Nachwahl-Analyse

21. Oktober 2019 11:10; Akt: 21.10.2019 13:12 Print

83 Prozent der SVP-Wähler nerven sich über Greta

von D. Waldmeier - Laut der Tamedia-Wahlumfrage wurden die Grünen von Frauen und jüngeren Stimmbürgern überdurchschnittlich gewählt. Die SVP-Wähler blieben derweil eher zu Hause.

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Die Grünen haben bei den Nationalratswahlen vom Wochenende abgeräumt. Sie steigerten ihre Parteistärke um 6,1 Prozentpunkte und überholten mit 13,2 Prozent die CVP. Die GLP legte ebenfalls um 3,2 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent zu. Die Tamedia-Nachwahlumfrage mit 33'474 Teilnehmern zeigt nun, wie die Grünen so viele neue Sitze erobern konnten wie keine andere Partei seit der Einführung des Proporzes vor hundert Jahren.

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Demnach konnten die Grünen bei den Neuwählern stark mobilisieren, wie die Wanderungsanalyse nahelegt. 19 Prozent derjenigen, die 2015 nicht an den Wahlen teilgenommen hatten, entschieden sich mehrheitlich für Kandidierende der Grünen. Diese haben auch auf Kosten der SP gewonnen: Jeder fünfte SP-Wählende von 2015 hat sich dieses Mal für die Grünen entschieden. Das ist die grösste Wählerverschiebung zwischen den Parteien. Umgekehrt schwenkten nur 7 Prozent der Grünen-Wählenden von vor vier Jahren auf die SP um (siehe Grafik in der Bildstrecke oben). Die SP habe nur darum verloren, weil sie kein Grün im Namen habe, sagte SP-Chef Levrat am Sonntag zu den Verlusten seiner Partei. Damit müsse man leben. «Wir machen schon seit Ewigkeiten eine grüne Politik.»

Tiefe Mobilisierung bei der SVP

Die GLP verlor Wähler in erster Linie an die Grünen, konnte aber ebenfalls bei den Neuwählern punkten. Zudem gewinnt sie Wählende von der BDP, aber auch von der FDP, SP und den Grünen.

Im bürgerlichen Lager sind die Verschiebungen zwischen den Parteien vergleichsweise klein. Die Verluste der SVP sind auf eine relativ tiefere Mobilisierung der eigenen Basis zurückzuführen. Auch haben jene, die sich anders als 2015 an der Wahl beteiligt haben, die SVP weniger stark unterstützt.

Die grüne Kehrtwende von FDP-Präsidentin Petra Gössi hat laut der Umfrage nicht dazu geführt, dass die FDP-Wähler in Scharen zur SVP übergelaufen wären. 9 Prozent der FDP-Wähler von 2015 entschieden sich für die SVP, während 4 Prozent der SVP-Wähler ins Lager des Freisinns wanderten. Netto gleichen sich die Gewinne und Verluste ungefähr aus, da die SVP mehr Wähler hat.

Die Umfrage zeigt weiter, dass die Grünen gerade bei Frauen und Akademikern hoch im Kurs sind: 16 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Uni- oder Fachhochschulabsolventen wählten mehrheitlich Grün. Bei den Männern und Personen mit einer Berufslehre waren es dagegen nur je 10 Prozent. Die Grüne Partei verfügt zudem über eine sehr junge Wählerschaft: 17 Prozent der 18- bis 34-Jährigen entschieden sich für sie. Ihr Wähleranteil sinkt mit zunehmendem Alter. Umgekehrt ist es bei FDP und SVP, die von Jüngeren unterdurchschnittlich gewählt wurden.

Greta ist SVP-Wählern ein Dorn im Auge

45 Prozent wählten die Grünen vor allem aus dem Grund, weil sie Lösungen für drängende Probleme hätten. Das ist der höchste Wert von allen Parteien. Bei Grünen- und GLP-Anhängern ist die Sorge ums Klima virulent: 94 beziehungsweise 89 Prozent sehen im Klimawandel und der Umweltzerstörung ein drängendes Problem. Bei dieser Gruppe ist es mit Abstand das Topproblem. Entsprechend positiv sind sie auch gegenüber der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg eingestellt. 65 Prozent finden sie super. Schon merklich kühler sind die GLP-Wähler: Nur noch 38 Prozent finden sie super. Laut Politologe Thomas Milic hat am Wochenende auch ein «Greta-Effekt» gespielt: Greta und die Klimastreiks hätten die Wähler aufgerüttelt.»

Anders sieht es bei den SVP-Anhängern aus: Nur 3 Prozent finden sie super, 10 Prozent sind immerhin vom Engagement beeindruckt, obwohl sie Gretas Meinung nicht teilen. 83 Prozent ärgern sich über Greta als Person oder über die häufige Berichterstattung über sie.

Kurz nach der Wahl ging die Diskussion um eine grüne Vertretung im Bundesrat los. In der Bevölkerung gibt es dafür derzeit jedoch keine Mehrheit: 40 Prozent sagen, die Zeit sei reif dafür, 51 Prozent sind gegenteiliger Meinung. 9 Prozent taten keine Meinung kund.


Die Umfrage

33'474 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 17. bis 20. Oktober online an der der Tamedia-Wahlumfrage zu den eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober 2019 teilgenommen. Die Tamedia-Wahlumfragen werden in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei plusminius einem Prozentpunkt. Weitere lnformationen zu den Tamedia-Umfragen gibts hier.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal Brun am 21.10.2019 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    Lassen wir uns überraschen, was die Grünen so bringen. Wenn sie nichts hinkriegen wird sich das in den nächsten Wahlen wieder umkehren.

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  • Einzelkämpfer am 21.10.2019 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na Gut.....

    Okay,als Echter Demokrat akzeptiert man schliesslich den Wahlausgang,auch wenn dieser nicht dem eigenen Gusto entspricht- nun sind die Wahlsieger in der Pflicht zu zeigen,was sie aus ihrem Sieg daraus machen.

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  • L T am 21.10.2019 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Resultate sind zu akzeptieren

    Die Resultate sind ohne wenn und aber zu akzeptieren. Es wird sich in 4 Jahren zeigen, ob die grüne Welle bestand halten wird. Der SVP würde ich raten sich von der wischi waschi Partei FDP zu distanzieren, denn diese sind der SVP zu viel in den Rücken gefallen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Boris am 22.10.2019 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Auch sehr viele andere tuns!

    Nicht nur SVP- Wähler nerven sich über Greta!

  • Ella Müller am 22.10.2019 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur SVP

    Auch Nicht-SVP-Wähler nerven sich über Greta Thunberg.

  • Lanz am 22.10.2019 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so dramatisch

    Mindestens soviel Prozentpunkte nerven sich an der SVP Politik. Was solls.

  • Pausenbrot am 22.10.2019 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Parteiausschluss

    Und die andere 17% werden nun von der Partei ausgeschlossen.

  • Greg am 22.10.2019 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    100 prozent von mir ärgern sich über svp wähler

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