Provokationen und Peinlichkeiten

20. Oktober 2019 12:27; Akt: 21.10.2019 10:09 Print

So zofften sich die Parteien im Wahlkampf

Von Wahlwerbung auf Pornoseiten bis zu Kopfgeldern für Plakatzerstörer: So versuchten die Parteien im Wahljahr 2019, Aufmerksamkeit zu erregen.

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Der Countdown für die Wahlen am Sonntag läuft. Im Kampf um die besten Argumente fehlten die bewussten Provokationen, politische Kurswechsel und peinlichen Momente nicht. Eine Auswahl der Episoden, die in Erinnerung bleiben:

■ Diesmal war es die CVP, die mit «Negative Campaigning» für einigermassen grossen Trubel sorgte. Googelte man im September Namen von National- und Ständeratskandidaten, erschien als erstes Suchergebnis die URL Kandidaten2019.ch. Klickte man darauf, öffnete sich eine Seite der CVP, die jeweils die Argumente des gesuchten Kandidaten widerlegte. Die Partei erklärte: «Die unterschiedlichen Positionen werden pointiert, aber auf inhaltlich absolut korrekte Art und Weise abgebildet. Wir zielen damit nicht auf Personen.»

■ Der Operation Libero, die sich etwa im Kampf gegen die Durchsetzungsinitiative profilieren konnte, wollte bei den diesjährigen Wahlen durchstarten und Frauen ins Parlament verhelfen. Als die WOZ titelte: «Mit dem Einkaufswägeli in den Wahlkampf», war Feuer im Dach. Die Kritik: Der Verein habe Kandidatinnen und Kandidaten die Finanzierung von Werbung versprochen, wenn sie sich auf Positionen verpflichten. Die Liberos wehrten sich und erklärten, man habe mit einem Fragebogen nur herausfinden wollen, wer die Inhalte des Vereins teile.

■ Die SVP ihrerseits suchte die Provokation mit einem Wurmplakat. Darauf prangte ein zerfressener Apfel, daneben stand: «Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?» Die Thurgauer SVP hängte die Plakate nicht im Kanton auf, weil für sie Äpfel ein positives Bild seien. Von Vertretern der GLP hiess es, die Abbildung spiele deutlich mit nationalsozialistischen Sujets. Die SVP hielt dagegen, die Schweiz werde tatsächlich ausgehöhlt.

■ Aus Blau wurde Grün, fanden zumindest die Kritiker des FDP-Kurswechsels im Wahljahr. Im Frühling hatte sich der Freisinn nämlich dafür ausgesprochen, etwa eine Flugticketabgabe zu unterstützen. Auf die Frage von 20 Minuten, wie grün die FDP wirklich sei, sagt Parteipräsidentin Petra Gössi: «Die Antworten unserer Mitglieder waren klar. Das war eine Botschaft direkt aus dem Herzen des Freisinns.»

■ In der SRF-Satiresendung «Late Update» von Michael Elsener gab es für SP-Chef Christian Levrat wenig zu lachen. Er brach das Interview mit der Kunstfigur Frank-Walter Froschmeier ab, nachdem dieser Ronja Jansen als «Miss Juso» und «heiss» bezeichnet hatte. Die SRF-Ombudsstelle entschied diesen Donnerstag, Jansens Beschwerde zu unterstützen.

■ Ist es schon zu spät? Stefan Brupbacher von der FDP irrt sich auf seinem Wahlplakat beim Datum. Statt 2019 stand darauf «Liste 3, 20. Oktober 2018». Das Ganze war ein Tippfehler, wie die Werbeagentur sagte.

■ «LGPT-was?» Pascal Sieber, Nationalratskandidat von der Berner CVP, wusste im Venty-Interview nicht viel mit dem Begriff LQBTQ anzufangen.

■ Beim Thema Sex zeigten aber auch die Präsidenten der Jungparteien Wissenslücken. Bei den Fragen des Jugendnetzwerks Sexuelle Gesundheit Schweiz fand etwa Andri Silberschmidt von den Jungfreisinnigen, beim Modell einer Klitoris handle es sich um ein Sextoy.

■ Die 20-Minuten-Videointerviews mit den sieben Parteipräsidenten brachte auch interessante Details zutage. Befragt zu seinen Jugendsünden, meint Gerhard Pfister, Präsident der CVP: «Ich habe auch schon in einem Laden etwas gestohlen.»

Auch Daniel Jositsch musste sich 20 Minuten stellen. Diesmal aber mit versteckter Kamera.

■ SVP-Nationalrat Andreas Glarner musste Erfahrungen mit Vandalismus machen. Er setzte deshalb ein Kopfgeld auf Teenager aus, die sich an einem SVP-Plakat zu schaffen machten. Auf Facebook veröffentlichte er ein unzensiertes Bild und suchte nach Hinweisen: «Für die Ergreifung der Täter setze ich eine Belohnung von 1000 Franken aus.»

■ Auch ein Geheimplan durfte im Wahlkampf nicht fehlen: Im Fall eines Linksrutschs im Parlament am Sonntag planten die Grünen und GLP eine gemeinsame Bundesratskandidatur, schrieb die «SonntagsZeitung». «Wenn die Wahlen so herauskommen, wie es sich abzeichnet, müssen wir über die Zauberformel diskutieren», so GLP-Präsident Jürg Grossen. Im Visier steht der FDP-Sitz von Ignazio Cassis.

(tha)

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