«Switzerländers»

15. Juni 2019 08:15; Akt: 26.06.2019 08:42 Print

«Unser Whisky hat schon Preise gewonnen»

von Noah Zygmont / Julia Panknin - Manuela Schwab lebt und arbeitet im 800-Seelen-Dorf Oberwil bei Büren. «Ihre Schweiz» erlebt sie am intensivsten in der eigenen Schnapsbrennerei.

Das ist Manuelas «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)
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Umringt von Wald und Hügeln liegt Oberwil bei Büren irgendwo zwischen Solothurn und Biel. Die kleine Gemeinde zählt etwas mehr als 800 Einwohner. Dazu gehört Manuela Schwab. Die 30-Jährige ist hier aufgewachsen, später weggezogen und dann doch wieder zurückgekommen. «Es zog mich einfach immer wieder nach Hause. Selbst wenn ich auf Reisen war», sagt sie schulternzuckend. Ihr Heimatdorf sei wie eine grosse Familie: Jeder kenne jeden. Deshalb gebe es auch beruflich viele Kooperationen mit lokalen Geschäften. Manuela arbeitet im Familienbetrieb, einer Schnapsbrennerei, die dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Als Mitglied der vierten Generation habe sie ihren Traum sozusagen in die Wiege gelegt bekommen. Für sie sei «ihre Schweiz» deshalb vor allem mit Familie und Tradition verbunden.

Wenn man den Laden der Schwabs betritt, schlägt einem ein intensiver Geruch entgegen. Im Eingangsbereich fallen uns jede Menge Flaschen auf. Manuela folgt unserem Blick und lacht: «Die wären eigentlich zum Abholen bereit. Manchmal finden die Kunden uns aber nicht sofort, deshalb sammeln sich die hier etwas an.» Trotz der Lage scheint das Geschäft gut zu laufen. Die Tür öffnet sich während unseres Besuchs häufig, woraufhin der neugierige Familienhund jedes Mal an uns vorbeiläuft, so, als wollte er jeden neuen Besucher persönlich begrüssen.

«Liebhaber bringen uns ihre Früchte vorbei

Die Brennerei schliesst direkt ans Geschäft an, mit vier Kupfer-Destillieranlagen fällt sie eher klein aus. Vielleicht ist genau das jedoch das Erfolgsgeheimnis des Betriebs. Hier wird offensichtlich noch in Handarbeit und mit viel Liebe statt anonym und für die Masse produziert. Das Geschäftsmodell: «Liebhaber bringen uns ihre Früchte vorbei und wir produzieren für sie dann in weniger als zwei Stunden ihren eigenen Schnaps.» Für die Kunden sei es ein besonderes Trinkerlebnis, wenn es sich um ihr eigenes Obst handle, sagt Manuela. Auch, weil man sogar dabei zusehen könne, wie der Hochprozentige entstehe. Auf Wunsch stellt die Familie auch Whisky, Gin oder Liköre her. Erst kürzlich habe die Brennerei sogar einen nationalen Whisky-Preis gewonnen, erzählt Manuela stolz: «Unser Whisky wurde von Fachexperten bewertet, die offenbar Gefallen an ihm fanden. Das ist natürlich ein riesiges Kompliment.»


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Bis in fünf Jahren will Manuela die Brennerei von ihrem Vater übernehmen: «Ich bin schon jetzt von A bis Z ins Geschäft involviert, also vom Destillieren bis hin zur Buchhaltung.» 6-Tage-Wochen seien da völlig normal. Angestellte, die nicht zur Familie gehören, gibt es nicht. Das sei eine bewusste Entscheidung gewesen, so Manuela. Auf diese Weise sei sowohl die Leidenschaft für die Arbeit als auch die Weiterführung der Tradition gewährleistet. Ihr Freund, eigentlich Pilot, unterstütze sie und ihre Familie glücklicherweise tatkräftig. «Er steht manchmal mit mir um 5 Uhr auf und hilft in seiner Freizeit auch sonst, wo er kann.» Sie hofft, dass er irgendwann Teilzeit einsteigt. In einem Familienbetrieb zu arbeiten, habe Vorteile, sagt Manuela: «Ich finde es total schön, dass ich bei der Arbeit komplett ich selbst sein und auch neue Ideen einfach umsetzen kann.» Das habe ihr in ihrer Zeit als Angestellte in anderen Unternehmen gefehlt.

Für die Zukunft hat Manuela auch eigene Pläne: «Mein Urgrossvater hat die Brennerei seinerzeit als Störbrennerei gegründet. Das heisst: Er ging von Dorf zu Dorf und brannte den Schnaps gleich vor Ort. Im Moment sehe ich mich nach einer baugleichen Brennerei um, damit wir diese ausstellen können und die Tradition so nicht in Vergessenheit gerät.» Die Alkoholbranche sei im Umbruch, sagt sie nachdenklich, weshalb man immer neue Ideen haben und neue Wege einschlagen müsse, um sich einem breiteren Publikum präsentieren zu können.

«Ich frage mich oft, was aus uns würde, falls die Alkoholsteuer noch höher werden sollte.

Die politischen Rahmenbedingungen machen ihr ein wenig Sorgen: «Ich frage mich oft, was aus uns würde, falls die Alkoholsteuer noch höher werden sollte. Oder wenn wir irgendwann solch schreckliche Etiketten wie bei den Zigaretten aufkleben müssten.» Trotzdem versuche sie, positiv in die Zukunft zu blicken. Ihr grösster Traum ist es, die Tradition weiterzuführen und das Geschäft dann irgendwann an ihren eigenen Nachwuchs zu übergeben: «Falls wir mal Kinder haben sollten, wäre es wirklich schön, wenn auch sie Interesse an der Brennerei hätten.»

Als Manuela Schwab von «Switzerländers» hörte, überlegte sie nicht lange. Sie wollte ihre Sicht auf ihr Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «ihre Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!


Creative Director Michael Steiner erklärt dir im Video, worum es bei «Switzerländers» geht.

Hier erklärt dir Michi Steiner kurz, wie du deinen «Switzerländers»-Beitrag filmst, damit er die besten Chancen auf einen Platz im Kinofilm hat.

«Switzerländers» ist ein Kulturprojekt der Tamedia.