Aktualisiert 27.03.2013 19:20

Angst vor Bank-Run

Zyprer dürfen vorläufig nur 300 Euro abheben

Morgen Donnerstagmittag öffnen die Banken Zyperns endlich ihre Tore. Um den Crash des Bankensystems zu verhindern, dürfen Sparer bis auf weiteres nur 300 Euro abheben.

von
sas
Kommts auf dem Inselstaat zum Bank-Run? Die zyprische Bevölkerung fürchtet um ihre Ersparnisse.

Kommts auf dem Inselstaat zum Bank-Run? Die zyprische Bevölkerung fürchtet um ihre Ersparnisse.

Zypern droht der Sturm auf die Banken. Nach zwölf Tagen mit geschlossenen Schaltern öffnen die Finanzinstitute morgen Donnerstag endlich wieder. Um 12 Uhr mittags wird es soweit sein, wie am Mittwochabend bekannt wurde. Die Geldinstitute sollen allerdings nur von 12 bis 18 Uhr geöffnet sein.

Damit der aufgeblähte Bankensektor nicht wie ein Kartenhaus zusammenstürzt, konnten die Zyprer zuletzt an den Gelddautomaten höchstens 100 Euro pro Tag beziehen. Und die Regierung fürchtet weiter einen Ansturm der Sparer, sobald die Schalter wieder öffnen. Trotz Rettungsplan soll der Zugang zu den eigenen Ersparnissen deshalb eingeschränkt bleiben.

Die Vorgaben der Regierung sind scharf: Das bisherige Tageslimit für Abhebungen an Bankautomaten wird zwar angehoben - allerdings nur auf 300 Euro. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur am Mittwochabend. Neben dem 300-Euro-Bargeld-Limit soll es eine Obergrenze für Kreditkartenausgaben im Ausland von 5000 Euro pro Tag geben. Zudem können Schecks nicht gegen Bargeld eingelöst werden, sondern nur gegen Kontogutschriften. Zudem will die Regierung die Kapitalverkehrskontrollen besser durchsetzen und Schlupflöcher stopfen.

Aus Kreisen der Bank of Cyprus hatte die Nachrichtenagentur DPA im Vorfeld erfahren, in vielen Filialen der Banken «gebe es Bewegung». Auch aus Kreisen der Polizei war zu erfahren, dass es Vorbereitungen angesichts einer Öffnung der Banken gebe. Ursprünglich war geplant, die Banken schon am Dienstag wieder zu öffnen, was in letzter Sekunde aber wieder abgeblasen wurde.

Zyprische Banken in Athen geöffnet

Am Mittwoch fuhren mehrere von bewaffneten Polizisten bewachte Lastwagen mit Behältern an der Zentralbank des Landes in Nikosia vor. Darüber kreiste ein Helikopter. Die private Sicherheitsfirma G4S hatte im Vorfeld angekündigt, 180 ihrer Mitarbeiter in zyprischen Bankfilialen zu postieren, um auf mögliche Unruhen reagieren zu können. Es würden aber auch Polizisten anwesend sein, sagte Geschäftsführer John Argyrou. Er rechne nicht mit grösseren Zwischenfällen. Die Zyprer hätten bereits Zeit gehabt, die Ereignisse der letzten Wochen zu «verdauen», erklärte er.

Die Filialen zyprischer Banken in Griechenland öffneten bereits am Mittwoch wieder. Die Wiedereröffnung erfolgte wie angekündigt, nachdem die griechische Piräus-Bank die Niederlassungen der drei zyprischen Grossbanken Bank of Cyprus, Laiki und Hellenic Bank übernommen hatte.

Die Piräus-Bank teilte mit, die Guthaben bei diesen Filialen seien gesichert. Es handelt sich um 312 Bankfilialen mit 5268 Angestellten. Schon vor der Öffnung der Bankfilialen bildeten sich in Athen Schlangen. Nach den Erklärungen der Piräus-Bank bleiben den Kunden der Filialen in Griechenland die Zwangsmassnahmen erspart, die für Anleger ab 100'000 Euro Guthaben in Zypern beschlossen wurden.

Ungemach von den Ratingagenturen

Neben Rezessionssorgen und der Angst vor einem Bankensturm droht Zypern auch noch Ungemach von den Ratingagenturen. Trotz Einigung auf ein internationales Hilfspaket hat die US-Ratingagentur Fitch dem Inselstaat mit einer baldigen Herabstufung gedroht. Wegen des angeschlagenen Bankensektors werde das bisherige Rating «B» unter verschärfte Beobachtung (Rating Watch Negative) gestellt, teilte Fitch am Dienstagabend in London mit. Fitch bewertet Zypern aber weiter weniger negativ als Standard & Poor's («CCC») und Moody's («Caa3»).

Vor allem das gescheiterte zyprische Bankensystem sei für die Entscheidung verantwortlich, schreibt Fitch. Ob es tatsächlich zu einer Herabstufung kommt, hänge von den Einzelheiten des mit der Troika (EZB, EU, IWF) vereinbarten Programms ab. Entscheidend sei auch die Bereitschaft der zyprischen Behörden zur Umsetzung von Reformen. (sas/sda)

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