Umstrittene Kampagne

18. September 2019 11:25; Akt: 18.09.2019 11:30 Print

«Die CVP grätscht allen Parteien in die Beine»

von B. Zanni - «Unterste Schublade» und «dumm»: Die Vertreter der grossen Parteien haben kein Verständnis für die neue Wahlkampagne der CVP.

Bildstrecke im Grossformat »
«Diese Kampagne ist nicht in Ordnung. Zuerst wirbt die CVP mit dem Slogan ‹Wir halten die Schweiz zusammen› und stellt sich als Partei des Kompromisses dar. Jetzt grätscht sie allen Parteien in die Beine. Das ist unterste Schublade», empört sich FDP-Präsidentin Petra Gössi. Die CVP pfeift jetzt aus dem letzten Loch. Da ist ihr jedes Mittel recht – egal wie primitiv und dumm es ist», sagt Toni Brunner, Wahlkampfleiter der SVP im Kanton St. Gallen. Der eehemalige Vize-Präsident der Grünen, Bastien Girod, twitterte: «Dass nun die CVP andere Politiker mit verleumderischen Unterstellungen direkt angreift und Google-Sucher mit objektiv wirkender Anzeige in die Irre führt, ist ein enttäuschender Tiefschlag.» Wenige Worte für das Vorgehen der CVP hat SP-Fraktionschef Roger Nordmann: «Diese Kampagne ist von meiner Seite her keines Kommentars würdig.» Dutzende Posts unter dem Hashtag #CVPFail buhen auf Twitter die CVP seit Dienstagmorgen heftig aus. Auslöser des kollektiven CVP-Bashings ist eine Kampagne der CVP. Eine Reihe von National- und Ständeratskandidaten der grossen Parteien fühlt sich von dieser diffamiert. Googelt man deren Namen, erscheint als oberstes Suchergebnis oft die URL Kandidaten2019.ch Beim National- und Ständeratskandidaten David Roth heisst es etwa, die SP wolle die steigenden Gesundheitskosten nicht an der Wurzel packen. Die CVP hingegen habe mit der Kostenbremse eine effiziente und solidarische Lösung parat, bekräftigt die Website. «Die CVP öffnet den Giftschrank und packt das Senfgas aus. Negative Evolution – unschweizerisch – So nicht! Anstand bleibt!», polter FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Auch wenn man die die Aargauer SP-Grossrätin Lelia Hunziker googelt, ... ... stösst man rasch auf die Website der CVP-Kampagne. Auch die FDP-Kandidaten schauen auf der Website dumm aus der Wäsche. So schmückt die CVP die Ziele der FDP zur Verhinderung des finanziellen Kollapses im Gesundheitswesen mit einem «Klingt gut!», schiebt aber nach: «Doch wie will die FDP das erreichen?» Anhand von Balthasar Glättli (Nationalrat Grüne) ... ... will die CVP echte Lösungen aufzeigen. Mit Regula Rytz, Präsidentin Grüne, vergleicht die CVP ... ... ihre Positionen ebenso. Auch SVP-Kandidaten wie Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP Zürich, ... ... blieben nicht verschont. CVP-Präsident Gerhard Pfister verteidigt die Kampagne als Vergleichskampagne. «Wir wollen den Wählern ein möglichst gutes Bild unserer Partei bieten», sagt er. Dazu gehört laut Pfister, die Inhalte der anderen Parteien aufzuzeigen und diese mit denjenigen der CVP zu vergleichen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mithilfe von fremden Parteikandidaten buhlt die CVP um die Gunst der Wähler. So erscheint nach der Eingabe von Kandidatennamen aus der FDP, SP oder SVP in der Google-Suche nicht etwa deren Web- oder Parteiseite als erster Treffer, sondern eine Kampagne der CVP. Negative Reaktionen, die der Partei eine «Schmutzkampagne» vorwarfen, überschlugen sich am Dienstag im Netz.

Umfrage
Schadet sich die CVP mit der Kampagne?

