Wanted: IT-Fachkräfte

12. Juli 2010 12:17; Akt: 12.07.2010 12:24 Print

«Pro Jahr fehlen 2000 Informatiker»

von Angela Brunner, Students.ch - Die IT-Branche hat mit einem Imageproblem zu kämpfen. Es mangelt an Nachwuchskräften. Nun setzt sich der Dachverband für die Schaffung von tausend neuen Lehrstellen ein.

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Informatiker erleichtern uns den Alltag, aber ihr Beruf ist wenig beliebt. 1628 Personen haben in der Schweiz letztes Jahr erfolgreich ihre Ausbildung zum Informatiker, Mediamatiker und Informatikpraktiker abgeschlossen – ein Rekordtief, wie ICTswitzerland, der Dachverband der schweizerischen Informatik- und Telekomorganisationen kürzlich mitteilte.

Schlechtes Image

Schätzungsweise 200 000 Informatiker sind in der Schweiz tätig, aber die IT-Spezialisten sind Mangelware. «Pro Jahr fehlen in der Schweiz rund 2000 Informatiker», sagt Heinz Müller von der ABB Technikerschule. Es werden fast doppelt so viele Informatiker pensioniert, als es Nachwuchskräfte gibt. «Wir haben ein Imageproblem», erklärt Müller. Dies führt er unter anderem auf die geplatzte IT-Blase zurück. Damals verloren viele ihren Job. Auch wegen dem Outsourcing-Risiko gelten IT-Arbeitsplätze als unsicher.

Zu Unrecht, wie Ruedi Noser, Präsident von ICTswitzerland erklärt. Die Jobaussichten sind nach wie vor gut. «Wir bieten heute doppelt so viele Arbeitsplätze an als vor 20 Jahren - trotz Outsourcing, standardisierten Anwendungen und Internet», sagt er. «Die Nachfrage nach Hochschulabsolventen hat sich sogar vervierfacht.» Auch für die nächsten Jahre rechnet Noser mit einer Zunahme.

«Tropfen auf den heissen Stein»

Dafür ist die Schweiz kaum gewappnet. Laut Noser, FDP-Nationalrat und IT-Unternehmer, gibt es zu wenige Informatikerlehrstellen. In den nächsten vier Jahren will er deshalb 1000 neue Lehrstellen innerhalb der IT-Firmen schaffen. Auch Fachhochschulen wie die ABB Technikerschule unterstützen die Initiative mit einer Charmeoffensive. Im Herbst sollen Lehrlinge in Aargauer Bezirksschulen Workshops durchführen, um den Schülern den Spass an der Informatik zu vermitteln. Beispielsweise lernen sie eine Webseite zu machen. Müller hält die Schaffung neuer Lehrstellen für einen positiven Schritt, aber auch für einen «Tropfen auf den heissen Stein». Vorerst werden Schweizer Unternehmen jedes Jahr weiterhin Tausende von IT-Fachleuten aus dem Ausland rekrutieren. Der Bundesrat hat dafür den Weg geebnet und die Kontingente für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten wieder erhöht.

Jetzt umschulen

Auch Schweizer Informatiker sind gesucht. Angesichts der guten Berufsaussichten empfiehlt Müller sich auf Informatik umzuschulen - falls man belastbar ist, gerne laufend Neues lernt sowie analytisch und logisch denkt. Denn in den meisten Fällen findet man die Fehlerquelle nicht, wenn man den PC aufschraubt. Informatik ist abstrakt. Damit tut sich auch die Gesellschaft schwer. Dies obwohl Software längst unseren Berufsalltag erleichtern. «Die meisten Leute nehmen IT nur bei Problemen wahr, gute Informationstechnologie wie iPhone oder Google werden kaum als IT oder die Arbeit von Informatikern erkannt», sagt Noser. Doch eine Welt ohne Informatik ist nicht nur für IT-Spezialisten undenkbar geworden. Wer will schon auf den alltäglichen Luxus verzichten, den Geldautomaten, Mikrowelle und Natel bieten?