Zwillingsmord in Horgen: Es war wohl die Mutter

Aktualisiert

Zwillingsmord in Horgen: Es war wohl die Mutter

Kein Unbekannter, sondern allem Anschein nach die eigene Mutter hat in der Nacht auf Heiligabend 2007 in Horgen ihre siebenjährigen Zwillinge getötet. Der Verdacht gegen den Vater dagegen hat sich nicht erhärtet. Er wurde auf freien Fuss gesetzt.

Beide Eltern waren von Anfang an unter Verdacht gestanden. Sie wurden noch in der Tatnacht verhaftet. Beide bestritten jegliche Täterschaft und beschuldigten sich gegenseitig, die Kinder ohne Wissen des jeweils anderen umgebracht zu haben.

Im Laufe der Ermittlungen hat sich der Verdacht verdichtet, die 34-jährige Frau allein habe die Kinder erstickt, wie der zuständige Staatsanwalt Markus Oertle am Freitag mitteilte. Der Haftrichter gab denn auch seinem Antrag auf Verlängerung der Untersuchungshaft statt.

Die Angeschuldigte weist laut Mitteilung noch heute jegliche Schuld von sich und beschuldigt nach wie vor ihren Mann. Im Laufe der Untersuchungen zeigte sich aber immer mehr, dass der 39-Jährige mit der Tat nichts zu tun hatte. Die Staatsanwaltschaft IV für Gewaltdelikte entliess ihn deshalb am Freitag aus der Untersuchungshaft.

Sowohl die noch inhaftierte Mutter als auch der nun entlassene Vater werden psychologisch betreut, wie Oertle auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Es werde auch ein psychologisches Gutachten erstellt.

Tod von früherem Kind in Ermittlungen einbezogen

Nach dem Tötungsdelikt an den Zwillingen erschien auf einmal der Tod eines früheren Kindes in neuem Licht. Im Jahr 1999 verlor das Paar ein Baby. Damals wurde plötzlicher Kindstod als Ursache festgestellt.

Oertle bestätigte, dass er diesen Todesfall auch in seine gegenwärtigen Ermittlungen einbeziehe. Es sei allerdings äusserst schwierig, nach so langer Zeit noch etwas herauszufinden.

Einbruchspuren vorgetäuscht

Am frühen Morgen des 24. Dezember meldeten die Eltern der beiden Erstklässler der Polizei, ihre Kinder seien umgebracht worden. Polizei und Sanität fanden den Knaben tot in der Wohnung. Das Mädchen lebte noch, Wiederbelebungsversuche blieben aber erfolglos. Die beiden Kinder waren erstickt worden.

In der Wohnung der Familie gab es Einbruchsspuren, die den Verdacht aufkommen liessen, sie seien nur vorgetäuscht. Die kriminaltechnische Abteilung der Kantonspolizei Zürich und der Wissenschaftliche Dienst der Zürcher Stadtpolizei untersuchten die Spuren.

Sie kamen zum Schluss, dass kein Unbekannter in die Wohnung eingestiegen war: Aufgrund der Abklärungen «lässt sich ein Einbruch und damit der Aufenthalt einer Fremdperson in jener Nacht in der Tatwohnung nahezu ausschliessen», schreibt Staatsanwalt Oertle.

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