Kapitalistische Verschwörung

30. August 2019 09:20; Akt: 06.09.2019 07:33 Print

SP plant Umsturz in Wahlvideo

Nach der SVP lanciert auch die SP ein Wahlkampf-Video. SP-Mitglieder lehnen sich darin gegen das kapitalistische System auf.

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Im neuen SP-Wahlvideo «Day of Decision» verschwören sich einige Konzernchefs zur Durchsetzung ihrer Interessen: «Wir haben lange genug gewartet, meine Freunde in der Politik werden das durchbringen», sagt ein Boss. Der Waffenhandel soll begünstigt werden, Umweltschutz-Anliegen sollen hingegen ignoriert werden. Prompt werden ihre Wünsche von der Schweizer Politik umgesetzt.

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Es wird einer kleinen, reichen Elite möglich, die Welt zu lenken, und damit die Bedürfnisse der übrigen Gesellschaft zu untergraben. Gegen diesen im Film als «perverses System» bezeichneten Zustand wehrt sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln eine kleine, anarchisch organisierte Opposition – die SP-Fraktion.


«Eine Welle, die unsere Gesellschaft verschlingt»

Nationalrat Fabian Molina – quasi als Che Guevara – nimmt darin eine der Hauptrollen ein, an der Seite anderer Nationalräte wie Mattea Meyer, Nadine Masshardt, Cédric Wermuth und Beat Jans. Sie alle versuchen, als Solo-Kämpfer den kapitalistischen Verschwörern letztmöglichen Widerstand zu leisten. Denn, so heisst es im Film: «Es ist wie eine riesige Welle, die versucht, unsere Gesellschaft zu verschlingen.»

«Wir wollen mit dem Video zeigen, in welche Richtung sich die Schweiz weiterentwickeln könnte, wenn nichts dagegen unternommen wird – natürlich in überspitzter Weise mit einem Augenzwinkern», sagt Molina. Verschwörungstheorien sieht er keine bedient. Schliesslich sei in der Vergangenheit zum Beispiel bei der Kampfjetbeschaffung durch Konzerne durchaus Einfluss auf politische Entscheidungsträger genommen worden.


Nach der SVP dreht die SP nun einen Thriller

Die Darstellungen im Film hält Molina im Rahmen von Wahlkampfwerbung für angemessen. «Ich finde auch in diesem Kontext legitim, dass man das, woran man glaubt, verständlich darstellt.» Dass die Filminhalte jedoch ohne Veränderung eine mögliche Zukunft abbilden könnten, daran zweifelt Molina nicht.

Das Video wurde vom Regisseur Johannes Bachmann produziert. Dank Freiwilligenarbeit aus Partei- und Freundeskreisen habe es insgesamt nur 7000 Franken gekostet, erklärt Molina.

Wahlwerbung in der Form eines Politthrillers liegt im Trend: Auch der Trailer zum kürzlich angekündigten SVP-Wahlvideo kommt selbstironisch als Kombination aus Mafia- und Politthriller daher. Molina sagt dazu: «Es ist nicht so, dass uns nichts Besseres eingefallen ist. Die Idee kam uns bereits diesen Frühling. Da wussten wir noch nichts vom Video der SVP.»


«SP-Kandidaten kommunizieren traditionelle linke Werte»

Laut Louis Perron, Politberater mit Kunden im In- und Ausland, sind solche Wahlvideos beliebt, weil Digitales ganz allgemein im Trend liege. Sie dienten der «Mobilisierung der eigenen Unterstützer, die solche Videos weiterleiten, liken und so selbst aktiviert werden».

Sinnlos seien solche Videos auch bei abwegiger thematischer Verpackung nicht, solange sie gut gemacht sind, erklärt Perron. So auch das SP-Video: «Hier wird eine klare inhaltliche Botschaft kommuniziert, mit etwas Humor und Showeffekten verpackt.» Die SP-Kandidaten kommunizierten darin traditionelle linke Werte auf moderne Art und Weise. «Und diese kann man entweder teilen oder eben auch nicht.»

(ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dosty am 30.08.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Vor dem eigenen Haus kehren

    Ihr seid selbst die kapitalistische Elite. Schaut mal euer Jahressalär an!

