Neue Erkenntnisse

08. Juni 2011 18:48; Akt: 08.06.2011 21:03 Print

EHEC-Keim in Abfall-Gurke gefunden

Bei der Suche nach der Quelle der EHEC-Epidemie gibt es eine neue Spur. Im Abfalleimer einer Opfer-Familie wurden die Ermittler fündig.

teaser image

Zum Thema
Fehler gesehen?

In einer Abfalltonne in Magdeburg wurde die grassierende Form des Darmkeims an einem Gurkenrest entdeckt. Ob der Müll zum Ursprung der Infektionswelle führt, war vorerst unklar. Die Mülltonne in Magdeburg gehört einer Familie, die an EHEC erkrankt ist. Wie der Keim dorthin kam, war zunächst offen. «Es ist nicht klar, und wir werden nicht mehr zweifelsfrei ermitteln können, wie er da hingelangt ist», sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt, Holger Paech. Die Gurkenreste lagen schon mindestens seit eineinhalb Wochen in der Tonne.

Der deutsche Gesundheitsminister Daniel Bahr sagte, der Darmkeim habe bisher 25 Todesopfer in Deutschland gefordert, die Zahl der Neuinfektionen sinke aber. Dies gebe Anlass für Optimismus, «dass wir bundesweit das Schlimmste hinter uns haben».

Bisher seien 1959 Fälle registriert, davon 689 mit besonders schwerem Verlauf, sagte er. Es sei nicht auszuschliessen, dass es weitere Todesfälle und Neuinfektionen gebe. Warnungen vor dem Verzehr von rohen Gurken, Tomaten, Salat und Sprossen müssten aufrechterhalten werden, sagte Bahr.

Hinweise verdichten sich

Bei einer Sitzung der Gesundheits- und Verbraucherschutzminister in Berlin hiess es, die Infektionswelle sei der schwerste jemals beobachtete EHEC-Ausbruch in Europa. Noch immer sei der Ursprung der Infektionen nicht gefunden. Bislang seien über 3000 Proben untersucht worden. Der aggressive EHEC-Erreger sei bisher nicht nachgewiesen worden, teilten die Minister mit.

Trotzdem habe sich der Verdacht gegen den Sprossen-Züchter in Niedersachsen verdichtet. Der Betrieb habe Sprossen an acht Einrichtungen geliefert, wo jeweils mehrere Menschen an EHEC erkrankt seien.

Zudem sei eine dritte Mitarbeiterin des Betriebs im Mai vermutlich an dem Darmkeim erkrankt gewesen, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann. Vorher war bereits die EHEC- Infektion einer Mitarbeiterin des Herstellers von Sprossen bekannt, eine zweite litt an Durchfall.

Entschädigung für Bauern

Die offizielle Warnung vor dem Verzehr von Gemüse wurde von der Agrarbranche abermals kritisiert. Gemüsebauern forderten eine Ende der pauschalen Warnung, da diese «ohne einen wissenschaftlichen Nachweis für die tatsächliche Gefährdung der Verbraucher» ausgesprochen worden sei.

Die EU-Kommission kündigte an, die Gemüsebauern deutlich besser zu entschädigen als bisher geplant. Für Umsatzeinbussen sollen die europäischen Landwirte 210 Millionen Euro statt der bisher geplanten 150 Millionen Euro erhalten. Die EU-Staaten müssen dem Vorschlag noch zustimmen.

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes belaufen sich die durch EHEC entstandenen Umsatzverluste für die deutschen Gemüsebauern bislang auf 50 Millionen Euro.

In Spanien, wo die Verluste des Gemüsesektors EU-weit die grössten sind, verschenkten Bauern als Zeichen des Protestes 30 Tonnen Früchte und Gemüse. Der Bauernverband nannte es beschämend, wenn die EU 150 Millionen Euro bereitstellen wolle, wenn es allein in Spanien Ausfälle im Wert von 350 Millionen Euro gebe.

Aufruf zum Blutspenden

Mediziner der Universitätskliniken Greifswald und Bonn haben Hinweise auf die Ursache schwerer Verläufe bei EHEC-Patienten mit dem HU-Syndrom gefunden. Vieles deute darauf hin, dass neben dem Giftstoff Shigatoxin auch die Bildung von Autoantikörpern für schwere Schädigungen verantwortlich sei, sagte Mediziner Andreas Greinacher. Die Autoantikörper erhöhten einen Gerinnungsfaktor, was die Durchblutung von Gehirnregionen und der Nebennieren einschränke.

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) rief erneut zum Blutspenden auf. In den vergangenen drei Wochen seien allein am UKE mehr als 6000 Plasmakonzentrate eingesetzt worden, berichtete eine Sprecherin.

«Das entspricht etwa der Menge an Plasma, die sonst in drei bis vier Monaten gebraucht wird.» Die Reserven müssten möglichst schnell wieder aufgefüllt werden.

(sda)