Wahlsonntag

20. Oktober 2019 08:49; Akt: 21.10.2019 01:19 Print

Schwappt die grüne Welle über die Schweiz?

von D. Waldmeier - Laut Umfragen sind die Ökoparteien im Aufwind. 20 Minuten zeigt am Wahlsonntag die Ausgangslage von den Grünen bis zur SVP.

Wir wollten von Passanten wissen, ob und wen sie gewählt haben. (Video: 20 MInuten).
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Wahltag ist Zahltag: Nachdem die Parteien Millionen in ihre Wahlkampagnen steckten, zeigt sich am Sonntag, wer die eigenen Anhänger am besten mobilisieren konnte.

Nach dem Rechtsrutsch vor vier Jahren erwarten manche Beobachter einen Linksrutsch. Mit Blick auf die letzten kantonalen Wahlen und die Umfragen im Vorfeld könnte die Stunde der Ökoparteien schlagen. Fraglich ist, ob die SVP das Rekordergebnis von 2015 halten kann. Die Ausgangslage im Detail:

FDP

Die FDP ritt nach den Wahlen von 2015, wo sie 1,3 Prozentpunkte zulegte, auf der Erfolgswelle. In den Kantonsparlamenten gewann sie vor allem in der Westschweiz zahlreiche Sitze hinzu. In diesem Jahr nahm der Höhenflug der FDP allerdings ein jähes Ende. In den Kantonen Zürich oder Luzern verlor sie Sitze. Und seit FDP-Chefin Petra Gössi die grüne Wende eingeläutet hat – die Freisinnigen unterstützen jetzt etwa eine Flugticker-Abgabe – zeigt der Trend auch in den Umfragen nach unten. In der letzten Tamedia-Umfrage bleibt der Freisinn bei 15,6 Prozent stehen (-0,8).
Tendenz: Stabil

Grüne

Hitzesommer, Amazonas-Brände, Klimastreik: Die thematische Grosswetterlage spielt den Grünen in die Karten. 2015 zählten die Grünen zu den Wahlverlierern, als sie auf 7,1 Prozent absackten. Jetzt könnten sie die verlorenen Wähleranteile mehr als zurückholen. Dafür sprechen die beachtlichen Sitzgewinne in den kantonalen Wahlen, wo die Grünen seit 2015 über 40 Mandate gewinnen konnten. Auch die letzte Tamedia-Umfrage nährt die grünen Hoffnungen: Die Partei von Präsidentin Regula Rytz erreichte 10,2 Prozent, das wären 3,1 Prozentpunkte mehr als bei den Wahlen 2015.
Tendenz: Gewinnt Wähler


Wird die Wahl zur Klimawahl? (Bild: Keystone)

GLP

Wie die Grünen reiten die Grünliberalen auf der Ökowelle. Sie könnten vor allem in urbanen Gebieten punkten. So errangen sie zuletzt im Kanton Zürich 9 zusätzliche Sitze. In der jüngsten Tamedia-Umfrage kommt die GLP auf 7,2 Prozent (+2,6 gegenüber 2015).
Tendenz: Gewinnt Wähler

SVP

Die SVP hat in einigen Kantonen herbe Wahlniederlagen einstecken müssen – im laufenden Jahr etwa in den Kantonen Zürich, Basel-Landschaft und Luzern. Anders als 2015, als die Flüchtlingskrise SVP-Wähler umtrieb, konnte die Partei heuer den Wahlkampf nicht dominieren. In der Westschweiz fehlen der SVP trotz ihres Bundesrates Zugpferde. Und bei Ständeratswahlen haben SVP-Vertreter nach wie vor einen schweren Stand. In der letzten Tamedia-Umfrage kommt die SVP auf 27,9 Prozent (-1,5). Die Partei von Präsident Albert Rösti bleibt aber die klar stärkste Kraft im Land.
Tendenz: Verliert Wähler


Feier oder doch der Absturz? Bei der SVP ist die Unsicherheit gross. (Bild: Keystone)

SP

Die SP dürfte die zweitstärkste Partei bleiben. Auch sie feierte in den Kantonen einige Erfolge, obwohl die Grünen erstarkt sind, die im linken Lager der direkte Konkurrent der SP sind. Das deutet darauf hin, dass auch Wähler anderer Parteien zu den Grünen wechseln oder aber die SP ihrerseits neue Wähler mobilisieren kann. In der letzten Tamedia-Umfrage kommen die Sozialdemokraten auf 18 Prozent (-0,8).
Tendenz: Stabil

