«Switzerländers»

10. Juli 2019 06:47; Akt: 10.07.2019 06:47 Print

«Ich kenne all meine Kollegen in Unterwäsche»

von Noah Zygmont - Die Bühne ist ihr Zuhause. Die Theaterschauspielerin Barblin Leggio-Hänseler (54) steht seit 30 Jahren auf der Bühne. Für «Switzerländers» nimmt sie uns mit hinter die Kulissen.

Das ist Barblins «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner?
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Barblin, du nimmst uns in deinem «Switzerländers»-Beitrag mit hinter die Kulissen der Schauspielerei – weshalb?

Für mich ist es eine Momentaufnahme meiner Arbeit, die gerade bestens in meine aktuelle Lebenslage passt. Oft sind die Besucher einer Aufführung ausserdem neugierig und wollen mehr über das Geschehen hinter der Bühne herausfinden. Gerne gebe ich auf diesem Weg einen kleinen Einblick.

Wie sieht es denn hinter den Kulissen aus?

Da ich als freie Schauspielerin für einzelne Stücke arbeite, bin ich nicht in einem grossen Schauspielhaus angestellt. Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass alles immer sehr eng aufeinander ist. Die Location und auch der Mensch. Man ist teilweise monatelang miteinander unterwegs und packt überall mit an. Du schminkst dich selber, baust selbst Bühnenelemente, und auch die Garderobe teilt man sich. Ich kenne also all meine Kollegen in Unterwäsche. (lacht)

Gibt es da manchmal auch Komplikationen?

Klar gibt es manchmal in der Gruppe Leute, die keine Teamplayer sind. Mir ist es jedoch wichtig, dass man zusammenarbeitet und die gute Stimmung auch auf die Bühne trägt. Je besser das Klima hinter der Bühne, desto besser ist es auch nach aussen.

«Ich kenne all meine Kollegen in Unterwäsche»

Ist es als Freie schwieriger, die Stimmung aufrechtzuerhalten?

Es ist oft anstrengender, als wenn du einen festen Arbeitsplatz hast. Der Markt hierzulande ist relativ klein. Man kennt sich in der Szene und Tratsch spricht sich schnell herum. Wenn du zum Beispiel jemanden anzickst, kann das unter Umständen beim nächsten potenziellen Auftraggeber gegen dich verwendet werden.

Wie hart ist das Geschäft wirklich?

Du musst dich den Kunden immer neu verkaufen und kämpfst für jeden Auftrag. Wenn man bei denselben Kunden bohrt und bohrt, kommt vielleicht einmal eine Anfrage von selbst. Ansonsten bist du immer im Kampf. Oft werden auch Laien genommen, ohne Ausbildung. Die sind uns Profis natürlich ein Dorn im Auge. Ich persönlich habe jetzt bis Februar ein Arrangement, danach weiss ich noch nicht, was ich mache.

Kannst du davon leben?

Die Branche ist generell schlecht bezahlt, reich wirst du sicher nicht. Ausserdem kommt es natürlich darauf an, ob du Aufträge bekommst oder nicht. Wenn ja, dann verdient man okay. Bei circa zwölf Vorstellungen im Monat verdiene ich 3500 Franken, arbeite dann aber oft am Abend und an Wochenenden.

Hast du noch einen Nebenjob?

Ich war ursprünglich nebenbei als Kauffrau tätig, aber nur bis ich meine Kinder bekommen habe. Seit sie erwachsen sind, möchte ich nicht mehr im Büro arbeiten und fokussiere mich auf die Schauspielerei. Gerne nehme ich aber nebenher Jobs für Filme oder Fernsehen an oder unterstütze junge Studenten bei ihren Projekten.

Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?

Früher spielte ich oft im Schultheater mit und habe so eigentlich meine ersten Erfahrungen gesammelt. Danach habe ich eine dreijährige Schauspielausbildung gemacht und immer wieder Aufträge erhalten. Ich habe Freude daran, etwas vorzuspielen und in andere Rollen zu schlüpfen.

Welche Rolle gefällt dir besonders gut?

Am liebsten spiele ich Figuren, die mir eigentlich überhaupt nicht entsprechen. Da kann ich richtig die Sau rauslassen und das Ganze voll auskosten. Vor allem Comedy-Rollen gefallen mir sehr gut. Wenn das Publikum mit mir statt über mich lacht.

Lacht das Publikum immer bei einer Pointe?

Nein, ganz und gar nicht. Weil ich eben auch im kleineren Rahmen auftrete, ist das Publikum spürbarer. Manche Leute wollen das Stück dann gar nicht schauen und sind stattdessen in ihre eigenen Gesprächen vertieft oder schauen aufs Handy. Damit muss man umgehen können. Du brauchst ein dickes Fell, um auf gewisse Situationen aus dem Publikum zu reagieren.

Und wie fühlt es sich an, wenn das Publikum lacht?

Wenn die Energie von den Zuschauern auf die Bühne schwappt, packt dich die Leidenschaft. Dann hast du die Aufmerksamkeit jedes Einzelnen und kannst ihnen Emotionen entlocken, die du dir als Darsteller wünschst.

Warum machst du bei «Switzerländers» mit?

Ich bin ein neugieriger Mensch. Wenn ich Personen kennenlerne, die komplett anders sind als ich, interessiert mich das sehr. «Switzerländers» bietet mir und allen anderen die Möglichkeit, in die Facetten unseres Landes hineinzublicken, die nicht alltäglich sind. So kann ich meinen Horizont in irgendeiner Art erweitern.


Creative Director Michael Steiner erklärt dir im Video, worum es bei «Switzerländers» geht.

Hier erklärt dir Michi Steiner kurz, wie du deinen «Switzerländers»-Beitrag filmst, damit er die besten Chancen auf einen Platz im Kinofilm hat.

«Switzerländers» ist ein Kulturprojekt der Tamedia.