Wahlumfrage

29. September 2019 14:06; Akt: 29.09.2019 20:37 Print

«Der SVP fehlen im Moment die Themen»

Die Grünen sind weiter im Umfragehoch. Laut Politologe Thomas Milic ist es bis zu einem ersten grünen Bundesrat aber ein weiter Weg.

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Zehntausende demonstrierten am Samstag in Bern für das Klima – und in der Tamedia-Wahlumfrage sind Grüne und Grünliberale kurz vor den eidgenössischen Wahlen die grossen Gewinner (siehe Grafik unten). Können die anderen Parteien der grünen Welle nichts entgegensetzen?
Es setzt sich der Trend fort, den man schon bei den kantonalen Wahlen gesehen hat. Das Thema Klimawandel lockt Jung- und Erstwähler an die Urnen. Davon profitieren die Grünen – quasi als Original – viel stärker als die SP, obwohl die beiden Parteien in der Sache eine sehr ähnliche Politik machen. Sollten die Grünen tatsächlich drei Prozentpunkte gewinnen, wäre das viel für die Schweiz. Nicht vergessen darf man jedoch, dass die Grünen und auch die Grünliberalen bei den Wahlen 2015 verloren haben. Jetzt schlägt das Pendel eben zurück.

Die Umfrage

Was ist anders als 2015?
Die Wahlen standen unter ganz anderen Vorzeichen. Es dominierten im Wahlkampf andere Themen. Die Flüchtlingskrise hat damals das politische Klima bestimmt. Davon hat die SVP profitiert, deren Wähler an die Urnen getrieben wurden. Heute steht die Klima-Debatte im Fokus. Die GLP könnte zudem davon profitieren, dass sie sich klar für das institutionelle Rahmenabkommen mit der EU ausgesprochen hat.


Thomas Milic ist Abstimmungsforscher an der Universität Zürich. (Bild: Keystone)

Wieso kommt die SVP nicht auf Touren?
Die SVP ist eine Partei, die stärker als andere Parteien von der Mobilisierung unregelmässiger Wähler lebt. Derzeit fehlen ihr aber die Themen, um jene Wähler an die Urnen zu locken: Die Zuwanderung hat abgenommen, das Rahmenabkommen ist zu kompliziert und die SVP-Energiepolitik ist als Mobilisierungsmotor nicht geeignet.

Angenommen, die Grüne Partei nähert sich der CVP an: Wird dann auch ein grüner Bundesrat ein Thema?
Die Forderung, dass grüne Interessen im Bundesrat vertreten sein müssen, käme unweigerlich aufs Tapet. Für die Zusammensetzung des Bundesrates gibt es jedoch keine feste Formel. Zählt man nun Grüne und GLP zusammen? Oder gehört letztere zur Mitte? Je nach Standpunkt kann man Argumente für unterschiedliche Zusammensetzungen der Regierung finden. Für einen ersten grünen Bundesrat wird es sehr schwierig.

Warum?
Die jetzigen Bundesratsparteien haben kein Interesse an einer grünen Vertretung. Die SP wird kaum einen Sitz abgeben. Greifen die Grünen die CVP an, müsste die Bundesversammlung Viola Amherd abwählen. Sie ist erst seit kurzer Zeit im Amt und macht ihre Arbeit dem Vernehmen nach gut. Wie schwierig es ist, die Zusammensetzung des Bundesrates zu ändern, hat man bei der SVP gesehen. Sie brauchte mehrere Anläufe, um einen zweiten Sitz zu bekommen – obwohl sie Ende der 90er-Jahre sehr stark gewachsen ist.

Eher kritisch beurteilen die Wahlberechtigten das «Wurmplakat» der SVP und die umstrittene CVP-Kampagne, die die Vertreter anderer Parteien direkt angreift. Warum?
Es überrascht nicht, dass die Wähler anderer Parteien Kampagne des politischen Gegners negativ beurteilen. Die Spitzen von CVP und SVP hat damit wohl auch damit gerechnet, dass die Kampagnen polarisieren. Man hat es aber in Kauf genommen, um nicht weiter über das Klima sprechen zu müssen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Baslerbebbi am 29.09.2019 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rahmenabkommen

    Wenn das Rahenabkommen kein Thema ist, weiss ich auch nicht. Aus meiner Sicht auf einer ähnlicher Stufe wie der Brexit. Klar ist, dass die Anderen inkl. Presse dieses Thema lieber verschweigen.

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  • Geissenpeter am 29.09.2019 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die arme SVP

    wenn das Migrationsthema aktuell ist wird die SVP von den Medien bekämpft, wenn Umweltthemen aktuell sind wird die SVP ausgelacht. Sie ist immer der Feind der Medien. Meine Stimme hat sie genau aus dem Grund!

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  • nachdenklicher Senior am 29.09.2019 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    SVP fehlen Themen? finde ich nicht

    ich finde die Themen der SVP nach wie vor sehr wichtig und aktuell. Es sind einfach nicht die Themen welche durch die Medien gepusht werden. Interessant ist doch, SVP wird oft populistisch genannt, ist jedoch die einzige Partei welche nicht auf den Klima Zug aufspringt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Luzifer am 30.09.2019 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmmm

    Aufdeckung und Orientierung der CO2 Lüge wäre ein Thema... Aber sobald man abzocken kann, tun sie's...

  • offensichtlich am 30.09.2019 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allianz

    Umweltschutz ist die Begrenzung der Zuwanderung. Aber Wirtschaft (FDP) und Sozialindustrie (SP) wollen das auf keinen Fall. Bei Grün zählen nur CO2-Abgaben, sonst nichts. Kein Wunder gilt alle gegen die SVP.

  • Peter am 30.09.2019 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Die SVP

    Da die SVP an dem Volk vorbei politisiert. Wenn eine Partei keine Themen weiss . Wo es viele Probleme gibt dann sollte solch eine Partei gar nicht existieren mehr. Und wenn man wie früher eine Hochpreisinsel wollte, aber das Volk langsam die Schnauze voll hat von solch abzockerei. Und die Partei nicht dazu stehen kann. Dann hat man versagt.

  • eine Komödie allerseits am 30.09.2019 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein Kasperlitheater, ein Drama,

    Nicht nur die Thematas, Themen. An Fakten fehlt es bei sämtlichen Grossparteien.

  • Rob de Bob am 30.09.2019 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht Wähler an die Urnen

    Die SVP wehrt sich zu Recht für unsere einmalige direkte Demokratie und das als einzige grosse Partei. Das ist für mich Thema genug. Also alle an die Urnen, vorallem die enttäuschten nicht mehr Wähler.

    • Urs am 30.09.2019 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rob de Bob

      Wer will denn die direkte Demokratie abschaffen. Ich kenne niemand. Aber die SVP sieht es natürlich überall. Weil sie eine Angstmacher Partei ist.

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