An den Unis wirds eng

07. Oktober 2010 16:05; Akt: 07.10.2010 17:24 Print

Vorlesungssäle platzen aus allen Nähten

von Von Angela Brunner, Students.ch - Zürcher Studenten beklagen sich übers Anstehen für einen Platz im Hörsaal und in der Mensa. Wann die Universität Zürich neue Räume erschliesst, bleibt offen.

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An der Universität Zürich wird es eng für Studenten. (Bild: Geatan Bally)

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An der Universität Zürich wird der Raum knapp. Für über 26 000 Studierende
hat kürzlich das Herbstsemester begonnen. Den grössten Zuwachs erhielten die naturwissenschaftlichen Fächer und die Rechtswissenschaften. Im Vergleich zu 2003 lockt die Universität Zürich heute 3000 Studierende mehr an.

Zur Kehrseite dieser Entwicklung gehört, dass die Studenten bisweilen eine Viertelstunde anstehen müssen, um einen Platz im Hörsaal zu kriegen. Das Nachsehen haben vor allem Studienbeginner von Boom-Fächern wie Wirtschaft, Rechtswissenschaft, Psychologie und Politikwissenschaft. «Ich fühle mich verloren», sagt eine Zürcher Psychologiestudentin im ersten Semester. Sie tut sich schwer mit den übervollen Pflichtvorlesungen und dem Gerangel um einen Sitzplatz.

Häufig am Boden sitzen

Gwendolyn Marx, Präsidentin des Studierendenrats (StuRa), kann ihr nachfühlen. Sie studiert Psychologie im siebten Semester. «Das Platzproblem ist offensichtlich. Es kommt häufig vor, dass Studierende am Boden sitzen müssen.» Das sei nicht angenehm, werde aber von vielen Studierenden inzwischen hingenommen. Man organisiert sich so, dass man wenn nötig schon eine Viertelstunde früher da ist, um sich einen Sitz im Hörsaal zu sichern.

Manche Vorlesungen werden zudem gefilmt und in andere Hörsäle übertragen. Doch auch diese können schnell überfüllt sein. Für eine gute Lösung hält Marx Podcasts des Unterrichts. «Dies hat den Vorteil, dass sich jeder die Vorlesung im eigenen Tempo anschauen kann.»

Bald im beheizten Aussenzelt essen?

Der Platzmangel macht sich nicht nur in den Vorlesungssälen bemerkbar. «Viele beklagen sich, dass die Mensa bereits um 12 Uhr zu voll ist», sagt Marx. Der StuRa hat deshalb bei den zuständigen Personen einen Antrag gestellt. Nun würden mögliche Lösungen diskutiert werden, wie etwa ein beheiztes Aussenzelt oder ein Ausbau.

Die Universität ist sich der Raumnot durchaus bewusst. «Unser Ziel ist es,
den Standort Irchel längerfristig auszubauen», sagt Beat Müller, Sprecher der Uni Zürich. Wann der Bau beginnen soll, ist noch unklar, da dieser Entscheid dem Kanton obliegt. Als Übergangslösung dienen zwei Unigebäude in Oerlikon. Ein drittes mit Unterrichtsräumen für rund 500 Studierende konnte kürzlich eingeweiht werden. Dort ist unter anderem das Institut für Politikwissenschaften eingezogen.

Zwischen dem Hauptgebäude und Oerlikon verkehren Pendelbusse. Allerdings nur zwei Mal am Tag. Laut Marx könnte sich dies vielleicht schon ab kommendem Frühlingssemester ändern. Es sei bereits beschlossene Sache, dass bald mehr Busse fahren und zwischen den Vorlesungen mehr Zeit zum Pendeln bleiben soll.

Weniger Budget für Unis

Das Platzproblem hat sich mit der Bologna-Reform verstärkt. Seither können Studierende nicht mehr so viele Stunden frei wählen, weshalb sich die Anfänger nicht mehr so gut verteilen. Der StuRa fordert deshalb einen flexibleren Umgang mit Pflichtlektionen.

Ein viel diskutierter Ansatz ist die Zulassungsbeschränkung für Studierende. Keine praktikable Lösung für Marx. «Man kann nicht nur wegen Platzproblemen einen Numerus Clausus einführen.» Sie spricht von einem politischen Paradox, dass man die Maturitätsquote erhöhen will, den Unis aber gleichzeitig das Budget kürzt. «Die Frage ist, inwiefern der Hochschule selbst die Hände gebunden sind, wenn ihr die finanziellen Mittel fehlen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mathias am 07.10.2010 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit für Restriktionen!

