Aktualisiert 05.09.2006 07:33

Zwölfjähriger Grenchner ersticht rabiaten Onkel

Ein Jugendlicher hat in Grenchen seinen Onkel getötet und wurde wegen Totschlags schuldig gesprochen. Der 12-Jährige wird in einem Heim platziert. Auch seine Schwester muss sich vor Jugendgericht verantworten.

Die Situation des Knaben zur Tatzeit wurde vom Jugendanwalt zwar als Notwehrlage qualifiziert. Angelastet wird dem Jungen aber eine Überschreitung der Notwehr, ein so genannter Notwehrexzess, wie aus einer Mitteilung der Jugendanwaltschaft vom Dienstag hervorgeht.

Zu der verhängnisvollen Tat kam es am 4. Juli 2005 in Grenchen. Der damals elfjährige Knabe und seine 15-jährige Schwester hatten sich durch ihren Onkel zunehmend bedroht gefühlt. Sie führten deshalb zu ihrem Selbstschutz ein Messer mit. Am Tattag kam es wiederum zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Onkel der beiden Kinder und deren Vater. Während der anschliessenden Befragung durch die Polizei musste der Vater der beiden Kinder nach einem Zusammenbruch hospitalisiert werden. Vor dem Polizeiposten der Stadtpolizei Grenchen kam es in der Folge zu einem ersten Zusammentreffen zwischen den Kindern und ihrem den Posten verlassenden Onkel.

Die verbale Auseinandersetzung wurde zunächst von der Polizei geschlichtet; die Streitenden wurden von der Polizei getrennt. Auf dem Weg an ihr Domizil trafen die beiden Kinder dann aber erneut auf ihren Onkel, der sein Fahrzeug anhielt und ausstieg. Wieder kam es zu einer verbal und auch tätlich geführten Auseinandersetzung. Dabei soll der Onkel die Kinder mit dem Tod bedroht und zudem angedroht haben, das Mädchen zu vergewaltigen. Als der Onkel auf das Mädchen einschlug, versuchte ihr Bruder vergeblich, den Onkel von seiner Schwester abzuhalten. Der Onkel schubste ihn weg. Später zog der Junge das mitgeführte Messer hervor und stach seinen Onkel, der sich wieder dem Mädchen zugewandt hatte, in den Rücken. Dabei wurde der Onkel so schwer verletzt, dass er seinen Verletzungen noch am Tatort erlag.

Beide an der Tat beteiligten Kinder wurden durch die Jugendanwaltschaft unmittelbar nach der Tat vorsorglich in geeigneten Institutionen platziert. In seinem Entscheid hat der Jugendanwalt die Platzierung des Kindes in einer Institution auf unbestimmte Zeit bestätigt und zudem die Durchführung einer ambulanten Psychotherapie angeordnet. Die Schwester des Knaben wird sich, da sie zur Tatzeit bereits über 15 Jahre alt war, vor dem kantonalen Jugendgericht in Solothurn verantworten müssen. Ein Gerichtstermin war zunächst noch nicht angesetzt. (dapd)

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