Aktualisiert 13.01.2017 15:44

Verhandlungen in Genf

Zyprische Garantiemächte kündigen 2. Treffen an

Die Aussenminister Grossbritanniens, Griechenlands und der Türkei haben in Genf über die Wiedervereinigung Zyperns verhandelt. Knackpunkt ist die Sicherheit.

von
mch
Zypern ist seit 1974 geteilt: Eine Bank in der Nähe der Grenze zwischen den zwei Teilen Zyperns. (Archiv)

Zypern ist seit 1974 geteilt: Eine Bank in der Nähe der Grenze zwischen den zwei Teilen Zyperns. (Archiv)

Keystone/Iakovos Hatzistavrou/EPA

Nach einem konstruktiven Auftakt der historischen Zypern-Konferenz zur Überwindung der mehr als 40-jährigen Teilung ist das Treffen am Donnerstagabend unterbrochen worden. UNO-Generalsekretär António Guterres setzte auf einen Durchbruch.

Knackpunkt seien die Sicherheitsbedürfnisse der beiden Bevölkerungsgruppen, der türkischen und der griechischen Zyprer, sagte Guterres in Genf nach Beginn der neuen Konferenz zur Zypernfrage. Danach ging es zum schwierigen Teil: Vermittler und die Konfliktparteien starteten einen Verhandlungsmarathon.

Keine konkreten Ergebnisse

Ein schnelles Ergebnis stellte Guterres nicht in Aussicht. «Man kann keine Wunder erwarten», sagte er. «Wir wollen keinen Schnellschuss, sondern eine solide Lösung.» Letzten Endes werden die Bürger Zyperns, die beiden Volksgruppen getrennt über das Ergebnis der Verhandlungen abstimmen.

Die Gespräche fanden hinter verschlossenen Türen statt und gingen vorerst ohne konkretes Ergebnis zu Ende. Die Verhandlungsparteien wollen sich aber so schnell wie möglich wieder treffen, um weiterzuarbeiten.

Neues Treffen am Mittwoch

«Zunächst werden Experten aller Seiten am 18. Januar zusammenkommen», sagte der zypriotische Regierungssprecher, Nikos Christodoulides, am Abend vor Journalisten in Genf. Sobald diese Experten eine Reihe von Sicherheitsthemen ausgearbeitet hätten, würden die Konfliktparteien erneut zusammenkommen.

Der griechische Aussenminister, Nikos Kotzias, ging von einem Neubeginn der Verhandlungen zwischen griechischen und türkischen Zyprern und der drei Garantiemächte Griechenland, der Türkei und Grossbritannien unter UNO-Vermittlung am 23. Januar aus. Die UNO wollte am späten Donnerstagabend eine Erklärung ausgeben.

Rund 1,2 Millionen Menschen

Die Lage ist spannend: Erstmals sitzen in Genf Vertreter der beiden Bevölkerungsgruppen, der türkischen und der griechischen Zyprer, mit den Aussenministern der Garantiemächte Türkei, Griechenland und Grossbritannien zusammen. Zypern ist seit einem griechischen Putsch und einer türkischen Invasion 1974 geteilt.

Im türkischen Norden leben nach Schätzungen 300'000 Menschen, darunter 135'000 türkische Zyprer und viele Siedler aus Anatolien. Im griechischen Süden leben knapp 900'000 Menschen. Die ganze Inselrepublik ist Mitglied der EU seit 2004. Das EU-Recht gilt aber nicht im international nicht anerkannten Nordteil der Insel.

Föderation als Ziel

Angestrebt wird eine Föderation mit zwei gleichberechtigten Bundesstaaten. Die Verhandlungsführer der beiden Bevölkerungsgruppen, Nikos Anastasiadis für den Süden und Mustafa Akinci für den Norden, verdienten wegen ihrer hervorragenden Vorarbeit Oscars, sagte Guterres in Anlehnung an die Auszeichnung für Filmschauspieler. Sie hatten in Vorgesprächen unter anderem über die Grenzziehung, Kompensation für Vertriebene und Landrückgabe Fortschritte gemacht.

Die Sicherheits- und Garantiefragen seien komplex, sagte Guterres. Die türkische Seite will weiter Truppen auf der Insel stationieren. Das lehnen die anderen Garantiemächte ab. Athen wollte nach Angaben aus Delegationskreisen ein neues Friedens- und Kooperationsabkommen zwischen Zypern, Griechenland und der Türkei vorschlagen, das die Truppenstationierung ausschliesst.

Symbol der Hoffnung

«Ich hoffe auf einen Durchbruch», sagte Guterres. «Das verdienen die Menschen in Zypern, und das ist, was die Welt heute braucht. Wir haben so viele Desastersituationen in der Welt – wir brauchen ein Symbol der Hoffnung.» (mch/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.