«Switzerländers»

12. Juni 2019 14:39; Akt: 23.06.2019 10:41 Print

«Wir müssen wieder lernen, hinzuschauen»

von Sophie Zuber / Noah Zygmont - Die Studentin Caroline Haake sieht das Glück im Alltäglichen. Als optimistische und träumerische junge Frau entdeckt sie ihre Stadt durch die Fotolinse.

Das ist Carolines «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)
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«Endlich raus aus der Bibliothek! Auf diesen Moment habe ich den ganzen Tag gewartet.» Sobald Caroline Haake die Gebäude der Universität Genf verlässt, wo sie Psychologie studiert, lädt sie ihre Batterien wieder auf und geniesst die Sonnenstrahlen. Wie jeden Tag nach Vorlesungsschluss schlägt die 24-jährige Genferin zielstrebig den Weg zu ihrem Lieblingsort ein: dem Seeufer. «Ich brauche das, um zu träumen und zu relaxen.»

Trotz ihrer sehr fröhlichen und kommunikativen Art kann sich die junge Frau am besten durch ihre Fotografie ausdrücken. Ihr Trick: durch die Strassen [MH1] schlendern, um ungewöhnliche Augenblicke in verborgenen Ecken der Stadt festzuhalten. Dabei lässt sie keine Ausrede gelten – nicht mal während der Prüfungen. «Selbst unter Stress verzichte ich nicht auf diesen Ausgleich. Ohne frische Luft für meinen Kopf kann ich mich nur schwer konzentrieren.»

Einen Augenblick, eine Wolke, ein Licht, eine Spiegelung geduldig festhalten: So definiert Caroline Glück. Ihr Smartphone erledigt den Rest. «Auch wenn die Puristen jetzt vielleicht den Kopf über mich schütteln: Ich bin mit der Qualität der Fotos sehr zufrieden. Ausserdem habe ich keine Lust, einen grossen Apparat mitzuschleppen.»


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Den Alltag verschönern ist so zum Leitmotiv der jungen Frau geworden. Sie hofft, dass der eine oder andere Post auf Instagram auch anderen guttut. «Ich habe kein besonders grosses Selbstbewusstsein. Aber ich glaube, dass ich die richtige Einstellung habe, um Emotionen rüberzubringen.»

Eher Eule als Lerche, hat sich Caroline in das Dämmerlicht verliebt, das an Sommerabenden den Jura in sanfte Farben taucht. «Sobald aber die Nacht anbricht, gehe ich schlafen», fügt sie lächelnd hinzu, denn Bars und Clubs sind nicht ihre Welt. «Ich stehe zu meiner Omaseite.»

Caroline hat ihr ganzes Leben in der Stadt von Calvin verbracht und räumt ein, dass man den Jet d’eau, die Blumenuhr und den Broken Chair vor den Vereinten Nationen auf keinen Fall verpassen darf. «Diese Orte sind natürlich ein Muss. Aber ich bin gern abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs, immer auf der Suche nach dem weniger Offensichtlichen, das meine Aufmerksamkeit ebenso verdient.»

«Es stimmt nicht, dass Genf ein Ort ohne Seele ist»

«Carolines Genf» bietet weit mehr als die glanzlose und viel zu steife Stadt, wie sie oft stereotyp beschrieben wird. «Es stimmt nicht, dass Genf ein Ort ohne Seele ist. Wir müssen nur lernen, wieder hinzuschauen. Genf ist vielseitig. Man vergisst gern, dass man in nur einer Viertelstunde auf den Feldern neben Kühen und Schafen steht. Es findet sich wirklich etwas für jeden Geschmack.»

Die Genferin war schon immer positiv eingestellt und sah das Glas stets halb voll. Jetzt, mit dem ganzen Leben vor ihr, scheint sie nichts zu ängstigen. Nur eine Sorge zeichnet sich für sie in der Zukunft ab: «Ich hoffe, dass die Mieten und Krankenkassenprämien nicht weiter steigen. Ich habe Angst, dass immer mehr Menschen arm werden. Unser Land ist wunderbar, wir leben gut hier und das darf sich nicht ändern.»

Als unser Stadtrundgang zu Ende geht, staunt Caroline, wie spät es schon ist, und verrät uns, dass sie sich die Rolle als Touristenführerin gut vorstellen könnte. «Ich habe einen Karriereplan B, falls das mit der Psychologie nicht klappt», meint sie lächelnd.

«In meiner Schweiz ist Alltägliches schön»

Mit dem Wind in den Haaren und fröhlichem Blick geht sie zur Haltestelle, von wo aus sie den Bus nach Thônex[MH2] , ihrer Heimatgemeinde, nehmen wird. «Ich habe mir heute Zeit genommen und ich wünsche mir, dass die Menschen es mir öfter gleichtun. Als Studentin verfüge ich nicht immer über die nötigen Mittel, grosse Ausflüge zu machen, aber ich finde ständig etwas, was mich beeindruckt. In meiner Schweiz ist Alltägliches schön.»

Als Caroline Haake von «Switzerländers» hörte, überlegte sie nicht lange. Sie wollte ihre Sicht auf ihr Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «ihre Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!


Creative Director Michael Steiner erklärt dir im Video, worum es bei «Switzerländers» geht.

Hier erklärt dir Michi Steiner kurz, wie du deinen «Switzerländers»-Beitrag filmst, damit er die besten Chancen auf einen Platz im Kinofilm hat.

«Switzerländers» ist ein Kulturprojekt der Tamedia.