Aktualisiert 20.08.2013 14:24

Zürcher ObergerichtZwölf Jahre Knast für Pokerrunde-Schützen

Ein türkischer Pizzaiolo muss zwölf Jahre ins Gefängnis. Das Zürcher Obergericht hat das Urteil bestätigt. Der 32-Jährige hatte eine Pokerrunde überfallen und einen Spieler angeschossen.

von
sda/rom
Die illegale Pokerrunde fand im Untergeschoss einer Liegenschaft an der Langstrasse statt.

Die illegale Pokerrunde fand im Untergeschoss einer Liegenschaft an der Langstrasse statt.

Der Vorfall ereignete sich im Oktober 2010: Der Pizzaiolo überfiel zusammen mit einem älteren Landsmann eine Bar an der Zürcher Langstrasse. Beide Männer waren mit geladenen Pistolen bewaffnet und eröffneten das Feuer. Einer der Pokerspieler wurde gleich zwei Mal von je einer Kugel der beiden Schützen getroffen, überlebte aber. Andere aus der Runde konnten die Täter schliesslich überwältigen und der Polizei übergeben.

Der ältere mutmassliche Haupttäter nahm sich kurz vor Beginn des Prozesses am Bezirksgericht im Oktober 2012 das Leben. Der Pizzabäcker stand deshalb allein vor Gericht und beteuerte damals stets seine Unschuld. Er sei von seinem Komplizen zur Teilnahme am Überfall gezwungen worden. Aus Angst habe er ihm gehorcht, behauptete er. Zudem habe ihm der ältere Landsmann die Waffe gegeben und ihm wahrheitswidrig erklärt, es handle sich bloss um eine Schreckschusspistole.

Unschuldsversion wenig glaubhaft

Das Bezirksgericht stufte die Unschuldsversion des Beschuldigten als unglaubhaft ein. Er habe wissentlich und willentlich am Überfall teilgenommen. Die Richter verneinten zwar eine besondere Skrupellosigkeit und damit die Qualifikation als Mordversuche. Sie gingen bei den Schüssen von mehrfachen Tötungsversuchen aus. Zudem habe sich der Beschuldigte des versuchten schweren Raubes schuldig gemacht. Das Gericht verhängte eine zwölfjährige Freiheitsstrafe.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen das Urteil des Bezirksgerichts Berufung eingelegt. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren wegen mehrfachen Mordversuchs. Das Obergericht folgte dem Antrag in der Verhandlung vom Dienstag jedoch nicht. Der Mann war zudem verpflichtet worden, dem Opfer eine Genugtuung von 10'000 Franken zu bezahlen. Der geschädigte Barbetreiber - ihm hatte der Täter knapp am Kopf vorbeigeschossen - soll 1000 Franken Schmerzensgeld erhalten.

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