«Switzerländers»

25. Juni 2019 07:02; Akt: 02.07.2019 11:59 Print

«Man darf stolz sein, ein Teil dieses Landes zu sein»

von Noah Zygmont - Sylvia Michel hat sich einen Hund gekauft, um rauszukommen. Seitdem erkunden die beiden gemeinsam die Schweiz und erfreuen damit 230'000 Menschen weltweit.

Das ist Sylvias «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Wir treffen Sylvia Michel in Zermatt. Bei der Bahnstation Sunnegga. Ein traumhafter Blick aufs Matterhorn. Sylvia hat rote, schulterlange Haare, trägt eine runde Brille, ein grau-blaues Shirt und Wanderschuhe. Am Rucksack hängt das Kamerastativ.

Schäferhund Rasta sprintet an uns vorbei. Weiss wie der Schnee und flauschig wie ein Plüschbär. Sylvia dirigiert ihn auf einen Stein vor dem Matterhorn. «High five!», gibt sie den Befehl. Er hebt seine linke Pfote und schaut in die Kamera.

Rund 130’000 Menschen folgen Rasta auf Instagram. Er sei ein kleiner Star, sagt Sylvia. Bis letzten Dezember habe er noch halb so viele Abonnenten gehabt. «Dann hat der offizielle Account von Instagram ein Video von Rasta gepostet. Darauf wuchs die Zahl der Follower. Mittlerweile wird er sogar auf den Strassen erkannt.»

Sylvia geniesst den Kontakt mit Followern, die den Hund live kennen lernen wollen. Manchmal muss sie aber durchgreifen und ihn vor seinen Fans schützen. «Es ist natürlich, dass sich ein Hund wehrt und aggressiv wird, wenn er sich unwohl fühlt. Darum muss ich manchmal gut auf ihn achten.»

«Es gibt sicher Dümmeres, als das zu machen, was einem Freude bereitet»

Sylvia gefällt das Leben als Instagrammerin und Fotografin. Täglich erhält sie bis zu 100 Nachrichten, die sie nicht immer sofort beantworten kann. Sie lebt derzeit einen Traum, der eigentlich nicht so geplant war. «Ich habe irgendwann zu fotografieren begonnen und mir eigentlich alles selber beigebracht.» Ab und an komme Feedback von Aussenstehenden, von Profis: «Dann nimmt man die Kritik auf und versucht, diese gleich umzusetzen.»

Ihre Follower wollen mitgenommen werden in ein Leben, das sie selber nicht so führen würden. «Gerade geht ein Video von Rasta viral und zählt allein auf Facebook 13 Millionen Klicks. Das habe ich vor drei Wochen hochgeladen.» Der Inhalt an sich sei nicht wirklich spektakulär, aber die Leute würden auch gern über eine Wiese laufen, wie es Rasta im Video mache. «Wir zaubern den Leuten ein Lächeln ins Gesicht und machen Menschen so glücklich. Es ist schön, wenn man manche davon auch mal persönlich trifft, nicht nur virtuell.» Überhaupt findet Sylvia: «Es gibt sicher Dümmeres, als das zu machen, was einem Freude bereitet.»


Dreh dein Video und zeigs uns! Mehr Infos zum Projekt sowie Details dazu, wie du mitmachen kannst, erfährst du auf switzerlanders.20min.ch

Freude bereitet ihr auch die Fotografie an sich. Ihre Haupteinnahmequelle sind Hochzeitsbilder und Aufträge von diversen Tourismusregionen: «Mir ist es in erster Linie wichtig, dass ich meine Rechnungen bezahlen kann und Freude an der Arbeit habe.» Als Fotografin müsse man Aufmerksamkeit erregen, damit über einen gesprochen werde. «Das bringt mir Aufträge. Trotzdem muss auch die Qualität stimmen. Reichweite allein reicht nicht aus. Inhalte generierst du von allein, aber wenn du keine Authentizität hast, schaut sie niemand an.»

Am liebsten ist Sylvia dennoch mit Rasta unterwegs. «Ihn habe ich mir zugelegt, damit er mich aus dem Büro holt und wir die Schweiz zusammen entdecken können.» Nun sind sie seit knapp zwei Jahren intensiv in ihrer Heimat unterwegs. Sie wolle versteckte Orte finden und ihre Anhängerschaft daran teilhaben lassen. Damit habe sie ihren Seelenfrieden gefunden.

«Meine richtige Heimat sind die Berge»

Für Sylvia kann Erfolg auf zwei Arten definiert werden: «Erfolg in der Zufriedenheit? 200 Prozent! Erfolg bei der Arbeit? Durchaus!» Schliesslich sei es nicht das Ziel, dass sie vom Influencer-Job allein leben könne. «Wenn wir das noch stärker machen würden, könnten wir sicherlich noch mehr Geld damit verdienen.» Sylvia wählt aber ihre Kunden gezielt aus und nimmt nicht jedes Angebot für eine Kooperation an. «Aber wenn jetzt Rastas Hundefutteranbieter mit uns arbeiten möchten, sage ich natürlich nicht nein.»

Sylvia und Rasta möchten die ganze Schweiz kennen lernen. Es gibt sehr viele Orte, die sie noch nicht kennen. «Ich bin gern an meinen Lieblingsorten, entdecke aber auch gern Neues.» Die Schweiz gebe ihr Sicherheit, und dafür sei sie dankbar. Ihre Heimat lasse sie so leben, wie sie es möchte. «Man darf stolz sein, ein Teil dieses Landes zu sein. Das sollten wir noch mehr zeigen.» In näherer Zukunft plant Sylvia einen Umzug in die Berge. Bislang ist sie in Winterthur zu Hause, doch in Städten fühlt sie sich nicht unbedingt wohl: «Hier habe ich 15 Jahre lang Radio gemacht und bin ich gross geworden, aber meine richtige Heimat sind die Berge.»

Als Sylvia Michel von «Switzerländers» hörte, überlegte sie nicht lange. Sie wollte ihre Sicht auf ihr Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «ihre Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!


Creative Director Michael Steiner erklärt dir im Video, worum es bei «Switzerländers» geht.

Hier erklärt dir Michi Steiner kurz, wie du deinen «Switzerländers»-Beitrag filmst, damit er die besten Chancen auf einen Platz im Kinofilm hat.

«Switzerländers» ist ein Kulturprojekt der Tamedia.