    Gegenwärtig werden CH-Hochschulen vor allem in den Masterstudiengängen von ausländischen Studenten überflutet. Die Kapazität ist am Anschlag, trotzdem nimmt z.B. die ETH, die ums Verrecken zuvorderst in den Rankings sein will, immer noch ohne jede Hürde ausländische Studenten auf, die zudem sprachlich nicht mithalten können. Es braucht hier endlich strenge Zulassungsprüfungen und vor allem massiv höhere Gebühren für Studenten, die keine CH-Maturität vorweisen können bzw. die nicht zur ständigen Wohnbevölkerung, egal ob CH-Pass oder Niedergelassene, gehören.

  • padi am 07.10.2010 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    livestream

    wieso nicht einfach einen videolivestream einrichten um damit auch den stubenhockern unter den studenten die möglichkeit zu geben vor der glotze was zu lernen? ist zumindest eine überlegung wert ;)

  • susi sorgenfrei am 07.10.2010 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    vorlesungen online übertragen - ENDLICH

    einfache lösung - vorlesungen online übertragen - problem für alle gelöst, alle sind happy, haben erst noch mehr zeit um sich aufs studium zu konzentrieren da der weg wegfällt - das problem mit den teuren mieten in den städten ist auch gleich vom tisch...alle gewinnen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Querschnitt am 08.10.2010 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hahaha

    Heute ist es besonders spannend, im 20min online zu lesen. Die Bevölkerung wächst eben weiter und weiter und weiter. Und darum soll das Nachtflugverbot aufgeweicht werden. Und darum brauchen wir mehr AKW-Strom. Und mehr Ausschaffungen schaffen mehr Arbeitsplätze und mehr Flugbewegungen. Von einer Seite betrachtet sind wir eben der Nabel von Europa.

  • Dani am 08.10.2010 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Anforderung

    Vielleicht sollte man auch einfach wieder die Anforderung auf ein Minimum hochschrauben. Heute steht ja Hinz und Kunz an der Uni, auch wenn der Horizont kaum bis zur nächsten Strassenlaterne reicht. Anstatt dem Volk die Möglichkeit auf Bildung zu geben, wurde einfach die Bildungsmöglichkeit fürs Volk angepasst. Schade drum...

  • Marsupilami am 08.10.2010 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    was habt ihr denn alle?

    Hab in Basel studiert, nie Probleme mit dem Platz im Hörsaal gehabt währemd des ganzen Studiums (und das war nicht Theologie!) Es werden eh nicht alle Psycho, Wirtschaftler oder Phil I. er etc. eine Stelle finden. Daher wäre es besser grad numerus clausus oder wieder Vordiplom einzuführen. Dann trennt sich der Spreu vom Weizen. In gewissen Fächern haben wir jetzt schon zu viele Akademiker die ihr Diplom als Klopapier brauchen können.

  • Mathias am 07.10.2010 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit für Restriktionen!

    Gegenwärtig werden CH-Hochschulen vor allem in den Masterstudiengängen von ausländischen Studenten überflutet. Die Kapazität ist am Anschlag, trotzdem nimmt z.B. die ETH, die ums Verrecken zuvorderst in den Rankings sein will, immer noch ohne jede Hürde ausländische Studenten auf, die zudem sprachlich nicht mithalten können. Es braucht hier endlich strenge Zulassungsprüfungen und vor allem massiv höhere Gebühren für Studenten, die keine CH-Maturität vorweisen können bzw. die nicht zur ständigen Wohnbevölkerung, egal ob CH-Pass oder Niedergelassene, gehören.

  • Student aus Fribourg am 07.10.2010 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch nach Fribourg...

    ...dort bekommt ihr dieselbe Ausbildung, einen garantierten Platz im Hörsaal und könnt auch noch zwischen zwei Sprachen wählen. Selber Schuld, wer an den überfüllten Unis in Zürich oder St. Gallen studiert....

    • Martina F. am 08.10.2010 07:38 Report Diesen Beitrag melden

      Problem verschieben?

      Ist dir schon mal aufgefallen, dass man gewisse Studiengänge nur an gewissen Schulen/Unis machen kann? Oder dass es keine ETH in Fribourg gibt? Oder das Bern am A der Welt liegt, wenn man zufällig und dummerweise in Zürich lebt?

    • Student am 08.10.2010 08:29 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Völliger Quatsch. Ich studiere in Fribourg und ich sitze auch in überfüllten Hörsälen.

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