Unfruchtbar: Selina und Fabio reden über künstliche Befruchtung

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Unfruchtbarkeit«Schwanger zu werden, hat uns 10’000 Franken gekostet»

«Ich bin mit dem Wunsch, Mami zu werden, geboren», erzählt Selina. Die 26-Jährige und ihr Mann Fabio (28) begannen vor drei Jahren mit der Familienplanung. Trotz der Endometriosen-Diagnose, die die Fruchtbarkeit bei Frauen einschränken kann, war Selina positiv eingestellt. «Es gab unzählige Momente, in denen ich dachte, ich sei schwanger. Doch kein Test war je positiv», so Selina und ihr Ehemann Fabio ergänzt: «Man sieht ältere Paare, bei denen es auf Anhieb klappt und fragt sich schon, ob etwas nicht stimmt.» Eine Untersuchung zeigte: Sowohl Selina als auch Fabio sind aus medizinischer Sicht unfruchtbar. Für beide ein Schock, aber für Selina auch eine kleine Erleichterung: «Dass wir beide das Problem sind, hat es erträglicher gemacht. Obwohl es mir für Fabio natürlich unglaublich leid tut.» Die beiden suchten Rat in einer Kinderwunschklinik und erfuhren, dass mit künstlicher Befruchtung die Chance auf eigene Kinder bestand. Für das Paar kam nur die sogenannte ICSI-Methode in Frage. Dort wird eine Eizelle mit einem einzelnen Spermium künstlich befruchtet und danach der Frau wieder eingepflanzt. «Wir hatten eine 25-prozentige-Chance, dass es klappt», erzählt Selina. «Einen Grossteil der Kosten mussten wir selber übernehmen, das waren rund 10’000 Franken.» Sie hätten das Glück gehabt, dass sie sich dies finanziell leisten konnten. «Aber es ist eine schreckliche Vorstellung, dass der Kinderwunsch abhängig sein kann davon, ob man genug Geld hat.»

Zwei Wochen nach dem Einsetzen der Eizelle wurde bei Selina ein Bluttest gemacht - und er war positiv. «Wir konnten unser Glück kaum fassen. Normalerweise rechnet man mit drei bis sechs Versuchen. Wir sind uns bewusst, was für ein Glück wir haben, dass es trotz der Umstände so schnell geklappt hat», so Selina. Heute ist die Tochter von Fabio und Selina acht Monate alt. «Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als ich sie im Maxi Cosi vom Spital heimbringen durfte!», sagt Fabio.
(Video: A. Zingg / M. Spicher)

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