«Switzerländers»

01. Juli 2019 07:03; Akt: 01.07.2019 07:03 Print

«Ich habe 16 Mitbewohner»

von Noah Zygmont - Seit sechs Jahren lebt Mateusz Paulo (36) in der Schweiz und zeigt Touristen das Land. Privat lebt er in einer riesigen WG.

Das ist Mateusz' «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)
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Mateusz Paulo fährt mit seinem Velo durch die Gassen von Winterthur. Mit einem dicken, schwarzen Schloss schliesst er sein Citybike ab. Er sei oft mit dem Velo unterwegs und habe fünf Stück zu Hause: «Ich liebe es, mit dem Velo unterwegs zu sein und Sport zu treiben.» Die Schweiz bietet ihm viele Möglichkeiten dazu. Mateusz kam 2013 aus Polen hierher. Damals suchte er eigentlich einen Job in Österreich, habe dann aber per Zufall eine Arbeit als Ski-Reiseleiter in Davos gefunden.

Eine typische Schweiz gibt es für Mateusz nicht: «Ich finde die Schweiz fällt dadurch auf, dass sie nicht auffällt», sagt Mateusz. Die Schweizer seien in seinen Augen eher distanziert, zudem erschwerten die vielen Sprachregionen den Zugang. «Als ich im Zug einmal eine Person ansprechen wollte, hatte ich richtig Schwierigkeiten, die richtige Sprache dafür zu finden.»

Trotz der Sprachbarriere empfindet es Mateusz als Privileg, in der Schweiz zu leben. «Man ist mitten in Europa und hat womöglich den besten Lebensstandard der Welt.» Ausserdem funktioniere das Land sehr gut. Die Infrastruktur, die öffentlichen Verkehrsmittel, darauf könne man stolz sein, meint Mateusz.

«Schweizer Dialekte finde ich extrem schwierig»

Weniger stolz ist Mateusz auf sein Schweizerdeutsch. «Dialekt finde ich extrem schwierig, weil es in der Schweiz so viele verschiedene gibt. Ich habe es zwar versucht, bin aber kläglich gescheitert.» Sein Verständnis für Schwiizerdütsch werde zwar immer besser, trotzdem nutze er aktiv nur einige wenige Wörter. So sage er nicht mehr Fahrrad, sondern Velo. «Es ist kürzer und einfacher.» Vor kurzem habe er sich ein Dialekt-Buch gekauft. «Das Buch ‹Chunsch druus?› habe ich mit gutem Vorsatz gekauft. Es half jedoch auch nicht weiter», sagt Mateusz lachend.

Seit vier Jahren lebt Mateusz in Winterthur. Er hat durch seinen alten Vermieter in Davos ein WG-Zimmer in der Stadt ergattert. «Ich lebe in einer Wohnung mit 16 Mitbewohnern. Das ist ziemlich cool.» Gestört fühlt er sich durch die vielen Mitbewohner nicht, denn es hat genug Rückzugsmöglichkeiten. Mateusz verfügt im Haus über den obersten Stock mit 56 Quadratmetern. Eine Küche teilt man sich, dadurch trifft man sich oft. «Mir gefällt der Austausch sehr gut. Man fühlt sich nie allein und kocht auch manchmal zusammen.»


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Kürzlich montierte er eine Dachbox aufs Auto, nicht nur da war die Hilfe seiner Mitbewohnern Gold wert. Gerade auch weil er in der Schweiz nicht viele Leute kenne, sei der Kontakt zu Einheimischen besonders wichtig. «Es gibt wohl nichts Einfacheres, um Anschluss zu finden, als in einer WG zu leben», meint er.

Auch bei seiner Arbeit als Touristenführer lernt Mateusz viele neue Leute kennen. «Den Job als Touristenführer liebe ich! Mit meinen Gruppen reise ich oftmals quer durch die Schweiz und erzähle ihnen, was ich über das Land weiss. Wenn ich auf eine Frage keine Antwort habe, dann recherchieren die Kunden und geben mir die Infos gleich weiter, damit ich die Recherche fortsetzen kann. So lerne ich von Tag zu Tag mehr dazu.»

«Meine ganze Geschichte liegt in meinem Heimatland»

Seine Vision sei es, mit einem Mini-Bus den Schweizer Tourismus auf ein neues Level zu bringen. «Mit dem Bus möchte ich zu meinen Lieblingsspots reisen und somit dem Massentourismus entkommen.» Mateusz findet, man müsse den Kontakt zwischen Stadt und Land mehr fördern und deshalb unbedingt auch unbekanntere Orte der Schweiz besuchen.

Ab und an denke er an eine Rückkehr nach Polen. «Meine ganze Geschichte ist in meinem Heimatland. Ich würde gerne mal wieder näher bei der Familie sein und meine Freunde treffen.» Trotzdem, Mateusz fühlt sich wohl in der Schweiz und wünscht sich, dass die Menschen hier ihr Land noch besser entdecken.

Als Mateusz Paulo von «Switzerländers» hörte, überlegte er nicht lange. Er wollte seine Sicht auf sein Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «seine Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!


Creative Director Michael Steiner erklärt dir im Video, worum es bei «Switzerländers» geht.

Hier erklärt dir Michi Steiner kurz, wie du deinen «Switzerländers»-Beitrag filmst, damit er die besten Chancen auf einen Platz im Kinofilm hat.

«Switzerländers» ist ein Kulturprojekt der Tamedia.