Wahlen 2019

15. September 2019 16:55; Akt: 16.09.2019 08:12 Print

Impfen, Kiffen, Elternzeit – so ticken die Parteien

Wie denken die Parteivertreter über heisse gesellschaftliche Fragen wie das Impfen oder die Elternzeit? Eine Analyse zeigt es.

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In Deutschland müssen Kita- und Schulkinder ab März 2020 eine Masernimpfung vorweisen – ansonsten drohen den Eltern Bussen von bis zu 2500 Euro. In der Schweiz nehmen derweil erste Kitas nur noch geimpfte Kinder auf, nachdem der Bund im laufenden Jahr bereits über 200 Masernfälle gezählt hat.

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Eine generelle Impfpflicht ist hierzulande aber umstritten, wie eine exklusive Auswertung der Politikplattform Vimentis für 20 Minuten zeigt. Diese hat die Antworten von 2750 Nationalratskandidaten zu diversen politischen Streitfragen untersucht.

CVP-Kandidaten sind Impfturbos

Den Resultaten zufolge fühlen sich Impfgegner bei der CVP kaum zuhause: 70 Prozent ihrer Kandidaten sind sicher oder eher für eine Impfpflicht im Kindergartenalter – auch wenn prominente Köpfe wie die Nationalräte Martin Candinas oder Leo Müller dagegen sind. Mit knappen Mehrheiten sind auch die Kandidierenden von GLP und SP für das obligatorische Impfen. Geringer ist die Unterstützung in den Reihen von SVP, Grünen oder FDP.

«Liberal, ausser man gefährdet andere Menschen»

Elisabeth Schneider-Schneiter, Nationalrätin und CVP-Präsidiumsmitglied, spricht sich eher für die Impfpflicht aus. Dass ihre Partei Sympathien für das Anliegen hat, erklärt sie mit der «Volksgesundheit»: «Krankheiten wie die Masern schienen dank der Impfungen ausgerottet. Da man die Krankheiten nicht mehr kennt, werden die Leute mit dem freiwilligen Impfen aber nachlässig.» Das zeigten die jüngsten Masernausbrüche. «Diese Entwicklung bereitet mir Sorgen, zumal sich Krankheiten aufgrund der Mobilität der Leute schneller verbreiten.»

Eine Impfpflicht ab dem Kindergartenalter könne Tote verhindern: «Man stelle sich vor, die Krankheiten verbreiteten sich flächendeckend. Ich bin grundsätzlich liberal, aber nicht, wenn man andere gefährdet.» Dafür nehme sie in Kauf, dass Impfgegner sie vom Wahlzettel streichen würden.

«Heikel, Eltern zu zwingen»

Auch wenn sich eine Mehrheit der FDP-Kandidaten gegen die Impfpflicht stelle, nehme man das Thema nicht auf die leichte Schulter, sagt FDP-Fraktionschef Beat Walti. «Wir lehnen einfach eine hoheitliche Anordnung ab. Es ist heikel, wenn man Eltern dazu zwingt, ihr Kind zu impfen.» Es sei an der Schulmedizin,
aufzuklären und zu zeigen, dass Impfungen Sinn machten. Greife der Staat bei solchen Fragen ein, müsste er dies bei vielen Dingen tun, so Walti: «Eltern entscheiden in der Erziehung vieles, was die Entwicklung und auch die Gesundheit des Kindes massiv beeinflussen kann.»

Das Thema Impfzwang habe zwei Aspekte, so Politologe Michael Hermann: die Haltung zum Impfen und die Haltung zu staatlichem Zwang. «Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Mehrheit der SVP- und der Grünen-Kandidierenden dagegen sind», sagt er. «Sie vertreten eine konservative und eine homöopathische Impfskepsis.» Für die FDP-Kandidaten dürfte dagegen die Ablehnung von Zwang ein wichtiges Argument sein. Die CVP passt für den Politologen in keines der beiden Lager. «Dass so viele ihrer Kandidaten für den Impfzwang sind, erstaunt mich aber.»



Diese Gesellschaftpolitik machen die Parteien

Laut Politologe Hermann spielen bei diesen Wahlen gesellschaftspolitische Fragen eine grössere Rolle als auch schon: «Themen wie Gender, Homo-Ehe oder Drogenpolitik sind sehr präsent in der Öffentlichkeit.» So positionieren sich die Parteien.

12 Wochen Elternzeit zusätzlich

Das Parlament hat letzte Woche 14 Tagen Vaterschaftsurlaub zugestimmt. Ob das reicht, ist eine Frage von links und rechts: Fast alle SP- oder Grünen-Kandidaten sprechen sich für eine 12-wöchige Elternzeit aus – zusätzlich zu den 14 Wochen Mutterschaftsurlaub von heute. Während noch 58 Prozent der CVP-Wähler für einen Ausbau des Sozialstaates sind, findet das Anliegen bei den FDP- und SVP-Kandidaten keine Mehrheit: Nur 28 respektive 10 Prozent sind dafür.

