Zum zweiten Mal: Zwillingsmord von Horgen vor Gericht
Aktualisiert

Zum zweiten MalZwillingsmord von Horgen vor Gericht

Die erschütternde Tötung zweier Kinder an Weihnachten 2007 wird heute vor dem Bezirksgericht Horgen erneut verhandelt. Die 2010 verurteilte Mutter wurde im ersten Prozess ungenügend verteidigt.

von
ann

Der Prozess beginnt mit einem Paukenschlag: Bianca B. gesteht, ihre Zwillingen erstickt zu haben. Sie sei aufgewacht und ins Zimmer von Mario gegangen. Sie schaute ihm zu, wie er schlief. Aus dem Nichts heraus habe sie das Kissen genommen und ihm ins Gesicht gedrückt, bis er sich nicht mehr bewegte. Dann ging sie zu Céline ins Zimmer und nahm auch dort das Kissen. «Celine wehrte sich so fest und ich musste mich auf sie drauf sitzen, um sie zu ersticken.» Als sie sich nicht mehr wehrte, sei sie von ihr runter, habe Licht gemacht und sei wahnsinnig erschrocken. Sie sei in der Wohnung umhergeirrt und habe sich gefragt: «Was habe ich gemacht, was habe ich gemacht.»

Dann sei sie auf die Idee gekommen, einen Einbruch vorzutäuschen und habe das Fenster aufgemacht und die Sachen ausgeleert. Sie habe sich darauf ins Bett gelegt, konnte aber nicht schlafen und habe ihren Mann geweckt. Als sie dann das Gesicht von Mario sah, habe sie gedacht: «Das war ich nicht, das war ich nicht.» Das habe sie sich die ganzen vergangenen fünf Jahre gesagt.

Dann kommt ein weiterer Paukenschlag: Bianca B. gesteht, sie habe ihrer ersten Tochter Lisa den Mund zugehalten, weil sie immer so geschrieen habe. Bianca B. kann fast nicht reden. Ihre Stimme ist tränenerstickt. Sie erzählt wie Lisa an jenem Morgen schrie und schrie. «Sie hat immer viel geschrien und ich habe auch schon Rat gesucht.» An jenem Morgen sei sie zu ihr hingegangen. «Sie schrie und dann hielt ich ihr einfach den Mund zu bis sie ruhig war.» Dann sei sie duschen gegangen. Als sie wieder aus der Dusche kam, habe sie gesehen, dass ihr Kind tot ist. «Sie war ganz blau.» Sie habe dann sofort den Notarzt gerufen. Die Schuld habe sie nicht eingestehen können.

Nebst dem Mord an ihren Kindern gesteht Bianca B. auch zwei vorgetäuschte Einbrüche in ihre Wohnung in Reichenburg. Ausserdem soll sie ihre Ex-Schwägerin bestohlen haben, indem sie mit ihrer Karte Geld abhob.

Am 26. März 2010 sprach das Zürcher Geschworenengericht die heute 39-jährige Bianca B. des mehrfachen Mordes an ihren Zwillingen schuldig und verurteilte sie zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe. Ein Motiv wurde im zweiwöchigen Prozess nicht erkennbar. Die gesamte Beweislage überzeugte aber das Geschworenengericht.

In der Nacht auf Heiligabend 2007 hatte Bianca B. gemäss Anklage die beiden Erstklässler Céline und Mario in ihren Betten erstickt. Um von sich als Täterin abzulenken, täuschte sie einen Einbruch vor.

Mutter strengte neuen Prozess an

Die Mutter, die bis heute ihre Unschuld beteuert, akzeptierte das Urteil nicht. Nach dem Prozess engagierte sie einen neuen Verteidiger und machte beim Zürcher Kassationsgericht geltend, sie sei ungenügend verteidigt gewesen.

Das Kassationsgericht rügte daraufhin mehrere gravierende Mängel im Plädoyer. Es hiess die Beschwerde gut, hob das Urteil auf und wies den Fall zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. Weil das Geschworenengericht inzwischen abgeschafft wurde, ist nun das Bezirksgericht Horgen zuständig.

Die Verhandlung ist auf drei Tage angelegt: Den heutigen 12., und den 18. und 19. Dezember. Befragt werden die Beschuldigte sowie der inzwischen von ihr geschiedene Franz B., der Vater der Kinder. Dieser, anfänglich ebenfalls verdächtigt, wurde inzwischen als Täter ausgeschlossen. Der Psychiater, der beide Eltern begutachtet hatte, kommt ebenfalls nochmals zu Wort.

20 Minuten Online berichtet laufend vom Prozess

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