit dem Gewinn der letzten 12 Punkte des Satzes. «Ich war beim Seitenwechsel bei 4:5 nicht speziell nervös. Es war einfach wichtig, dass ich konzentriert bleibe und ihm zeige, dass ich ihm nichts schenke», so Wawrinka, der sich vorher wie in den Tagen zuvor wieder etwas zu häufig über die vielen schlechten Linienrichter-Entscheide enerviert hatte.

Wer nun aber den Einbruch des eher an einen gemütlichen Bären als an einen austrainierten Spitzenathleten erinnernden Weissrussen erwartet hatte, sah sich getäuscht. Getragen von der «Eishockey- Stadionatmosphäre» und auch unterstützt von Staatspräsident Alexander Lukaschenko überwand Woltschkow, der sich in den letzten beiden Sätzen bei jedem Seitenwechsel die Oberschenkel massieren liess, die Müdigkeit und hielt bis zum 4:4 mit, ehe Wawrinka das Break schaffte. Allerdings auch mit etwas Glück: Woltschkow verlor im selben Game zweimal den zweiten Ball aus der Hose, was beim zweiten Mal einen Punktverlust bedeutete, der Wawrinka einen Breakball brachte.

Nach 4:15 Stunden verwertete «Stan» dann den ersten Matchball mit einer Aufschlag/Volley-Kombination. «Es war sicher nicht mein bester Match des Jahres, aber ich bin stolz, dass ich mich durchgekämpft habe», freute sich Wawrinka, nachdem er zum ersten Mal im Davis Cup den siegbringenden dritten Punkt beigesteuert hatte.

Natürlich fiel auch das Fazit von Captain Severin Lüthi, der auf dem Stuhl viel Ruhe ausstrahlte, aber bei Fehlentscheidungen auch wiederholt beim Schiedsrichter intervenierte, sehr positiv aus: «Ein Sieg ist immer schön und in einem solchen Auswärtsspiel speziell. Es ist wichtig, dass wir ruhig geblieben sind und uns auch nicht von den Negativstimmen nach dem Doppel beeinflussen liessen. Sogar, wenn Stan verloren hätte, hätten wir ja im fünften Match noch sehr gute Chancen gehabt.» Bohli war aber froh, diesen nicht spielen zu müssen: «Das waren in der Garderobe die viereinhalb alptraumhaftesten Stunden, die man sich vorstellen kann.»

Kompletter Einbruch im Doppel

Aufgrund der Siegsicherung durch Wawrinka verkam die Doppel- Niederlage vom Samstag zur Randnotiz. Allegro/Wawrinka waren eineinhalb Sätze sicher auf Siegeskurs, brachen dann aber plötzlich ein und verloren 6:3, 3:6, 1:6, 2:6.

Woltschkow steigerte sich richtiggehend in einen Spielrausch und auch Mirnyi wirkte plötzlich gedanklich viel präsenter. Die Rechnung, die sich daraus für die Schweizer ergab, war gesalzen: Weissrussland gewann 12 der nächsten 13 Games, die Schweizer gaben dabei sechsmal in Serie ihr Servicegame ab, was im Männerdoppel auf höchstem Niveau und auf schneller Unterlage doch eine absolute Rarität darstellt. Stellvertretend für die unterschiedliche Verfassung das letzte Game: Der servierende Allegro vergab einen «Smash-Penalty», danach Wawrinka einen «Volley-Penalty» und nach einem Doppelfehler von Allegro hatten Mirnyi/Woltschkow dann drei Matchbälle und nützten den ersten mit einem hervorragenden Return Woltschkows. Allegro fasste die «Partie der zwei Gesichter» in Worte: «Wir wollten zurückkommen und wollten zu viel. Wir haben dann Selbstvertrauen verloren, sie hatten plötzlich viel mehr und dann ging es sehr schnell. Wir habens versucht, versucht und wieder versucht und es hat aber nicht geklappt. Das ist kein sehr schönes Gefühl», so der Walliser, dessen Doppel-Bilanz nun 5:5 lautet. Auslosung am Mittwoch

Die Schweizer und mit ihnen Roger Federer, der im Aufstiegsspiel wieder mit von der Partie sein dürfte, werden nun gespannt nach London blicken, wo am ITF-Sitz am kommenden Mittwoch die Auslosung stattfindet. Aufgrund des 25. Platzes im Daviscup-Ranking werden die Vertreter von Swiss Tennis nicht gesetzt sein und treffen damit vermutlich auf einen der folgenden acht Gegner: Belgien, Rumänien oder Israel (alle zuhause), Australien, Serbien oder Südkorea (alle auswärts), Kroatien, Peru oder die Slowakei (jeweils Los). Bei einem Heimspiel wäre Kreuzlingen als Austragungsort wieder in der Pole-Position.

Davis-Cup. Europa-/Afrikazone. 2. Runde:

In Minsk (Halle): Weissrussland - SCHWEIZ 1:4

Max Mirnyi u. Stéphane Bohli 4:6, 4:6, 6:7 (5:7).

Wladimir Ignatik u. Stanislas Wawrinka 6:4, 1:6, 6:7 (2:7), 2:6.

Mirnyi/Wladimir Woltschkow s. Yves Allegro/Wawrinka 3:6, 6:3, 6:1, 6:2.

Woltschkow u. Wawrinka 6:7 (6:8), 6:4, 6:0, 5:7, 4:6.

Wladimir Ignatik u. Yves Allegro 6:7 (5:7), 0:6.

Die Schweiz ist damit für das Aufstiegs-Playoff im September qualifiziert (Auslosung am Mittwoch).

(si)

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