CVP

Die CVP leidet stark unter der harten Konkurrenz in der Mitte. Sie hat seit 2015 in den Kantonsparlamenten in den Stammlanden Freiburg, Wallis oder Luzern Sitze verloren. Auch die Umfragen verheissen nicht viel Gutes für die Partei von Präsident Gerhard Pfister. In der letzten Tamedia-Umfrage rund 30 Tage vor der Wahl kommt sie auf 10,4 Prozent (-1,2). Kann sich die CVP halten, wäre das bereits ein Erfolg. Das ist der Partei zuletzt 2007 geglückt. Ansonsten hat sie seit 1991, als sie noch auf 18 Prozent kam, kontinuierlich Wähleranteile verloren. Weiterhin stark dürfte die CVP im Ständerat vertreten bleiben.
Tendenz: Verliert Wähler

BDP

Seit dem Rücktritt von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf findet die Kleinpartei nicht mehr aus der Krise. Selbst in der Heimat der Alt-Bundesrätin liess die BDP bei den kantonalen Wahlen Federn. Zwar wird Präsident Martin Landolt nicht müde zu betonen, die BDP sei «gekommen, um zu bleiben». Verliert die BDP aber weiter Wähleranteile, droht ihr der Fall in die Bedeutungslosigkeit. In der letzten Tamedia-Umfrage erreicht sie noch 3,3 Prozent (-0,8).
Tendenz: Verliert Wähler

Natürlich sind Umfragen nur Momentaufnahmen, die immer mit Unsicherheiten behaftet sind. Auch gehorchen nationale Wahlen anderen Logiken als kantonale. Spätestens mit der 1. Hochrechnung um 16.00 Uhr wissen wir mehr.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ich bin's am 20.10.2019 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Öko und Grüne. Top. Wasser predigen und Wein saufen. Arme Schweiz.

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  • Peter von Allmen am 20.10.2019 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Alles bleibt wie's ist!

    Wie diese Wahlen auch ausgehen, für uns, das arbeitende Volk, ändert sich gar nichts, jedenfalls nicht in positiver Hinsicht.

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  • Pia Zil lig am 20.10.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Teuer

    Man kann nur hoffen, dass die SVP zulegt, sonst wird es sehr teuer in der Schweiz

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Iglu am 20.10.2019 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin sehr enttäuscht

    Einfach nur noch krank das Ganze. Wie blöd muss man sein? Die Gehirnwäsche wirkt nicht nur in Deutschland, auch bei uns. Ich hoffe von diesen Wählern wird dann nicht über die Kosten gejammert, dann ist es zu spät. Immerhin die GLP und nicht die radikalen Grünen. Ich hoffe dass kommt gut, sonst werde ich wirklich noch in ein Land auswandern, wo es normaldenkende Politiker und Bürger hat und günstiger ist. Bin sehr enttäuscht, respektiere aber die Ergebnisse.

    • Luzern46 am 21.10.2019 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Iglu

      bin gleicher Meinung guter Kommentar

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  • Kuesche am 20.10.2019 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Leichgläubig

    Es ist kaum zu glauben wie Leichtgläubig die Menschen geworden sind! Glauben sie den wirklich, dass eine grüne Partei der Schweiz unser weltweites Klimaproblem lösen kann, ja überhaupt etwas bemerkenwertes für eine Änderung beitragen kann? So naiv kann niemand sein! Es kostet die Schweizerinnen und Schweizer einen haufen Geld das sie immer saurer zu verdienen haben, aber bringen tut es absolut nichts! Dazu braucht es weltweite gemeinsame und gezielte Aktionen!

  • Herbert Gaum am 20.10.2019 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern

    Die Weltbank wird's freuen, die Grünen werden noch mehr Steuern erheben, welche direkt in die Weltbank fliessen - wie CO2 Steuern.

  • BSP am 20.10.2019 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grün ist konservativ, nicht links

    Die SVP war lange genug an der Macht und wird hoffentlich vom Volk abgewählt. Es ist Zeit für eine Veränderung.

  • Gladiator am 20.10.2019 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einwanderung

    Ich wähle KEINE Grüne, weil ich nicht noch mehr Leute in der kleinen Schweiz will!!!

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