«Switzerländers»

02. Juli 2019 09:50; Akt: 02.07.2019 10:32 Print

«Es ist speziell, was man mit Tieren alles hinkriegt»

von Noah Zygmont - Der Thur entlang mit Kutsche, Wein und Fondue: Das bietet Daniela Bissegger in Weieren an und baute sich so eine zweite Karriere auf.

Das ist Danielas «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)
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Zwei Pferde ziehen die Kutsche. Daniela Bissegger (40) führt sie der Thur entlang. Sie trägt eine schwarze Mütze, ihr T-Shirt ist mit dem Logo ihres Restaurants bedruckt. Während sie eine Zigarette raucht, strahlt sie und lacht. Hinter ihrem Rücken sitzt eine Familie. Sie brät ihr eigenes Fleisch auf einem Tischgrill und trinkt dabei ein Gläschen Wein. Während der Fahrt ist ein Nuggi des Kindes verloren gegangen. Macht nichts, dieser Gruppe kann man heute nicht die Laune verderben. Unter lautem Gelächter geht die Fahrt weiter. Zurück zum Restaurant und zum Haus der Familie Bissegger.

«Ein solches Erlebnis bieten zu dürfen, das ist einfach genial», sagt Daniela, während sie ihre Pferde zum Stehen bringt. Zu Beginn der Fahrt seien die Gäste meistens etwas skeptisch, danach würden sie oft kaum mehr aussteigen wollen. Daniela ist seit mehr als vier Jahren mit ihrer Fondue-Kutsche in Weieren (SG) unterwegs. Das Konzept ist simpel: «Ich fahre die Kutsche auf einer schönen Route, während die Gäste ein feines Fondue geniessen.» Es sei deswegen speziell, weil man sein Essen selber koche und gleichzeitig mitten in der Natur sei.

Für Daniela selbst ist es die Arbeit mit den Tieren, die sie an ihrem Job so liebt: «Es ist extrem speziell, was man mit Tieren in der Natur so alles hinkriegt.» Die Idee der Fondue-Kutsche ist im Engadin entstanden. «Nachdem ich in meinem alten Betrieb als Kauffrau die Kündigung erhalten hatte, lud mich meine Freundin auf eine Kutschenfahrt ins Engadin ein.» Daniela hatte enorm Spass daran und erkundigte sich beim Fahrer, was es denn zur Kutscherprüfung brauche. Da sie bereits seit dem Mädchenalter mit Pferden in Kontakt war, schien die Hürde nicht allzu gross.

«Ich habe immer Neues ausprobiert, bis mir diese Idee gekommen ist»

Der Kutschfahrer im Engadin lud Daniela auf eine Probefahrt ein, danach fuhr sie einige Jahre lang normale Kutschen. «Vier Jahre lang kutschierte ich die Leute durch die Region. Mit der Zeit wurde die Arbeit allerdings etwas monoton.» Sie wollte etwas Kreativeres und überlegte immer wieder an verschiedenen Optionen herum. «Ich habe immer irgendetwas ausprobiert, bis mir die Idee mit der Kutschenfahrt, so wie wir sie heute anbieten, gekommen ist. Für mich ging damit ein Traum in Erfüllung.»

Seit fünf Jahren bewirtschaftet sie nun zusammen mit ihrem Mann dessen Familienhof. Er unterstützt sie tatkräftig, und auch ihre gemeinsame Tochter hilft bereits fleissig mit. «In erster Linie kümmert sie sich aber um ihr Pony und dessen Stall.» Neben Pferden hat die Familie Bisseger auch Hochlandrinder und Schweine auf dem Hof und bewirtschaftet nebenan ein eigenes Restaurant. «Wir bieten im Resti hauseigene Produkte an und haben einen schönen Garten, der immer gut besetzt ist. Gerade nach einer Kutschenfahrt kommen die Gäste gern noch für ein Abschlussbier zu uns.» Für die Kinder gibt es einen kleinen Streichelzoo mit drei Geissen und vier Hühnern.


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Ein Leben wie im Märchen? Nicht nur: Es sei nicht einfach, mit dem Kutschenservice und einem Restaurant gut über die Runden zu kommen, meint Daniela. Die ganzen Kosten, die für die Tiere, insbesondere für die Pferde, anfallen, sind enorm hoch. Pro Pferd brauche es zum Beispiel alle drei Monate einen neuen Beschlag, was bis zu 250 Franken koste. «Du willst eigentlich deinen Traum leben, aber es liegen dabei oft Steine im Weg. Das kann einen sehr frustrieren», sagt sie.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz liebt Daniela ihre Arbeit über alles. Was sie besonders schätzt? «Es ist toll, dass jede Generation Spass bei uns hat.» Dabei komme es immer wieder zu speziellen Begegnungen, wie sie sagt. So kam kürzlich eine 98-jährige Frau auf sie zu und erklärte, sie wolle zu ihrem Geburtstag noch einmal auf ein Pferd steigen. Daniela ermöglichte ihr den Traum. «Für mich ist es wundervoll, wenn ich Leuten mit Kleinigkeiten eine Freude bereiten kann.»

«Mein Mann und ich heiraten endlich»

Es ist der Mix aus Pferden, Heimat und Natur, der für Daniela die pure Schweiz bedeutet. Für Daniela ist es allerdings wichtig, dass viele Menschen wissen, dass man heutzutage kein Restaurant eröffnen müsse, um Personen Essen anbieten zu können. «Da reicht eine Kutsche völlig aus.» Sie hoffe, dass ihre Innovation noch mehr unter die Leute komme und das Restaurant auch etwas über die Dorfgrenze hinaus bekannt werde. In einem Monat wird sich Daniela zudem persönlich eine riesige Freude machen: «Mein Mann und ich heiraten endlich.»

Als Daniela Bissegger von «Switzerländers» hörte, überlegte sie nicht lange. Sie wollte ihre Sicht auf ihr Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «ihre Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!


Creative Director Michael Steiner erklärt dir im Video, worum es bei «Switzerländers» geht.

Hier erklärt dir Michi Steiner kurz, wie du deinen «Switzerländers»-Beitrag filmst, damit er die besten Chancen auf einen Platz im Kinofilm hat.

«Switzerländers» ist ein Kulturprojekt der Tamedia.