Zypernkrise: Zyperns Wirtschaft ist so gross wie jene der Waadt

Aktualisiert

ZypernkriseZyperns Wirtschaft ist so gross wie jene der Waadt

Im Prinzip wäre die Krise in Zypern leicht zu bewältigen. Die Entscheidung, Sparer zur Kasse zu bitten, sei ein «totaler Fehlentscheid» gewesen, sagt Experte Andreas Höfert.

Der Chefökonom der UBS, Andreas Höfert, sieht nun auch andere Euro-Staaten auf ihrem Weg aus der Krise gefährdet.

Der Chefökonom der UBS, Andreas Höfert, sieht nun auch andere Euro-Staaten auf ihrem Weg aus der Krise gefährdet.

Der Chefökonom der UBS, Andreas Höfert, hat deutliche Worte für das Krisenmanagement der EU in Zypern gefunden. Die Entscheidung, Sparer für die Rettung der maroden Banken zur Kasse zu bitten, sei ein «totaler Fehlentscheid» gewesen, kritisierte er am Donnerstag im Research-Podcast der Grossbank.

Man sei sich überhaupt nicht darüber im Klaren gewesen, «was man für eine Unsicherheit bei der Bevölkerung - und nicht nur bei der Bevölkerung in Zypern, sondern generell bei der Bevölkerung in Europa - auslöst».

Im Prinzip wäre die Krise in Zypern laut Höfert leicht zu bewältigen. Die Wirtschaftsleistung entspreche etwa derjenigen des Kantons Waadt und sei nicht einmal ein Zehntel so gross wie jene Griechenlands.

«Medial aufgebauscht»

Die 10 Mrd. Euro, die zur Sanierung der Banken nötig sind, seien an sich keine grosse Summe. «Man hätte sicherlich das Geld woanders finden können. Vermutlich wäre es den Leuten genauso schlecht gegangen, aber es wäre nicht so offensichtlich gewesen.»

Das Problem sei, dass die 10 Mrd. Euro «medial aufgebauscht» worden seien, sagte Höfert. «Es besteht das Risiko, dass man aus diesem kleinen Stein einen enorm grossen Stein macht, und dass dieser Stein am Ende die Lawine auslöst.»

180-Grad-Wende

Der UBS-Chefökonom sieht nun auch andere Euro-Staaten auf ihrem Weg aus der Krise gefährdet. Im vergangenen Jahr sei es der EU gelungen, die Bankenkrise in Südeuropa zu entschärfen. Die Einigung auf eine Bankenunion habe den Abfluss von Geld aus südeuropäischen Banken gestoppt und sogar umgekehrt.

Mit dem Griff nach den Guthaben zyprischer Sparer habe die EU jedoch «eine 180-Grad-Wende» vollzogen. «Es könnte durchaus sein, dass das, was man im vergangenen Jahr mühsam versucht hat in Schach zu halten, nun wieder losgetreten wird.» (sda)

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