Street-Art: Zwölf Tage Arbeit wurden in weniger als zwei Minuten zerstört
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Street-ArtZwölf Tage Arbeit wurden in weniger als zwei Minuten zerstört

Die Verschmierung des Street-Art-Werks von Philipp Tschanz sorgte in Basel für viel Unmut. Jetzt hat er sich dazu entschlossen, das Bild zu restaurieren. Wegen der vielen Details bedeutet das aber einen grossen Aufwand.

von
Elodie Kolb

Für das Kunstwerk waren zwei Wochen Arbeit vorgesehen.

Philipp Tschanz / Elodie Kolb 

Darum gehts

  • Das Kunstwerk des Basler Künstlers Philipp Tschanz wurde von Unbekannten verunstaltet.

  • Jetzt hat er sich entschieden, das Bild wiederherzustellen.

Die grosse schwarz-weisse Skyline von Basel und der Basilisk, die Philipp Tschanz an der Münchensteinerstrasse im Auftrag eines Hauseigentümers angefertigt hat, haben in Basel viel Begeisterung hervorgerufen. Aber noch bevor der Künstler die Wand fertigstellen konnte, wurde sie von Unbekannten verunstaltet. «Unwiderruflich», wie Tschanz im Gespräch mit 20 Minuten sagt. Jetzt hat er damit begonnen, das Bild wiederherzustellen, weil er findet, «dieses Bild muss an die Wand».

Zerstört in zwei Minuten

14 Tage seien vorgesehen gewesen, um das Bild an die Wand zu bringen, erzählt Tschanz. Nach 12 Tagen Arbeit habe er jedoch feststellen müssen, dass jemand mit violetter und silberner Farbe Wellenlinien darüber gesprayt hat. Der Basilisk war sogar komplett übermalt. Das Ganze habe wohl nicht länger als zwei Minuten gedauert. «Ich kann nicht verstehen, was in einem solchen Menschen vorgeht. Es war vor allem bitter, die Kinder, die sich so ab dem Bild gefreut haben, weinen zu sehen», so der Künstler.

Das Tiefbauamt konnte die Wand schliesslich so weit reinigen, dass Tschanz die Konturen unter der Farbe wieder erkennen konnte. «Damit hatte ich wenigstens eine Vorlage. Aber ich muss die Bilder eigentlich komplett neu malen, was vor allem wegen der vielen Details sehr aufwendig ist.»

Basel ist betroffen

«Wer ist so feige? Du hast ein Problem mit mir und ganz Basel», postete Philipp Tschanz auf Facebook, nachdem er entdeckt hatte, dass das Kunstwerk übermalt worden war. Knapp 260-mal wurde der Beitrag geteilt, und über 300 Nutzer haben ihn kommentiert.

Es sei nicht das erste Kunstwerk von Tschanz, das in seinen 30 Jahren in der Graffiti-Szene übermalt wurde. Das sei blöd, aber kein Weltuntergang. «Aber was mir wehtut, ist, was es bei den Menschen auslöst. Ich erfahre sehr viel Zuspruch und Loyalität von den Menschen, die nun auch enttäuscht sind. Als Künstler möchte ich den Menschen eine Freude machen und das Gute festhalten», erzählt Tschanz, der auch unter dem Namen Dest Jones unterwegs ist.

Graffiti verändert sich

Tschanz vermutet hinter der Aktion dieselbe Gruppierung, die auch die Kunstwerke der Street-Art-Meile an der Schwarzwaldbrücke beschädigt hat. «Die Linien sind dieselben, und auch das Produkt scheint dasselbe zu sein», sagt er. Doch er könne sich nicht erklären, weshalb das jemand machen würde.

Im Bekennerschreiben, welches nach dem Vandalenakt an der Schwarzwaldbrücke vorlag, sprachen sich die anonymen Verfasser dafür aus, dass es in der Natur von Graffiti liege, illegal zu sein. Tschanz hält diese Ansicht nicht für plausibel. «Wir machen seit vielen Jahren Kunst, und die hat sich auch mit uns entwickelt.» Graffiti sei nur von New York zu uns übergeschwappt, weil es dort populär wurde und aus der vormals anonymen Szene in den Galerien auftauchte.

Auch die für Graffiti zur Verfügung gestellten Wände in Basel sind ganz im Sinne von Tschanz: «Es wird wohl immer illegales Graffiti geben, aber ich finde, man sollte die Kids malen lassen. Ich hatte auch meine illegale Phase. Gerade für Jugendliche ist es sinnvoll, ein kreatives Outlet zu haben, und dafür sollte man sie nicht kriminalisieren.»

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