«Sozialarbeit auf hohem Niveau»

25. September 2018 08:30; Akt: 24.09.2018 15:39 Print

Legales Zürcher Sprayer-Paradies auf 1200 m2

Im Zürcher Kreis 11 befindet sich der wohl bunteste Freiraum in Zürich. Künstler können dort im Industriegebiet legal ihre Werke präsentieren.

Beim Dosendealer in Zürich können Graffiti-Künstler legal die Wände besprayen und so ihre Werke präsentieren. (Video: 20 Minuten/Dosendealer)
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Graffiti-Kunst ist umstritten. Künstler bewegen sich oft in der Illegalität, wenn sie ihre Werke präsentieren wollen. In der Stadt Zürich gibt es aber einen Ort, an dem legal gesprayt werden darf. Das Projekt Dosendealer bietet Sprayern von Donnerstag bis und mit Montag ein Umfeld für ihr Schaffen.

«Angefangen hat das Projekt mit dem Verkauf von Spraydosen, wie der Name Dosendealer verrät», sagt der 25-jährige Gründer Yassin Manuel Tair. Er hat zusammen mit Till Boller (24) und Andreas Forrer (27) einen Verein gegründet und eine Lagerhalle an der Schaffhauserstrasse 468 im Kreis 11 gemietet.

Jugendliche kommen täglich vorbei

Die Wände, die besprayt werden, haben die drei Männer eigenhändig hochgezogen. Später kam eine weitere Halle und kürzlich sogar die Aussenfassade des Gebäudes dazu. Dieses Gesamtpaket von inzwischen rund 1200 Quadratmetern macht die Lagerhallen zu einem legalen Sprayer-Paradies. «Es ist ein Platz für alle Kunstschaffenden, die an den Wänden üben wollen oder einfach ihre Werke präsentieren möchten», sagt Tair.

Auch Sprayer und Rapper mit internationaler Ausstrahlung seien inzwischen regelmässig beim Dosendealer zu Gast. Doch bei diesem Projekt geht es längst nicht nur um talentierte Graffiti-Künstler. «Wir können durchaus sagen, dass wir Sozialarbeit auf sehr hohem Niveau machen», so Tair. Viele Kinder und Jugendliche mit allen möglichen Hintergrund-Geschichten würden fast täglich an der Schaffhauserstrasse vorbeikommen und sprayen, rappen oder einfach nur chillen und Ping Pong spielen.

Zürcher Graffiti-Beauftragte lobt das Projekt

Das ist inzwischen auch bei den Schulen angekommen: «Wir kriegen viele E-Mails von Lehrern, die mit Schulklassen vorbeikommen möchten. Diese kommen dann bei uns vorbei und verlassen das Areal meist mit einem Grinsen über beide Ohren», so Tair. Das alles bieten die drei Gründer praktisch ohne finanzielle Hilfe an. «Unsere Miet- und Unterhaltskosten zahlen wir selbst und mit Hilfe von Mitgliederbeiträgen.»

Auch bei der Stadt Zürich hat man die Arbeit des Dosendealers inzwischen auf dem Radar: «Herr Tair hat uns für einen Anlass mit internationalen Künstlern kontaktiert und wir konnten ihn mit einem kleinen Betrag unterstützen», sagt die Stadtzürcher Graffiti-Beauftragte Priska Rast. Sie habe sich dann beim Event vor Ort ein Bild gemacht: «Ich war sehr positiv überrascht. Es wird in einem guten Rahmen gearbeitet, absolut legal und hoch professionell.»

Die Zukunft des Projekts ist trotz des grossen Erfolgs aber mehr als unsicher. Der Eigentümer will auf dem Areal ein Bauprojekt realisieren. Wenn dieses alle nötigen Bewilligungen erhält, müsste der Dosendealer umziehen – oder wäre gar Geschichte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz am 25.09.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Yassin sollte zuerst mal deine schulden zurück bezahlen und sich nicht einfach aus dem staub machen. You know what I mean

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz am 25.09.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Yassin sollte zuerst mal deine schulden zurück bezahlen und sich nicht einfach aus dem staub machen. You know what I mean