Love-Life-Kampagne

29. Juli 2014 06:48; Akt: 30.07.2014 14:27 Print

Wieso werben Lesben für Sex mit Kondomen?

Auf den Love-Life-Plakaten des Bundes wirbt auch ein lesbisches Paar für Sex mit Kondomen. Bei der Lesbenorganisation Schweiz ist man darüber befremdet.

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Fünf Paare haben sich für die Kampagne des Bundes «Love Life» in eindeutigen Stellungen ablichten lassen. Darunter sind auch zwei homosexuelle Frauen. Joanna und Sonia liegen aufeinander und räkeln sich leidenschaftlich in einem Bett – dort, wo man ihre Genitalien sehen würde, ist ein grosses Kondom abgebildet: «Bereue nichts», steht darunter. «Das Leben und seinen Körper zu geniessen, ohne dabei seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen – dafür machen wir uns stark», sagen die zwei zu ihrer Motivation, bei der Kampagne mitzumachen.

Doch Frauen können sich mit einem Kondom beim gleichgeschlechtlichen Sex nicht vor HIV schützen, wieso also dieses Bild? Viele lesbische Frauen hätten auch mit Männern Sex und könnten sich so mit HIV infizieren, sagt Roger Staub vom Bundesamt für Gesundheit dazu. Deswegen sei es logisch, dass auch Lesben auf den Plakaten vertreten seien.

«Nicht alle Lesben sind bisexuell»

Barbara Lanthemann, Geschäftsführerin der Lesbenorganisation Schweiz, ist befremdet über diese Argumentation: «Ich finde das eine komische Aussage. Nicht alle Lesben sind bisexuell. Im Gegenteil, es gibt viele homosexuelle Frauen, die keinen Sex mit Männern haben.»

Zwar freue sie sich darüber, dass endlich auch mal Lesben einen Platz in einer Sex-Kampagne gefunden hätten. Schade sei aber, dass die richtigen und notwendigen Informationen dazu fehlten. Kondome könnten auch bei homosexuellen Frauen eine wichtige Rolle spielen, aber nicht im Zusammenhang mit HIV. Das Risiko, dass sich Lesben beim Sex mit dem Virus infizierten, sei sehr klein, sagt Lanthemann.

Aber es sei durchaus möglich, dass beim Gebrauch von Sextoys eine andere Geschlechtskrankheit übertragen werde. «Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass Frauen beim gleichgeschlechtlichen Sex Kondome über die Dildos und Co. ziehen», so Lanthemann. Darüber zu informieren, sei ihrer Meinung nach ebenfalls eine Aufgabe des Bundesamts für Gesundheit.

(tab)