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  • Alain Michel am 30.08.2019 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    Die Durchschnittsgehälter im öffentlichen Sektor sind höher als im privaten (Quelle: BFS).

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  • Alan am 30.08.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Einfluss auf politische Entscheidungsträger

    thematisiert der Film auch den versuchten Stimmenkauf von Operation Libero und das politische Gemauschel rund um die "Energiewende"? Oder gehören diese zu den traditionellen linken Werten?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 31.08.2019 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trotzdem alle unwählbar

    Keine Partei setzt sich für den durchschnittlichen Büetzer ein. Rechte Parteien unterstützen die Reichen, und Linken die Fremden. Scheint als würden in einer Demokratie immer nur Minderheiten gefördert. Schade.

  • Daniel am 31.08.2019 22:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso versucht?

    Sie haben es getan. Und das ist nur was bekannt ist, ich vermute wir wissen nur von der Spitze des Eisbergs

  • Tell Sohn am 31.08.2019 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wahl

    keine SP,Grüne,CVP,GLP wählen. die schweiz geht zu Grunde mit diesen Parteien.

    • Tine am 31.08.2019 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tell Sohn

      In Deutschland haben sie es schon gemerkt,die sind schon weiter.

    • Lilith am 31.08.2019 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tine

      Stimmt. In Deutschland erleben die Grünen einen Höhenflug. Wer weiss, vielleicht kommt der nächste Kanzler aus deren Reihen.

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  • Stavi am 31.08.2019 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    100% klar und durchsichtig

    Wenn man die Interessenbindungen der Kandidaten durchliest fällt auf, dass die Firma der Geschwister, des Ehepartners oder der Eltern komischerweise NICHT erwähnt wird. Warum eigentlich nicht? Ich wähle doch nicht jemanden wenn ich weiss, welche Interessen die Familie hat. GOOGLE weiss einiges über die Kandidaten.

    • Xeno72 am 31.08.2019 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      zu Recht nicht@Stavi

      Es geht sicher nicht an Interessenbindungen von Verwandten zu veröffentlichen. Die sind ja nicht gewählt. Es gibt keine Sippenhaftung.

    • Sue 42 am 31.08.2019 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Xeno72

      Nein, aber Sippenerkenntnis und die ähneln sich alle, also kann man sich besser ein Bild machen

    • Stavi am 31.08.2019 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Xeno72

      Es gab ja auch keinen Fall Kopp. Wenn ich ein Gesetz beeinflussen kann, das meine Frau reich macht, dann... . Aber die Wähler wissen nicht, dass meine Frau eine Firma hat.

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  • Pol am 31.08.2019 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    EU why not

    Während ich mir diese Kommentare zu Gemüte führe, wandelt sich meine Meinung zu einem pro EU. Stellt Euch einmal einfach nur Mal vor, wir wären Mitglied der EU. Da wäre in dieser ewigen Diskussion endlich die Luft raus, und wir könnten uns endlich um die Umwelt kümmern. Oder Anderes schlaueres.

    • Fight4Freedom am 31.08.2019 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pol

      Wer nicht sieht, dass die EU von einer Krise in die nächste stürzt, der muss taub und blind und politisch völlig verblendet sein. Einem solchen überschuldeten Verein beitreten zu wollen braucht eine grosse Portion an Ignoranz gegenüber der Realität,

    • Marssohn am 31.08.2019 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fight4Freedom

      Ach was! Die EU stürzt nicht von einer Krise in die nächste sondern sie meistert eine Krise nach der anderen. Dazu sind sich sehr viele Schweizer zu fein dazu. Wir haben (nein, hatten!) einen bequemen Logenplatz in der Weltpolitik. Probleme sollen die anderen lösen.

    • Pol am 31.08.2019 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      &Fight4Freedom

      Das gesamte menschliche Tun stürzt von einer Krise zur Nächsten weltweit, bin da nicht so Regional fokussiert. Sie nennen das Ignorant. Fair enough. Und es gibt noch andere Dinge als Geld. Geld ist nur ein Werkzeug. Supermultifunktional sicher, aber essen und trinken kann man es nicht.

    • jasmin am 31.08.2019 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pol

      Das wäre der Untergang der Schweiz nein danke. Aber das gute ist sie können zu jederzeit gehen.

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