Am Abend machten Vertreter der grossen Parteien ihrer Wut über das Vorgehen der CVP Luft. «Diese Kampagne ist nicht in Ordnung. Zuerst wirbt die CVP mit dem Slogan ‹Wir halten die Schweiz zusammen› und stellt sich als Partei des Kompromisses dar. Jetzt grätscht sie allen Parteien in die Beine. Das ist unterste Schublade», empört sich FDP-Präsidentin Petra Gössi.

«Die CVP pfeift jetzt aus dem letzten Loch»

Die FDP-Chefin bezeichnet die Kampagne als völlig unschweizerisch. «Sie ist zudem handwerklich erst noch schlecht gemacht und vermischt undifferenziert.» So werde zum Beispiel der Eindruck erweckt, dass der Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller geholfen hätte, das CO2-Gesetz zu verwässern, obwohl dieses bis anhin nur im Nationalrat behandelt worden sei.

Toni Brunner, Wahlkampfleiter der SVP im Kanton St. Gallen, sagt, er sei am Dienstag einige Male auf die Kampagne angesprochen worden. Diese amüsiere ihn. «Die CVP pfeift jetzt aus dem letzten Loch. Da ist ihr jedes Mittel recht – egal wie primitiv und dumm es ist.» Er könne die Partei nicht mehr ernst nehmen. Ein treuer CVP-Wähler habe ihm verraten, dass er aufgrund der Kampagne nun das erste Mal in seinem Leben SVP statt CVP wähle.

«Enttäuschender Tiefschlag»

Auch der ehemalige Vize-Präsident der Grünen, Bastien Girod, verurteilt die Kampagne. Im Wahlkampf sei bis jetzt nur die SVP mit Schlägen unter der Gürtellinie aufgefallen, twitterte er. «Dass nun die CVP andere Politiker mit verleumderischen Unterstellungen direkt angreift und Google-Sucher mit objektiv wirkender Anzeige in die Irre führt, ist ein enttäuschender Tiefschlag.»

Wenige Worte für das Vorgehen der CVP hat SP-Fraktionschef Roger Nordmann: «Diese Kampagne ist von meiner Seite her keines Kommentars würdig.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urszli am 18.09.2019 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für die Katze

    Ich bin überzeugt: Was die Parteien mit ihren teuren Wahlkämpfen, Slogans, Plakaten alles anpreisen, diese Eigenwerbung interessiert kaum einen Wähler.

    einklappen einklappen
  • M.K. am 18.09.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ziel: Bundesrat

    Laut Hochrechnungen überholen die Grünen die CVP, dadurch wird es extrem schwierig ihren Bundesratsitz zu verteidigen. Ich denke, das ist der wahre Grund hinter dem agressiveren Vorgehen dieser Partei.

    einklappen einklappen
  • Ein FDP Deserteur am 18.09.2019 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Gössi ..

    Sich zurücklehnen und schweigen brächte Ihrer Partei sicher mehr! Ihretwegen werde ich nach Jahrzehnten nicht mehr FDP wählen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Renata Spagata am 05.10.2019 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Mimosenhafte

    Petra Gössi Selber Austeilen aber mal was Einstecken Fehlanzeige !

  • Manuel Seiler am 05.10.2019 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Grosskapital Knechtin

    Petra G. Wer die SVP als Rechsradikal vorverurteilt ist für mich eine Landesverräterin Punkt !

  • caza am 03.10.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    der liebe thurnherr..

    sollte während der Zugfahrt ein bisschen auf seine Privatsphäre achten, jeder konnte ihn ins Laptop schauen und seine nicht so christliche Nachrichten lesen.

  • Pinocio am 01.10.2019 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Theme

    ia die CVP eine Partei hat 20-30 Ideen je nach lust und laune darum keine CVP wählen

  • Patriot am 29.09.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, Man muss es Sagen...

    Von diesen Parteien kommt Nix. Kein Swissness. Kein Patriotismus. Nur für die reichen Internationalen...