Aktualisiert 19.05.2019 15:10

Vincent PraplanZwischen WM, NHL-Träumen und SCB-Vertrag

Nach dem Spiel gegen Schweden musste er erstmals an dieser WM eine Niederlage erklären. Trotzdem zeigt Vincent Praplans Leistungskurve wieder nach oben.

von
Marcel Allemann, Bratislava
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Revanche missglückt: 3:4 verliert die Schweizer Nati ihr fünftes Gruppenspiel an der WM in Bratislava.

Revanche missglückt: 3:4 verliert die Schweizer Nati ihr fünftes Gruppenspiel an der WM in Bratislava.

kein Anbieter/Andy Mueller/freshfocus
Grossartige Stimmung: Die ausverkaufte Halle bebte, es war alles bereit für die Wiederauflage des Finals aus dem Vorjahr. Auffällig waren besonders die vielen Schweizer Fans.

Grossartige Stimmung: Die ausverkaufte Halle bebte, es war alles bereit für die Wiederauflage des Finals aus dem Vorjahr. Auffällig waren besonders die vielen Schweizer Fans.

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Start nach Mass: Andrighetto brachte die Schweiz früh in Führung.

Start nach Mass: Andrighetto brachte die Schweiz früh in Führung.

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Für Nati-Stürmer Vincent Praplan war klar, weshalb es gegen die Schweden nicht ganz gereicht hat und am Ende eine knappe 3:4-Niederlage abgesetzt hat. «Einerseits war unser Powerplay zu wenig gut. Und zudem kassierten wir zwei Mal, nachdem uns ein Treffer gelungen war, sogleich wieder ein Gegentor.»

Diese erste Niederlage in diesem Turnier ändert für ihn aber «gar nichts. Wir haben gesehen, dass wir mit den Besten mithalten können. Jetzt gilt es im Defensivverhalten einige Sachen anzupassen, dieses Spiel abzuhaken und den nächsten Sieg anzustreben.»

Zwei Jahre mit Rückschlägen

2017 in Paris startete Praplan an seiner ersten WM sogleich durch. Mit 4 Toren und 3 Assists war er der beste Skorer im Schweizer Team. Darauf folgten dann aber zwei Jahre, in denen der Walliser mit Negativerlebnissen umgehen musste. Ein ganz bitterer Moment war vor einem Jahr der Abstieg mit dem EHC Kloten. «Während der Saison lief es mir persönlich nicht schlecht, aber in den Playouts konnte ich meine Leistung auch nicht bringen», sagt er rückblickend.

Danach kam das Abenteuer Nordamerika. Praplan unterzeichnete einen Zweiweg-Vertrag mit den San Jose Sharks, lebte mit Timo Meier in einer WG. Doch die NHL blieb für ihn vorerst ein Wunschtraum, die Realität hiess für den Stürmer AHL und in dieser wurde er immer wieder von Verletzungen gestoppt. Auch die Tatsache, dass er im Februar von der Organisation der Sharks zu den Florida Panthers weitergereicht wurde, änderte daran wenig. «Sicher habe ich es mir anders vorgestellt und es war eine sehr harte Saison, aber ich konnte auch viel lernen», bilanziert er.

Die Ermunterungen der NHL-Spieler als Motivation

Umso bemerkenswerter ist es, wie Praplan nun an der WM in der Slowakei aufspielt. 6 Skorerpunkte (1 Tor, 5 Assists) steuerte bislang bei und ist damit auf gutem Weg, seinen persönlichen Punkterekord von Paris nochmals zu verbessern. «Ich habe jeden Tag enorm hart gearbeitet und irgendwann muss sich das ja auszahlen», sagt er über die Wende zum Guten, «Zudem erhielt ich von Trainer Patrick Fischer von Anfang an viel Vertrauen uns auf dem Eis verstehe ich mich sehr gut mit Nico Hischier und Kevin Fiala.»

Mit den Schweizer NHL-Spielern tauscht er sich in Bratislava immer wieder aus, sie ermuntern ihn ebenfalls, seinen Nordamerika-Traum nicht aufzugehen. «Sven Andrighetto und Kevin Fiala hatten es in dieser Saison auch nicht immer leicht, man muss in solchen Situation eben auch beissen können.» Ein weiterer Antreiber ist Timo Meier für ihn, der auch ein guter Freund geworden und in dieser Saison bei San Jose zum Star avanciert ist. «Auch für ihn lief es zuvor nicht immer nur rund, aber auch er hat mir immer wieder gesagt, dass ich unbedingt dranbleiben soll.»

Und deshalb will Praplan «nochmals angreifen», wenn man ihn denn lässt und er von Florida («ich hatte mit ihnen vor meiner Abreise gute Gespräche») – oder sonst von einer anderen NHL-Organisation – ein Vertragsangebot erhält. «Ich habe den Schritt nach Nordamerika nicht gewagt, um nach einem Jahr wieder heimzukehren, sondern möchte mich dort durchsetzen.» Eine gute WM kann dabei seine Chancen zweifellos erhöhen.

Ein SCB-Vertrag, den er eigentlich gar nicht antreten will

Inzwischen ist zwar offiziell bekannt geworden, dass der perfekt Schweizerdeutsch sprechende Romand beim SC Bern einen Vierjahresvertrag unterschrieben hat. Doch diesen möchte er am liebsten gar nicht antreten, dieser ist nur die zweite Option, für den Fall, dass eine NHL-Träume platzen. Um nichts unversucht zu lassen, hat er sich für die ersten drei Vertragsjahre eine Ausstiegsklausel für die NHL in die Vereinbarung mit dem SCB schreiben lassen.

Doch SCB oder doch NHL. Das ist Zukunftsmusik. Die Gegenwart heisst WM und an dieser hat Praplan mit der Nati noch einiges vor. Schon am Sonntagabend gegen Russland. «Wir wollen dieses Spiel gewinnen», gibt er die Marschrichtung vor. «Die Russen sind vor allem in der Offensive eine Supermannschaft, deshalb ist es wichtig, dass wir in der Defensive sauber arbeiten, unsere Beine bewegen und unseren Speed nutzen – dann können wir für sie gefährlich sein.»

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