Karte der Mutationen

29. Oktober 2013 05:11; Akt: 29.10.2013 11:17 Print

Wie sich der Mensch gegen das HI-Virus wehrt

Dringt das Aids-Virus in den Körper ein, leitet er Gegenmassnahmen ein – zum Teil mit Erfolg. Erstmals haben Lausanner Forscher die körpereigene HIV-Abwehr systematisch erfasst.

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Der Schlüssel einer künftigen HIV-Therapie könnte in den menschlichen Genen liegen. Denn wie jedes andere Virus löst auch das Aids-Virus im Körper eine Abwehrreaktion aus. Einige dieser Verteidigungsstrategien sind so erfolgreich, dass sie das Virus in Schach halten können. Auf jeden Fall hinterlässt dieser Abwehrkampf Spuren, wie die ETH Lausanne (EPFL) am Montag mitteilte.

Welche Kampfstrategie die Körperzellen angewendet haben, lässt sich anhand von Mutationen im Erbgut der HI-Viren ablesen - eine Art von «Narben», die durch die Verteidigung des Immunsystems entstanden sind.

Ein Team der EPFL und des Unispitals Lausanne (CHUV) hat nun über 3000 solcher Spuren aus verschiedensten HIV-Stämmen gesammelt, die in über 1000 Patienten «gelebt» haben. Diese haben sie mit Hilfe eines Supercomputers mit über sechs Millionen Variationen im Erbgut dieser Patienten verglichen, wie sie im Online-Fachjournal «eLife» berichten. Das Ziel war, herauszufinden, welche Variationen die Abwehr stärkten und welche sie schwächten.

Das Resultat ist die bislang vollständigste, globale Übersicht über jene Gene, mit deren Hilfe der menschliche Körper dem HI-Virus Widerstand leistet. Auch die Anpassung des Virus an diese Abwehr durch rasche genetische Veränderungen lasse sich daran untersuchen, erklärte Studienleiter Jacques Fellay von der EPFL in der Mitteilung.

Individuelle Therapien

Die Forscher sehen zwei Vorteile ihrer neuen Datenbank: Indem man die natürliche Abwehr des Immunsystems studiere, liessen sich neue Therapien entwickeln - vor allem wenn man jene Fälle anschaue, wo der Patient ohne äussere Hilfe die Vermehrung des Virus eindämmen konnte.

Zum anderen hoffen die Forscher, dass sie speziell auf jeden einzelnen HIV-Infizierten abgestimmte Behandlungen entwickeln können. Indem deren Erbgut auf die bekannten Veränderungen abgesucht wird, könnten die «Stärken» und «Schwächen» ihrer natürlichen genetischen Abwehr in den Therapieplan mit einbezogen werden.

Damit die Forscher überhaupt die Antwort der HI-Viren auf natürliche Abwehr studieren konnten, mussten sie auf Viren-Datenbanken aus den 1980er Jahren zurückgreifen - bevor wirksame Medikamente gegen Aids verfügbar waren.

(jcg/sda)