Legales Kiffen ab 18

Wer für eine Cannabis-Liberalisierung ist, fährt mit den Listen von SP, Grünen und GLP am besten: Über 90 Prozent ihrer Kandidierenden sprechen sich dafür aus, dass der Cannabis-Konsum ab 18 legalisiert wird. Bemerkenswert ist die Entwicklung bei der FDP: 64 Prozent befürworten die Liberalisierung. Eher dafür ist etwa FDP-Fraktionschef Beat Walti. Bei den Wahlen 2015 stimmten erst 43 Prozent der freisinnigen Anwärter zu. Auf die Bremse treten CVP und SVP: Nur 42 beziehungsweise 18 Prozent befürworten eine Legalisierung.

Adoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren

Mit der EVP oder SVP ist schlecht beraten, wer gleichgeschlechtlichen Paaren mehr Rechte einräumen will: Weniger als jeder vierte Kandidat dieser Parteien will homosexuellen Paaren in eingetragener Partnerschaft das Recht einräumen, fremde Kinder zu adoptieren. 58 Prozent der CVP-Kandidaten unterstützen die Idee hingegen. Am grössten ist die Unterstützung bei den SP-Kandidierenden (97 Prozent). «Dass die Mehrheit der CVP-Kandidierenden die Adoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren unterstützen, ist in der Tat aussergewöhnlich», so Politologe Daniel Kübler. Damit müsse sich die Partei auseinandersetzen, sagt er. «Würde die Unterstützung der Adoption für gleichgeschlechtliche Paare offizielle Position der CVP, wäre das ein radikaler Kurswechsel.»

Dienstpflicht für Frauen

Sollen auch Frauen in die Armee, den Zivildienst oder den Zivilschutz? Mehrheitlich dieser Meinung sind die Nationalratskandidaten der GLP und BDP. Gespalten sind die Vertreter von SVP, FDP und CVP. Die Anwärter von SP und Grünen lehnen die Dienstpflicht ab: 32 respektive 19 Prozent unterstützen das Anliegen

Welcher Kandidat passt zu Ihnen? Hier gehts zur Online-Wahlhilfe.

(daw/nk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vertigo am 16.09.2019 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uninteressant

    Ich lese leider nichts was die ganze Bevölkerung betrifft. Zb tiefere Mieten, kündigungsschutz ab 50, AHV Sanierung usw.

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  • Hs am 16.09.2019 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst denken, nicht denken lassen..

    Interessant, wie bei gewissen Parteien der Wind dreht, kaum geht's auf die Wahlen zu.

  • Sehnerv am 16.09.2019 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer impft die EU Turbos?

    Es gibt nur eine Partei, die das Rahmenabkommen ablehnt. Diese Partei werde ich wählen. Alle anderen von der EU eingeimpften Parteien sind für mich ein no go.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Adrian am 16.09.2019 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Warum gibts Impfkritiker?

    Herdenschutz gibts nicht. Wären Impfungen so nützlich und die Risiken so gering wie behauptet, gäbe es die Impfgegner gar nicht. Leider sind Nebenwirkungen (Asthma, Leukämie, plötzlicher Kindstod, Allergien...) übel und der Nutzen gering bis inexistent. Was haben Glyphosatrückstände, Aluminium und früher noch Quecksilber in Impfungen zu suchen?

  • Zürcher am 16.09.2019 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Himmelgottswillen

    Haben das Impfthema ja eigentlich schon genügend durchgekaut...Es geht nicht darum, dass ihr Egoisten andere (geimpfte) Menschen ansteckt... es geht darum, dass es Menschen gibt, welche diesen Firstworld-Luxus, von wegen ich will geimpft werden oder nicht, gar nicht erst haben aber gern hätten, da ihr Kind an einer vermeidbaren Krankheit ev stirbt. Ebenfalls gibt es Menschen, welche aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. Wenn es nur um euch und eure Kinder gehen würde, kein Ding. Wieso ihr aber absichtlich andere Leute gefährdet, bleibt für mich ein Rätsel.

  • Jose C. am 16.09.2019 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen wir auf keine echte Krise.

    Passen wir auf das nicht eine Partei auf der Bildfläche entsteht die alle nicht Wähler Mobilisieren kann. Es wäre womöglich verehrend aber möglich bei den Nosens Parteien im Moment.

  • Browns am 16.09.2019 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Legalize-it ist für mich die Pflicht! Ich werde ausschliesslich Menschen wählen, die für eine Legalisierung von Cannabis sind! Die Schweiz darf nicht ewig stehen bleiben! Für die Freiheit einer Pflanze und uns Menschen! Legalize-it

  • Cervelat am 16.09.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Habe die Wahlhilfe verwendet

    Dabei ist eine maximale Übereinstimmung von unter 50% heraus gekommen. Wen soll ich nun wählen? Eine/n die/der noch nicht mal zur Hälfte meine Meinung vertritt? Nein Danke! Wenn man nicht in die EU will und die Zuwanderung beschränken möchte aus nicht rassistischen Gründen aber trotzdem gerne mal in der Freizeit einen Joint raucht und die Natur mag kann man leider keine der genannten Parteien wählen. Ich habe somit leider nur die Wahl zwischen Pest und Cholera... wie in jedem Wahljahr...