Aktualisiert 19.12.2006 23:50

Zweiter Verdächtiger nach Mordfällen von Ipswich gefasst

Einen Tag nach der Festnahme eines ersten Verdächtigen im Fall der Prostituiertenmorde von Ipswich hat es eine überraschende Wende gegeben: Am Dienstag nahm die Polizei einen zweiten Mann in seiner Wohnung in Ipswich fest.

Der 48-Jährige werde verdächtigt, die in den vergangenen Wochen aufgefundenen fünf Prostituierten umgebracht zu haben, sagte Chefermittler Stewart Gull. Seine genaue Identität gab die Polizei bislang nicht bekannt.

Gull verwies - wie bereits nach der ersten Festnahme - darauf, dass die Polizei angesichts der laufenden Ermittlungen «keine weiteren Erläuterungen» zu den Tatverdächtigen geben werde.

Spekulationen in den Medien

Dies führte am Dienstag zu weiteren Spekulationen in den Medien. Nach einem Bericht des Fernsehsender «Sky News» wohnte der 48- Jährige in einem möblierten Zimmer im Rotlichtviertel von Ipswich und war Kunde mehrerer der ermordeten Prostituierten.

Die Polizei sperrte die Umgebung ab, Beamte der Spurensicherung in weissen Anzügen durchsuchten die Unterkunft des Verdächtigen. Ein dunkelblauer Mittelklassewagen wurde von der Polizei abgeschleppt.

Die Tageszeitung «Guardian» berichtete ihrerseits, der Mörder habe seinen Opfern vor den Taten möglicherweise hohe Dosen Valium verabreicht. Dies würde erklären, warum die Frauen sich gegen ihren Tod offenbar nicht gewehrt hatten.

Erster Verdächtiger weiter verhört

Der am Montag festgenommene 37-Jährige wurde am Dienstag weiter verhört, das polizeiliche Gewahrsam wurde um 36 Stunden verlängert. Sein Haus in Trimley, einem Nachbarort von Ipswich, durchsuchten die Fahnder am Dienstag weiter, ebenso das Haus seiner Mutter und Orte, an denen sich der Verdächtige häufiger aufhielt.

Die britische Polizei darf Tatverdächtige in Mordfällen insgesamt 96 Stunden festhalten und mit Unterbrechungen von jeweils achtstündigen Ruhepausen verhören. Wenn nicht spätestens nach Ablauf dieser Frist formell Anklage vor einem Haftrichter erhoben wird, müssen die Festgenommenen freigelassen werden.

Britische Zeitungen spekulierten darüber, dass der 37-Jährige möglicherweise nur auf sich aufmerksam machen wollte und sich deshalb in Interviews als «Freund» der Prostituierten bezeichnet hatte. Die «Times» berichtete unter Berufung auf einen Ermittler, dass die Polizei den Mann «höchstens zu 50 Prozent» für den Täter halte.

Eine der grössten Mordfahndungen

Unweit von Ipswich waren Anfang Dezember die Leichen von fünf Frauen gefunden worden. Die erste unbekleidete Leiche wurde am 2. Dezember entdeckt. In kurzer Folge fand die Polizei dann die nackten Leichen vier weiterer vermisster Prostituierter in der Nähe von Ipswich.

Die Polizei startete eine der grössten Mordfahndungen, die das Land je erlebt hat. Britische Medien vergleichen den Mörder von Ipswich mit «Jack the Ripper», der 1888 in London fünf Prostituierte tötete, und mit dem «Yorkshire Ripper» Peter Sutcliffe, der zwischen 1975 und 1980 ebenfalls Prostituierten nachstellte und insgesamt 13 Frauen umbrachte.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.