Aktualisiert 29.02.2020 15:27

SsangYong

Zwillingsdrache sucht Liebe

Während Hyundai und Kia boomen, kämpft SsangYong ums Überleben. Auf Herr und Frau Schweizer kann die koreanische Marke nicht zählen.

von
Dave Schneider
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Schwerer Stand in Europa: die koreanische Marke SsangYong.

Schwerer Stand in Europa: die koreanische Marke SsangYong.

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Im Januar wurde hierzulande kein einziges Auto verkauft.

Im Januar wurde hierzulande kein einziges Auto verkauft.

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Die neuen CO2-Vorschriften setzen SsangYong zu,. Doch mit den aktuellen Modellen, dem überarbeiteten Crossover Tivoli und der neuen Generation des SUV Korando, haben die Koreaner diesbezüglich einen schweren Stand: Der Tivoli emittiert in der sparsamsten Version 146 Gramm pro Kilometer (nach WLTP)...

Die neuen CO2-Vorschriften setzen SsangYong zu,. Doch mit den aktuellen Modellen, dem überarbeiteten Crossover Tivoli und der neuen Generation des SUV Korando, haben die Koreaner diesbezüglich einen schweren Stand: Der Tivoli emittiert in der sparsamsten Version 146 Gramm pro Kilometer (nach WLTP)...

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SsangYong – der Zwillingsdrache. Diese bekannte koreanische Automarke, die doch so viele nicht kennen. Während Hyundai und Kia im Zusammenschluss seit Jahren vorne wegziehen und global zu einer Macht geworden sind, bleibt SsangYong im Heimmarkt unter den koreanischen Herstellern sogar noch hinter GM Korea an vierter und letzter Stelle zurück.

Die Unternehmensgeschichte ist von einem steten Wandel geprägt – doch richtig aufwärts ging es für SsangYong nie. Der erst seit 1986 unter dem diesem Namen auftretende Autohersteller war in den Neunzigerjahren von der Kooperation mit Mercedes-Benz abhängig, bezog von den Stuttgartern erst Motoren und dann ganze Modelle, bevor er 1998 vom ebenfalls koreanischen Autohersteller Daewoo übernommen wurde. Schon drei Jahre später stiess Daewoo SsangYong wieder ab, worauf die Marke mit dem Zwillingsdrachen wenig später in chinesischen Besitz überging. Seit 2011 wird SsangYong von der indischen Mahindra Group kontrolliert – ein Konkurs der Koreaner konnte durch diese Übernahme verhindert werden.

Stetes Auf und Ab

Auch in der Schweiz durchlief SsangYong ein stetiges auf und ab: Zwischenzeitlich verschwand die Marke ganz vom Markt, dann kehrte sie selbstbewusst unter neuem Importeur, der belgischen Alcopa-Gruppe, und mit neuer Vertriebsstruktur zurück. Auf grosse Stückzahlen kam der koreanische Allrad-Spezialist dennoch nie, auch nicht in der allradverrückten Schweiz. 2015 wurde der kompakte Crossover Tivoli lanciert und die Verkäufe stiegen von 569 Einheiten (2014) auf 968 Exemplare zwei Jahre später. Doch da endete der Höhenflug auf bescheidenem Niveau bereits wieder: 2019 konnten hierzulande noch 791 Fahrzeuge an die Frau und an den Mann gebracht werden – auffällig viele davon (248 Fahrzeuge) im Dezember, was auf Tageszulassungen schliessen lässt.

Und nun das: Im Januar dieses Jahres steht in der Zulassungsstatistik von Auto-Schweiz eine dicke Null bei SsangYong. Wie ist das zu erklären? «Wir konzentrieren uns 2020 auf den Verkauf von Händlerbeständen», begründet Nicole Sahlmann, Chefin der SsangYong Schweiz AG, diesen Rückgang auf Anfrage von 20 Minuten. «Wir rechnen mit einem entsprechend tieferen Volumen im Neuwagengeschäft».

Schwerer Stand

Aber auch die neuen CO2-Vorschriften setzen SsangYong zu, wie vielen anderen Herstellern auch. Doch mit den aktuellen Modellen, dem überarbeiteten Crossover Tivoli und der neuen Generation des SUV Korando, haben die Koreaner diesbezüglich einen schweren Stand: Der Tivoli emittiert in der sparsamsten Version 146 Gramm pro Kilometer (nach WLTP), der neue Korando weist 149 Gramm als Bestwert aus – erlaubt sind seit Anfang Jahr noch 95 Gramm. Für jedes Gramm mehr muss der Importeur empfindliche Bussen bezahlen. Massgebend ist dabei der Durchschnitt aller verkauften Fahrzeuge, und dieser dürfte bei SsangYong noch deutlich höher liegen, denn die stärksten Benzinversionen von Tivoli und Korando mit Allradantrieb stossen 195 respektive 198 Gramm pro Kilometer aus.

In Aussicht gestellte, zukunftsfähige Produkte fehlen noch: «Der rein elektrisch angetriebene Korando EV kommt verspätet erst 2021 – das erschwert es uns derzeit, die CO2-Ziele zu erreichen», erklärt Nicole Sahlmann. Ausserdem hat auch der Dieselskandal der Marke mit dem Zwillingsdrachen zugesetzt, besonders im grossen deutschen Markt. «Für eine Marke, die einmal einen Dieselanteil von über 80 Prozent hatte, ist das natürlich ein Thema. Das tut uns durchaus weh», sagte SsangYong-Deutschland-Chef Ulrich Mehlin vor zwei Jahren. Trotzdem sind die Verkäufe in Deutschland relativ moderat zurückgegangen: Von 3400 Einheiten im Jahr 2016 auf 2870 Fahrzeuge im vergangenen Jahr. In der Schweiz ist der Dieselanteil von SsangYong mit rund 65 Prozent ebenfalls hoch, doch hierzulande hat sich der Skandal weniger stark auf die Verkäufe ausgewirkt.

Unsichere Zukunft?

Aber hat SsangYong überhaupt noch eine Zukunft in Europa, in der Schweiz? Darüber will Schweiz-Chefin Nicole Sahlmann nicht spekulieren. Viel lieber will man mit dem Import von elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeugen der Marke Maxus Motors ein zweites Standbein aufbauen. Noch ist das Angebot überschaubar: Die zur chinesischen SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation) gehörende Marke bietet in der Schweiz mit dem EV80 einen elektrisch angetriebenen Transporter an, der als Kastenwagen oder als Chassis-Kabine erhältlich ist. Bald soll der kleinere EV30 folgen, für 2021 ist die Einführung des grösseren EV90 geplant. Das Vertriebsnetz besteht momentan aus 15 Maxus-Händlern und soll weiter ausgebaut werden.

Dieser Ausbau um die Marke Maxus könnte zu einer Verlagerung des Geschäfts führen, denn der Import der elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeuge trifft im aktuellen Marktumfeld auf fruchtbaren Boden. Für die Marke SsangYong hingegen wird die Situation in Europa nicht einfacher: Die grossen Autohersteller investieren derzeit hohe Milliardenbeträge in Elektroautos, ins autonome Fahren und in neue Mobilitätskonzepte. Da mitzuhalten wird ein schwerer Kampf für den angeschlagenen Zwillingsdrachen.

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